Was ist vor kurzem nicht noch alles spekuliert worden über die schöne neue Zukunft, die dem Euro fast zehn Jahre nach seinem Start bevorstehen könnte. In Zeiten der anhaltenden Dollarschwäche, verkündeten da manche Strategen optimistisch, könne sich der Euro womöglich schon bald zum natürlichen Nachfolger des Greenback als Weltleitwährung aufschwingen. Einige Studien beschworen gar den «Beginn vom Ende der Dollardominanz» herauf.

Die Realität sieht indes anders aus. Ausgerechnet bei den internationalen Währungsreserven, die ein wichtiger Massstab für den Status als weltweite Leitwährung sind, hat der Euro im vergangenen Jahr leicht an Gewicht verloren. So legten die weltweiten Reserven zwar rasant zu und erreichten mit über 6,3 Billionen Dollar einen Rekordwert. Vor allem die Zentralbanken in den Schwellen- und Entwicklungsländern stockten ihren Geldbestand erneut kräftig auf. Der Anteil des Euro an diesem gewaltigen Währungsschatz, der von Regierungen und Banken weltweit gehortet wird, sank nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Basis konstanter Wechselkurse allerdings um knapp einen Prozentpunkt auf 26,5%. Der Anteil des Dollar stieg in diesem Zeitraum um 0,5 Prozentpunkte auf 63,9%. Und auch als Anlagewährung war der Euro offenbar längst nicht so stark gefragt, wie es der Kursanstieg der Währung im vergangenen Jahr vermuten liess.

Die Stärke wird zur Last

Schuld an dieser Entwicklung ist offenbar ausgerechnet die Stärke der europäischen Gemeinschaftswährung. Diese hat sich im Jahr 2007 allein gegenüber dem Dollar um rund 12% verteuert. Eine Reihe von Investoren hat offenbar genau das vor einer grösseren Umschichtung ihrer Portfolios zugunsten des Euro zurückschrecken lassen.

Anzeige

Zudem haben der EZB-Studie zufolge zahlreiche Staaten Asiens, Südamerikas sowie die ölproduzierenden Länder Absicherungsgeschäfte in Dollar getätigt, um im Falle eines weltweiten Abschwungs über Reserven in der zuvor billig erworbenen US-Währung zu verfügen. Auch viele grosse Investoren seien zuletzt auf den Dollar ausgewichen. Erkennbar werde dies vor allem am Anleihemarkt, wo viele Anleger den günstigeren Dollarpapieren den Vorzug gegeben hatten. Die Tendenz der grossen Staatsfonds aus Nah- und Fernost sowie Russland, ihr Geld nicht mehr nur in Staatspapiere, sondern zunehmend auch in Aktien zu investieren, hat die Stellung des Dollar als weltweite Anlage- und Reservewährung Nummer eins ebenfalls gestärkt. Denn wegen der grösseren Markttiefe und Liquidität greifen die meisten dieser Investoren nach wie vor bevorzugt zu Dollartiteln.

Daten sind nur Annäherungen

Dennoch sind diese Zahlen mit Vorsicht zu geniessen. Das wird besonders im Fall der weltweiten Währungsreserven deutlich. Da bislang etwa ein Drittel aller Staaten – darunter China – die genaue Zusammenstellung seiner Reserven nicht bekannt gibt, können selbst die Daten von EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Wirklichkeit nur annäherungsweise wiedergeben. Denkbar wäre es also zum Beispiel, dass der Anteil des Euro in diesen Ländern deutlich gestiegen ist, ohne dass sich das direkt in den Zahlen spiegeln würde.

Euro in Osteuropa sehr beliebt

Im Gegensatz zur weltweiten Nutzung des Euro als Reserve- und Anlagewährung ist nach Angaben der EZB die Menge der Münzen und Banknoten im Ausland kräftig gestiegen. Vor allem in den Ländern Osteuropas seien viele Euro-Noten und -Münzen im Umlauf. Grund hierfür sei der Boom von Reisen nach Osteuropa, wo der Euro oft akzeptiert werde und das Interesse an der harten Währung gross sei. Dies gelte vor allem für die noch nicht in die Euro-Zone aufgenommenen EU-Länder und die Beitrittskandidaten.

Den Schätzungen der Zentralbank zufolge könnte der Anteil des Euro-Bargeldes ausserhalb des gemeinsamen Währungsraums bis Ende 2007 von zuvor 60,1 auf nun 71,1 Mrd. Euro gestiegen sein. Wertmässig entspricht das rund 11% des gesamten Währungsumlaufs in Euro. Der Anteil könnte allerdings auch deutlich höher liegen und knapp 20% erreichen, schreibt die EZB. Genauere Angaben sind jedoch nicht möglich, da das Geld häufig auch ausserhalb des Bankensystems in die jeweiligen Länder transportiert wird, etwa über Touristen oder Gastarbeiter.