Die Unsicherheit angesichts der Stabilität des Euro treibt den Goldpreis auf immer neue Rekordhöhen. So notierte der Preis für eine Feinunze (31,10 g) Gold zeitweise über 1245 Dollar - so hoch wie noch nie. Und erstmals durchbrach der Goldpreis auch die 1000-Euro-Grenze.

Der Grund dafür ist klar: Gold gilt als krisenfeste Anlage, da das Edelmetall von einer Geldentwertung, wie sie im Euro nun erwartet wird, nicht betroffen ist. Trotz des Rettungsschirms in Höhe von 750 Mrd Euro bestehe nämlich weiterhin die Angst, dass nach Griechenland weitere Euro-Staaten ihre Schulden ohne Hilfe nicht mehr begleichen können, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Diese Angst treibe die Anleger in das Gold. Das Edelmetall gilt in Krisenzeiten traditionell als sicherer Hafen.

Kräftige Steigerungen

Gold kann in physischer Form als Münze oder Barren gekauft werden. Es gibt aber auch Zertifikate, Optionsscheine, Fonds oder andere Wertpapiere, die den Goldpreis abbilden oder sich an ihm orientieren. In der Schweiz haben sowohl die Zürcher Kantonalbank als auch Julius Bär und die beiden Grossbanken Indexfonds (ETF) lanciert, die zum überwiegenden Teil mit physischem Gold hinterlegt sind. Ausserdem kann auch über Aktien von Goldminen oder Bergbau-Unternehmen indirekt am Goldpreis verdient werden.

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Analysten erwarten kräftige Steigerungen im Jahresverlauf. Fondsmanager Peter Sorrentino von Huntigton Asset Advisors rechnet damit, dass der Goldpreis in den kommenden drei Jahren auf 1800 Dollar je Feinunze steigt. Auch kurzfristig dürfte der Anstieg weitergehen. Analysten von JP Morgan erwarteten einen zügigen Preisanstieg auf durchschnittlich 1250 Dollar je Feinunze. Tobias Merath von der Credit Suisse ging für das 3. Quartalgar von einem Anstieg auf 1250 bis 1350 Dollar aus.

Fundamentale Preishausse

Verlieren Papierwährungen Vertrauen und Wert, profitiert der Goldpreis. Neben diesem kurz- fristigen Mechanismus gebe es aber auch fundamentale Gründe, die für eine Fortsetzung der Edelmetall-Rally sprächen, so Michael Schramm, Partner der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Weltweit werden die als gesichert geltenden Goldreserven auf rund 47 000 t geschätzt. Als Reserven werden Vorkommen eingestuft, die mit dem heutigen Stand der Technik und vor allem beim derzeitigen Preisniveau wirtschaftlich gefördert werden können. Derzeit produzieren alle Goldminen rund um den Globus zusammen knapp 2500 t Gold pro Jahr. Bei einer Aufrechterhaltung der Produktion dürften die weltweiten Reserven also in weniger als 20 Jahren erschöpft sein.

Engpass bei Produktion

Ausser Reserven gibt es aber auch noch sogenannte Ressourcen. Hierbei handelt es sich um Vorkommen, die bekannt sind, sich aber nach derzeitigem Stand nicht wirtschaftlich fördern lassen. Hier belaufen sich die Schätzungen auf gut 50 000 t.

Ein weiter steigender Goldpreis und fortschreitende Techniken machen es denkbar, dass auch diese Mengen künftig wirtschaftlich gefördert werden können. Doch auch die Ressourcen mit eingerechnet, ist es absehbar, dass sich die weltweite Goldproduktion dem Ende zuneigt. Experten gehen davon aus, dass das globale Fördermaximum bereits im Jahr 2001 überschritten wurde. Zumindest ist seitdem die Produktion rückläufig. Aber nicht nur die Angebotsseite, auch die Entwicklung der Nachfrage spricht mittel- bis langfristig für steigende Goldpreise. Zurzeit ist nur schätzungsweise ein Prozent der Vermögensportefeuilles von Privatanlegern in Gold angelegt. Nach der Lehman-Pleite und dem Beinahebankrott Griechenlands scheint eine Aufstockung auf 2% nicht unwahrscheinlich.

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Notenbanken greifen zu

Die zusätzliche Nachfrage für Investmentzwecke würde in etwa der Hälfte der derzeitigen Jahresproduktion entsprechen. Fonds, die mit physischem Gold unterlegt sind, erfreuen sich bereits seit geraumer Zeit hoher Mittelzuflüsse. So hat sich ihre Nachfrage im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. 2009 nahmen die Käufe der Goldinvestoren um weitere 50% zu. Mittlerweile wird weltweit jede dritte Unze Feingold zu Anlagezwecken gekauft - noch mehr fragt nur die Schmuckindustrie nach. Die beiden weltweit grössten Gold-ETF berichteten in den vergangenen Tagen erneut über hohe Zuflüsse und neue Rekorde bei ihren Beständen - und zwar in Tonnen.

Zudem sind spätestens seit dem Kauf der indischen Notenbank von 200 t Gold des IWF im vergangenen Herbst die internationalen Notenbanken von der Verkäufer- auf die Käuferseite gewechselt. Im vergangenen Jahr erhöhten die Notenbanken und internationale Organisationen ihre Bestände um insgesamt 390 t Gold.

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Dies entsprach mehr als 15% der gesamten Jahresproduktion. In den 20 Jahren zuvor hatten Notenbanken stets Gold verkauft.