Surat, die Welthauptstadt der Diamantenschleiferei, verliert an Glanz. Mehr als 20 Jahre lang war die Küstenstadt im westindischen Staat Gujarat wichtige Zwischenstation im Diamantenhandel. Acht von zehn bearbeiteten Diamanten werden dort geschliffen und poliert, bevor sie in Märkte wie die USA verschickt werden. In der besten Zeit, vor drei Jahren, wurden von dort jährlich Diamanten im Wert von 212 Mrd Dollar exportiert.

Abwanderung und Streiks

Doch während überall sonst in Indien die Löhne gestiegen sind, haben die Besitzer der Diamantenschleifereien nicht mitgezogen und so die Abwanderung der Arbeiter hin zu besser bezahlten Jobs provoziert. In den vergangenen drei Jahren haben gut 250000 Arbeiter, ein Drittel der Diamantenschleifer, die Branche gewechselt, sodass dort heute nur noch rund 500000 Menschen arbeiten.

Nachdem die Schleifer und Polierer im Juli 2008 in den Streik getreten waren, erklärte sich die Surat Diamond Association, eine Vereinigung der Hersteller und Händler, bereit, die Löhne um 20% zu erhöhen – zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Nun macht sich die Branche auf den nächsten Schlag gefasst, der diesmal durch den Abschwung in den USA kommt. Noch vor zwei Jahren wurde dorthin ungefähr die Hälfte der in der Stadt Surat bearbeiteten Diamanten exportiert. Zwischen 2002 und 2005 wuchs Surats Export auf Dollarbasis um durchschnittlich mehr als 20% pro Jahr, 2006 nur noch um 6%.

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Das darauffolgende Jahr war noch schlimmer: Die Exporte brachen um 8% ein. Zum Ende des Geschäftsjahres, am 31. März, schien sich die Branche bei einem Exportwachstum um 30% erholt zu haben. Doch Experten sagen, die Zahlen seien irreführend, da Importzölle nicht berücksichtigt wurden. Tatsächlich seien die Exporte eher lau gewesen, sagt Sanjay Kothau, Vorsitzender des indischen Juwelen- und Edelsteinexport-Förderrats.

Surats Diamantenhändler versuchen, ihre Abhängigkeit von den USA zu reduzieren, indem sie in anderen Ländern verstärkt werben. Das wird kein leichter Weg. «Seit wir in der Diamantenbranche tätig sind, haben wir so etwas noch nicht erlebt», sagt Aagam Sanghvi, Direktor einer der grössten Diamantenschleifereien Indiens. 50% des Sanghvi-Umsatzes im vergangenen Geschäftsjahr entfallen auf die USA.

Das Unternehmen hat im Nahen Osten und in Asien expandiert, um den US-Abschwung abzufangen, aber nun lässt auch dort die Nachfrage nach. «Liquidität ist überall knapp», sagt Sanghvi.