Mitten im Abwärtssog an den weltweiten Märkten ist der Dollar zu einer heissen Ware geworden.

Trotz negativer Wirtschaftsdaten aus den USA kann der Greenback gegenüber dem Euro enorm an Boden gutmachen. Viele Beobachter sehen den Grund darin, dass ausländische Banken von der Schweiz bis Südkorea Dollar nachfragen.

Über Nacht gefragt

Das führt zu einer seltsamen Situation an den kurzfristigen Geldmärkten: Ausländische, vor allem europäische Banken fragen jeden Morgen Dollar nach, während Marktteilnehmer aus den USA Dollar horten.

Viele europäische Banken zahlen Zinsen, die mindestens doppelt so hoch sind wie die für US-Banken, um über Nacht Dollar auszuleihen. Der Greenback wird so stark nachgefragt, weil sich in den letzten Jahren viele ausländische Banken kurzfristig Dollar zur Finanzierung unterschiedlicher Aktivitäten ausgeliehen haben. Nun ist ein Kanal, an dieses Kapital zu kommen, verstopft. Denn das Verhalten amerikanischer Banken gegenüber anderen Geldinstituten ist von Misstrauen geprägt. Zur gleichen Zeit versuchen Banken weltweit, ihre Verschuldung zurückzufahren, um ihre Bilanzen zu säubern. Und wenn sie sich in Dollar verschuldet haben, müssen sie auch Dollar zurückzahlen.

«Im Finanzsystem gibt es eine Leverage-Pyramide, die sich über Jahre aufgebaut hat», sagt Mark Astley, Chef der britischen Währungsmanagementfirma Millennium Global Investments. «Und das wird auch in ein paar Wochen noch nicht vorbei sein.» Die weltweite Nachfrage nach Dollar zwang die amerikanische Notenbank dazu, ihre Swap-Geschäfte mit anderen Notenbanken auszudehnen, damit diese den heimischen Geschäftsbanken Dollarliquidität zur Verfügung stellen können. Die Fed hat nun Abmachungen mit neun anderen Notenbanken von Grossbritannien bis Australien getroffen, die jetzt zusammen Zugang zu 620 Mrd Dollar haben. Doch das hat immer noch nicht ausgereicht, den Engpass zu beseitigen. Die Nachfrage hat sich teilweise auf die Währungsmärkte verlagert. Dort können Marktteilnehmer auch über sogenannte Currency-Swaps Währungen tauschen.Vor allem europäische Banken leiden unter dem Engpass. Im Juni berichtete die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass europäische Banken in den vergangenen Jahren von anderen Instituten kurzfristig Dollar geliehen und diese Gelder in langfristige Kredite für Nichtbanken umgewandelt hätten. Ein Beispiel seien hypothekenbezogene Investments in den USA. Die Nettoverbindlichkeiten der europäischen Banken stiegen Ende 2007 auf über 800 Mrd Dollar.

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Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers ist es für Banken des Alten Kontinents aber schwierig geworden, auf den US-Geldmärkten Dollar einzusammeln. Vor allem Geldmarktfonds sind sehr vorsichtig geworden. In vielen Fällen vergeben sie Geld nur für einen Tag an starke Unternehmen und grosse US-Banken.

Leicht entspannte Lage

Händler berichten, dass europäische Banken einige Male während der vergangenen Wochen Probleme hatten, Investoren zu finden, die ihnen über Nacht Geld leihen.

Und das, obwohl die Banken bereit waren, Zinsen von mehr als 6% zu zahlen. Später am Tag beeilten sich die Geldmarktfonds dann, Milliarden von Dollar in Übernacht-Guthabendepots bei grossen US-Banken zu stecken. Und in einigen Fällen gaben sie sich dabei sogar mit Zinsraten von 0,01% zufrieden.

Vergangene Woche hat sich die Lage leicht entspannt, doch zahlen europäische Banken für Übernacht-Ausleihungen immer noch stolze Zinsen von 3,0 bis 3,5%.