Die Angst vor dem «Double Dip», also dem Rückfall in eine Rezession, lässt die Anleger aus risiko-belasteten Fremdwährungen flüchten und treibt die Notierungen von sichereren Währungen an.

Eine Umfrage der «Handelszeitung» bei Schweizer Währungsexperten zeigt: Der Franken bleibt stark, und dies nicht nur wenige Wochen, sondern bis weit in das nächste Jahr hinein (siehe Tabelle). Der Euro-Franken-Kurs wird sich auf dem aktuell tiefen Stand von 1.30 Fr. einpendeln, laut den Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) könnte der Kurs sogar noch tiefer sinken - 1.25 Fr. scheinen möglich. «Im September nehmen die Fälligkeiten und der Refinanzierungsbedarf von einzelnen Euro-Staaten wie Spanien oder Italien wieder zu, das könnte die Märkte belasten», so Marcus Hettinger, Leiter Devisen-Research bei der Credit Suisse.

Einzelne Experten gehen sogar davon aus, dass der Franken noch jahrelang auf hohem Niveau bleiben könnte. Doch nicht nur der Franken, auch andere sichere Häfen sind derzeit gesucht. «Für die nächsten vier Wochen erwarten wir, dass die Nachfrage nach sicheren Währungen wie etwa Franken, Yen und Dollar anhält», so David Kohl, Head Currency Research bei der Bank Julius Bär.

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Baisse treibt Franken an

Zuletzt haben durchzogene Wirtschaftsdaten, Wachstumssorgen und Deflationsängste dafür gesorgt, dass der Dollar an Stärke verlor. Der Dollar-Franken-Kurs wird sich nach Ansicht der Experten in den nächsten zwölf Monaten wohl kaum erholen und zwischen 1 und 1.10 Fr. pendeln. Die relativ tiefen Zinsen und die hohe Verschuldung sorgen für einen trüben Ausblick.

Noch stärker verschuldet ist Japan, wobei man sich dort über eine baldige Abwertung freuen würde. Der japanische Yen ist im Sommer auf 1.30 Fr. geklettert und notiert seither bei 1.20 Fr. Gegenüber dem Euro ist der Yen so stark wie seit neun Jahren nicht mehr; zum Dollar steht die Währung gar auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren. Vor allem für die japanische Exportindustrie ist das ein Nachteil. Jetzt hat die Bank of Japan durchgegriffen und umgerechnet 120 Mrd Fr. in das Bankensystem gepumpt, während die Regierung ein Konjunkturprogramm von 11 Mrd Fr. in Aussicht stellte. Sollten die Massnahmen Wirkung zeigen und die Konjunktur wieder anziehen, könnte auch der Yen wieder abwerten.

Doch dem messen Kenner wenig Chancen zu. «Die Abschwächung des Yen ist für uns eine Frage der Zeit», so Thomas Flury, Head Foreign Exchange Strategy bei UBS Wealth Management Research. Die Schmerzgrenze für staatliche Massnahmen scheint erreicht. Auch Grossbritannien kommt schlecht weg bei den Devisenanalysten.

Keine Panik bei Volatilität

«Für den Anleger gäbe es eigentlich gute Gründe, keine Euro, keine Dollars, keine Pfund und keine Yen zu halten», so Flury. Für Schweizer Investoren wird das Umfeld immer anspruchsvoller. Die Experten der Credit Suisse empfehlen daher Währungsrisiken gegenüber dem Dollar und dem Euro abzusichern. Denn die Kosten für die Absicherung sind historisch tief. Zudem gilt es, die Geduld nicht zu verlieren: «Wichtig ist, dass man sich von der hohen täglichen Volatilität nicht zu stark beirren lässt und seine Anlageentscheide auf die mittel- bis langfristigen Fundamentaldaten abstützt», so Beat Schumacher, Währungsanalyst der ZKB.

Exoten werden interessant

Wem die Schwankungen zu viel werden, sollte sich besser ausserhalb der bekannten Pfade bewegen. «Die Volatilität bei den Währungen der Entwicklungsländer ist etwas niedriger als bei den Währungen der G7-Staaten und die Zinsanstände sind deutlich höher», so Kohl. Die Bank Julius Bär setzt daher auf unterbewertete asiatische Währungen, etwa den Singapur-Dollar, den Taiwan-Dollar oder den malayischen Ringgit. Darüber hinaus trauen die Experten dem polnischen Z?oty, dem mexikanische Peso, dem kanadischen Dollar, der norwegischen und der schwedischen Krone eine weitere Aufwertung zu.

Da diese Währungen als risikosensitiv gelten, sollten Anleger noch abwarten. Denn die kommenden Wochen dürften aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten von der Nachfrage nach sicheren Währungen geprägt sein.