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Börseninterview
«Der Handelskrieg ist nicht die grösste Gefahr»

Chinese President Xi Jinping (L) speaks at a joint press conference with U.S. President Donald Trump following their meeting in Beijing on Nov. 9, 2017. The two leaders agreed to keep enforcing U.N. sanctions on North Korea until it rids itself of nuclear weapons, while pledging to address the billowing U.S. trade deficit with China.(Kyodo)==Kyodo(Photo by Kyodo News via Getty Images)
Chinas Staatschef Xi Jingping und US-Präsident Donald Trump: Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist angespannt.Quelle: 2016 Kyodo News

CS-Experte Burkhard Varnholt erklärt, was Schweizer Firmen 2019 stark schaden könnte – und sagt, ob die Europawahlen die Konjunktur bedrohen.

Von Marc Bürgi
am 01.02.2019

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Anleger sind besorgt. Die wichtigsten aktuellen Sorgen drehen sich um die Konjunktur (wann kommt die nächste Rezession?), um die Eurozone und um den Brexit, um Chinas Wirtschaft und den US-Chinesischen Handelskonflikt. Hinzu kommen strukturelle Sorgen, die nicht neu sind: das globale Wachstum der Schulden bei Staaten, Unternehmen und Privathaushalten oder der viel besprochene Übergang von einer expansiven zu einer restriktiveren Geldpolitik und einer «Normalisierung» der Zinsen.

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Schweizer Börse ist Teil der globalen Märkte, in denen alles mit allem zusammenhängt. Kurzfristig dürfte die Erholung des Januars noch Luft nach oben haben. Aber weniger als in den ersten drei Wochen des neuen Jahres. Generell sind die Börsen volatiler geworden, was gute Gründe hat. Hochfrequenzhändler und der Übergang der Geldpolitik tragen dazu bei. Doch mittel- bis langfristig sehen wir bei Aktien attraktivere Risikoprämien als bei Anleihen und erwarten von ihnen entsprechend höhere Renditen.

Burkhard Varnholt
*Burkhard Varnholt ist Anlagechef der Swiss Universal Bank und Vize-Chef des Global Investment Committee der Credit Suisse.
Quelle: ZVG

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Bei über 9400 Punkten.

Im Mai werden in der EU die neuen Vertreter für das europäische Parlament bestimmt. Könnten die Europawahlen die europäische Konjunktur belasten?
Ich glaube kaum. Das EU-Parlament ist wichtig, aber es beeinflusst die Konjunktur seiner Mitgliedstaaten weniger als die nationalen Parlamente. Relevanter ist vielleicht die Signalwirkung. Falls sie die populistischen Tendenzen der letzten Jahre bestätigen, dann könnte das die Sorgen über Protektionismus und Interventionismus anheizen. Das wäre kein hilfreiches Signal für grenzüberschreitende Kapitalflüsse und Investitionen. Aber wir sollten diesen Wahlen nicht zu viel unmittelbare Konjunkturauswirkungen attestieren.

Cloud-Computing ist für grosse Technologiekonzerne wie Amazon, Microsoft oder SAP zum Umsatztreiber geworden. Wie können Anleger vom boomenden Geschäft mit der Datenwolke profitieren?
Die von Ihnen erwähnten Unternehmen sind Profiteure dieser Entwicklung, die jedem Anleger offenstehen. Ganz allgemein ist der defensive Bereich des Technologie-Sektors, also Software, Cloud-Computing und ähnliche Bereiche sehr profitabel und schafft attraktive Anlagethemen. Generell kommen Anleger am Supertrend Technologie nicht vorbei. Aber dazu zählt nicht nur Cloud Computing, sondern auch Automatisierung und Robotics, die Digitalisierung des Gesundheitswesens oder das grosse Thema Cyber-Security.

Der Kontinent Afrika spielt nur eine Nebenrolle in der Weltwirtschaft. Welche Volkswirtschaften auf dem Kontinent entwickeln sich derzeit besonders gut?
Südafrika ist aus Investorensicht gewiss der wichtigste Markt. Er ist Heimat der mit Abstand grössten Börse und die Wirtschaft erholt sich von der tiefen Krise der letzten Jahre. Der neue Präsident, Cyril Ramaposa geniesst national und international viel Ansehen. Der Rand bietet Erholungspotential. Wenngleich das Land in den letzten Jahren viel Kapital verlor, stehen die Chancen auf eine Erholung gut.

2018 war für die Schweizer Exportwirtschaft ein weiteres Spitzenjahr. Droht 2019 angesichts der Handelsstreits ein Ende dieser Erfolgsserie?
Der Handelskrieg ist nicht die grösste Gefahr. Grössere Risiken lauern vor unserer Haustür. Zentral wird 2019 sein, ob es gelingt, die Unternehmenssteuerreform erfolgreich abzuschliessen. Falls sie scheitert, würde das Schweizer Unternehmen weit mehr schaden als der Handelskrieg. Weniger unmittelbar, aber genauso wichtig wäre ein Rahmenabkommen mit der EU. Und last, but not least ist die Stärke des Schweizer Frankens jedes Jahr eine Herausforderung für unsere Exportwirtschaft.

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