Erneut steigt der Franken, wenn Griechenlands Bonds – die riskantesten Staatsanleihen der Industriestaaten gemessen an den Derivaten – fallen, und schwächt sich ab, wenn der Kurs dieser Papiere steigt. Im Januar war dieses Verhältnis auf den Kopf gestellt worden, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) unerwartet ihren Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro kippte. Das schadete dem Ruf der eigentlich für ihre Stabilität bekannte Schweiz.

Doch nun stellt sich die Verlässlichkeit wieder ein. Die Händler fassen wieder Vertrauen, dass das Land seinen Status als eine der weltweit ungefährlichsten Volkswirtschaften nicht aufs Spiel setzen wird, indem sie die Märkte abermals überrascht. Und das kommt keine Minute zu früh für Anleger, die einen sicheren Ort für ihre Barmittel suchen – angesichts zunehmender Spekulationen, dass Griechenlands Finanzsystem in wenigen Wochen das Geld ausgehen könnte.

Rückkehr zur Normalität

«Der Franken kehrt wieder zur Normalität zurück», sagt Niels Christensen, Chef-Währungsstratege bei der Nordea Bank in Kopenhagen. Die Währung «steigt, wenn die Risikoaversion hoch ist, und fällt, wenn sie niedrig ist».

Der Franken wird von Investoren als sicherer Hafen bevorzugt, weil die Schweiz seit dem Jahr 2000 kein Handelsbilanzdefizit mehr aufgewiesen hat. Das bedeutet, dass die Schweiz nicht von ausländischen Investitionen abhängig ist, um den Haushalt zu finanzieren.

Antipode: Griechenland

Griechenland befindet sich am anderen Ende des Spektrums. Die Wahrscheinlichkeit eines griechischen Zahlungsausfalls in den nächsten fünf Jahren liegt bei 75 Prozent, deuten die von CMA zusammengestellten Preise für Kreditausfallversicherungen an. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen des Landes erreichte am Dienstag den höchsten Stand in diesem Monat, während Athen um eine Finanzierungsvereinbarung ringt, bevor die Banken ihre Notfallkreditlinien vollständig ausschöpfen.

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Die Korrelation zwischen dem Franken-Euro-Kurs und Griechenlands Rendite zehnjähriger Bonds erreichte am Dienstag 0,7 und lag damit fast wieder auf dem Niveau, das vor der Aufgabe des Frankendeckels am 15. Januar verzeichnet worden war. Die SNB-Entscheidung hatte dieses Verhältnis auf 0,3 reduziert, zeigen Daten von Bloomberg. Ein Wert von 1 würde bedeuten, dass der Wechselkurs mit der Entwicklung der griechischen Rendite vollkommen im Einklang steht, während minus 1 eine komplett gegenläufige Entwicklung darstellen würde.

Hohe Volatilität nach Mindestkurs-Aus

Die Aufgabe der Deckelung hatte den Franken auf einen Rekord zum Euro hochschiessen lassen und auch die implizite Dreimonats-Volatilität – basierend auf den Schlusskursen – auf das Allzeithoch von 25 Prozent getrieben. Am 14. Mai gab der Wert wieder auf 8,3 Prozent nach, was den niedrigsten Stand seit der Abschaffung des Euro-Mindestkurses darstellte.

Der Franken festigte sich in den drei Monaten bis Dienstag um 3,5 Prozent zum Euro und notierte am Mittwochvormittag bei 1,0419 Franken je Euro. Da der Franken nun wieder als sichere Anlage betrachtet wird, stürzen sich Anleger auf die Währung. Die Wetten auf eine Aufwertung zum Dollar haben den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht, zeigen jüngste Daten der US-Derivateaufsicht Commodity Futures Trading Commission in Washington.

«Der Franken wird weiterhin als eine der bevorzugten Zufluchtswährungen betrachtet, trotz der SNB», sagt Lee Hardman, Stratege bei Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ Ltd. in London. Seiner Einschätzung nach wird der Franken bis zum Jahresende auf 1,03 je Euro zulegen. Die Märkte seien wieder zur dem «traditionellen Muster zurückgekehrt, bei dem der Franken profitiert, wenn die Sorgen um einen Griechenland-Ausfall zunehmen», fügt er an.

(bloomberg/ise/ama)