Noch Anfang des Jahres sah die Situation im DAX sehr positiv aus. Der deutsche Leitindex überstieg Mitte Januar das Jahreshoch aus dem Vorjahr und markierte mit 13'596 Punkten ein neues Allzeithoch. Seither kennt der DAX jedoch nur eine Richtung und liegt mittlerweile 21 Prozent unter diesem Allzeithoch. Und mit einer aktuellen Jahresperformance von knapp minus 17 Prozent markiert der deutsche Leitindex den zweithöchsten Jahresverlust seit dem Krisenjahr 2008, als der Index um -40.37 Prozent einbrach.

Sektoren und Unternehmen

Die deutsche Schlüsselindustrie, der Automobilsektor, ist besonders stark betroffen. Während der Gesamtsektor um -24.72 Prozent an Wert verlor, traf es die DAX Schwergewichte Daimler und Continental mit -33 Prozent und -45 Prozent besonders hart. Neben dem Dieselskandal haben die anhaltenden Streitigkeiten mit der US-Administration über Einfuhrzölle den Sektor weiter belastet.  

Doch auch der deutsche Pharma und Healthcare Sektor verzeichnet in diesem Jahr mit einem Verlust von - 24.60 Prozent. Hier sticht ein DAX-Schwergewicht besonders heraus – die Bayer AG. Mit einem Jahresverlust von derzeit -38 Prozent liegt der Chemie- und Pharmakonzern im unteren Fünftel der Dax Performer für das laufende Jahr. Die milliardenschwere Übernahme von Monsanto hat sich als grosse Belastung für den DAX Konzern erwiesen. Der Glyphosat-Prozess in den USA könnte den Konzern Milliarden an Entschädigungen kosten und dürfte die Zukunftsaussichten des Konzerns weiterhin eintrüben.

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Ein rabenschwarzes Jahr war 2018 auch für die Deutsche Bank. Mit einem Minus von knapp 52 Prozent halbiert sich der Wert des grössten deutschen Geldhauses und bildet damit das Schlusslicht im DAX. Die nicht abreissende Welle an Skandalverwicklung, wie jüngst die Razzia in Frankfurt bezüglich des Geldwäscheskandals rund um die dänische Danske Bank, lassen auf strukturelle Probleme innerhalb des Konzerns schliessen. Während US Banken deutlich über den Höchstständen vor der Finanzkrise notieren, ist die Deutsche Bank mit einem Wertverlust von nahezu 92 Prozent von ihrem Allzeithoch nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Politische Spannungen

Politisch war das Jahr 2018 ein schwieriges für die EU und insbesondere für Deutschland als exportorientiertes Land. Der Brexit belastet die Märkte weiterhin, da es den Briten nicht möglich scheint, eine Lösung zu finden und im März somit ein ungeordneter Austritt aus der EU droht. Als viertgrösster Exportpartner Deutschlands würde eine Wirtschaftskrise im Vereinigten Königreich die deutsche Exportindustrie schwer belasten. Mit einem Aussenhandelsüberschuss (Exporte – Importe) von 48.6 Milliarden Euro im Jahr 2017 ist Grossbritannien nach den USA sogar der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands.

Die Italienkrise scheint kurzfristig gelöst zu sein, jedoch lediglich in Bezug auf das Haushaltsdefizit der kommenden Jahre. Die massive Verschuldung der drittgrössten europäischen Volkswirtschaft wird sich weiter verschärfen und dürfte auch in den kommenden Monaten für Turbulenzen an den europäischen Aktienmärkten sorgen.

Weiter scheint auch der Handelskonflikt mit den USA noch weit weg von einer Lösung zu sein und dürfte für eine erhöhte Volatilität in 2019 sorgen.

Zentralbanken und US-Dollar

Ein zentrales Thema im kommenden Jahr dürfte jedoch die Zinsdifferenz zwischen den USA und der EU bleiben. Zwar hat die EZB in ihrer letzten Sitzung die Beendigung ihres Anleihekaufprogramms zum Jahresende bestätigt. Der EU steht jedoch noch über längere Zeit eine Nullzinsphase bevor. Zu wenig haben die einzelnen Mitgliedstaaten in den vergangenen Jahren getan, um die strukturellen Probleme und die hohen Schuldenstände zu bekämpfen. Mit steigenden Euro-Zinsen dürften Krisenländer wie Italien, Spanien und sogar Frankreich in den Fokus von Spekulanten geraten. Sollte die EZB die Zinsen jedoch tief halten und die US-amerikanische FED die Zinsen weiter anheben, dürfte dies zu einer weiteren Aufwertung des US-Dollars führen.

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Was gleich auf zwei Ebenen Probleme schüren wird. Zum einen würde dies zu einer weiteren Vergrösserung des US-Handelsdefizits mit dem Rest der Welt führen und das Thema Handelskrieg weiter forcieren. Zum anderen würde ein anhaltend starker US-Dollar Emerging Markets wie Südafrika und die Türkei weiter unter Druck setzen. Diese Länder haben in Zeiten niedriger US-Zinsen, Anleihen in US-Dollar ausgegeben, was einen Schuldendienst und die Refinanzierung bei steigendem US-Dollar und steigenden US-Zinsen deutlich erschweren dürfte. Eine Emerging-Markets Krise könnte folglich zu einer Belastung der Weltwirtschaft werden.

Charttechnisch angeschlagen

Nehmen wir das Korrekturtief der letzten stärkeren Korrektur im DAX (April 2015 – Februar 2016). So erreichte der deutsche Leitindex mit seinem aktuellen Jahrestief von 10'585 Punkten nahezu punktgenau das 61.8 Prozent Fibonacci-Retracement Niveau der Februar 2016 / Januar 2018 Aufwärtsbewegung. Damit bewegt sich der deutsche Aktienmarkt nur knapp über einer bedeutenden Unterstützung.

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Sollte der DAX unter dieses Level fallen und auch die psychologisch wichtige Marke von 10'000 Punkten nicht halten, scheint eine Anschlussbewegung bis auf das Ausgangsniveau bei knapp 8700 Punkten möglich. In diesem Bereich verläuft gleichzeitig das 50 Prozent Fibonacci-Niveau des Aufwärtstrends vom März 2009 / Januar 2018 und dürfte dem Markt verstärkte Unterstützung bieten. Erst ein Ausbruch über den horizontalen Widerstandsbereich bei 11'700 Punkten, was gleichzeitig das letzte tiefere Hoch der aktuellen Abwärtsbewegung darstellt, würde charttechnisch das Bild im DAX verbessern.

Grafik Stocks DAX
Quelle: ProRealTime
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Mit einer Price/Earnings Ratio von knapp unter 11 liegt der DAX bewertungstechnisch knapp 30 Prozent unter seinem 20-jährigen Durchschnitt (15.5). Auch wenn dies zunächst günstig erscheint, liegt die aktuelle Bewertung noch deutlich über den Bewertungstiefständen der Finanzkrise (P/E 8.43) und der Dotcom Blase (8.97). Sollten sich die oben genannten Probleme im Jahr 2019 weiter verschärfen, scheint das charttechnische Szenario mit einem Zielniveau bei 8700 Punkten wahrscheinlicher als eine Rückkehr zu neuen Höchstständen.

*Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.