Als wäre der schwache Euro nicht schon genug, geht auch der Dollar weiter auf Talfahrt. Laut Devisenexperten könnte der Abwärtstrend in den nächsten Monaten weiter anhalten - und der Dollar Ende Jahr deutlich weniger Wert sein als der Franken (siehe Text unten).

David Marmet, Leiter Volkswirtschaft Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), sieht daher klare Folgen für die heimischen Exportfirmen: «Hat der Dollar in den letzten Monaten noch für einen gewissen Ausgleich zur Euroschwäche gesorgt, zeigen die neusten Exportzahlen jetzt bereits eine Trendwende.» Im Zuge der Franken-Stärke gegenüber den beiden wichtigen Exportwährungen Dollar und Euro habe sich das Exportwachstum erstmals deutlich abgeschwächt und die Importe seien gestiegen.

Milliardenverluste für SNB

Doch nicht nur bei Schweizer Exportunternehmen sorgt die Dollar-Schwäche für Einbussen. Auch der Schweizerischen Nationalbank (SNB) drohen Verluste. Denn die SNB hatte in den letzten Monaten im Kampf gegen den starken Franken hohe Euro-Bestände aufgebaut, gleichzeitig in geringerem Mass aber auch Dollar erworben.

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Im 1. Halbjahr belief sich der Verlust auf diesen Fremdwährungspositionen auf 11,3 Mrd Fr., und unter dem Strich musste die SNB einen Halbjahresverlust von 2,8 Mrd Fr. hinnehmen. Zu diesem Zeitpunkt sass die Nationalbank auf Devisenanlagen in der Höhe von 227 Mrd Fr. Davon waren rund 70% in Euro und etwa 20% in Dollar.

Hatte der Dollar in der 1. Jahreshälfte noch geholfen, die Euro-Verluste auszugleichen, haben sich in den letzten Wochen beide Währungen gegenüber dem Franken abgeschwächt. Bis Ende Jahr könnten sich die Verluste noch ausweiten. «Wenn sich Euro und Dollar gegenüber dem Franken bis dahin noch um je 5 Rp. abschwächen, droht der SNB im 2. Halbjahr ein weiterer Währungsverlust in der Höhe von 8 bis 12 Mrd Fr.», prognostiziert Marmet. Dies wäre zu verkraften, denn allein die Rückstellungen für Währungsreserven betragen per Ende Juni 2010 rund 44,3 Mrd Fr.

Untergeordnete Bilanzrisiken

Der ehemalige SNB-Vizepräsident Niklaus Blattner sieht für die Bekämpfung deflatorischer Tendenzen - als Folge neuerlicher, starker realer Aufwertungen des Frankens - im Notfall durchaus noch Spielräume für eine weitere Ausweitung der Franken-Liquidität mittels «quantitative easing». Die Währungsrisiken in der SNB-Bilanz bilden kein unüberwindliches Risiko. «Die Risiken in der Bilanz sind ein untergeordnetes Problem, solange das Vertrauen in den Schweizer Franken standhält», sagt Blattner.

«Der Karren ist erst überladen, wenn die Investoren wegen der massiven Geldmengenausweitung von einer starken Inflation ausgehen und deswegen beginnen, den Franken zu meiden.» Dann wäre die Stabilität des Frankens in Gefahr. «Doch davon sind wir weit entfernt. Und auch dagegen wäre die SNB keineswegs machtlos, sofern sie frühzeitig beginnen würde, die Franken-Liquidität wieder abzuschöpfen und so ihre Bilanz sukzessive zu verkürzen», sagt Blattner.

Dollar im Tief: Schwache Wirtschaftsentwicklung und hoher Schuldenberg sorgen für Abwärtsdruck

Der Dollar hat sich in den letzten Wochen gegenüber dem Franken deutlich abgeschwächt und ist heute noch gleich viel Wert wie der Schweizer Franken. War auf den Höhen der Euro-Krise die Skepsis gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung extrem hoch, entziehen jetzt die Investoren dem Dollar zunehmend das Vertrauen: Der «Greenback» hat gegenüber den meisten anderen Währungen an Wert verloren.

Nach dem Zinsentscheid der Notenbank Fed steht die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft im Vordergrund. Laut den Devisenspezialisten von Morgan Stanley dürfte sich die Wirtschaft weiter abschwächen. Zudem sei die Nachfrage nach Dollar in letzter Zeit gesunken. Entsprechend erwarten die Experten einen weiteren Abwärtstrend beim «Greenback». Bis Jahresende dürfte der Dollar auf 0.92 Franken sinken.

Auch die Devisenexperten von Goldman Sachs sehen für den Dollar einen weiteren Abwärtsdruck. Neben den Risiken für die US-Wirtschaft in den nächsten zwölf Monaten würden die Staatsschulden der USA wie ein Damoklesschwert über der Leitwährung hängen.

Es gibt jedoch auch Argumente, die für einen stärkeren Dollar sprechen. Der «Greenback» hat im letzten Monat trotz schwacher Konjunkturdaten aus den USA an Wert gewonnen. Dies führen die Analysten der Bank Sarasin darauf zurück, dass die Währungsschwankungen weiterhin von der Risikotoleranz der Marktteilnehmer abhängen. Die Entwicklung des Dollar ist negativ mit den Aktienmärkten korreliert. Dies bedeutet, dass der Dollar stärker wird, wenn die Ängste der Anleger zunehmen. Steigen die Gefahren in den Augen der Investoren, könnte der Dollar also trotz der negativen Fundamentaldaten auch schon bald wieder gefragt sein. (ng)