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Ausblick
«Der Hype um Bitcoin und Co. erinnert an die Asienkrise»

Bitcoin
Bitcoin: Für Franz Wenzel eine riskante Wette.Quelle: George Frey/Getty Images

Investoren sollten sich auf volatilere Monate einstellen, sagt Franz Wenzel. Bei Kryptowährungen rät der Axa-Anlagestratege zur Vorsicht. Dagegen bieten sich weitere Engagements in Schwellenländern an.

Von Gabriel Knupfer
am 17.11.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Franz Wenzel*: Das Wachstum hat sich, wie an den Finanzmärkten erwartet, weiter erholt. Damit stellt sich die Frage: Kann es noch besser werden? Insbesondere wird die Frage nach dem Gewinnwachstum 2018, welches mit stattlichen 10 Prozent prognostiziert wird, thematisiert. Ferner macht sich gerade hier in Europa eine gewisse Enttäuschung ob der jüngsten Berichtssaison breit, die im internationalen Vergleich den Erwartungen hinterherhinkt.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
An den Börsen wurde die zyklische Karte gespielt. Dieser Trend wird in den kommenden Monaten anhalten. Dies benachteiligt die Schweizer Börsen im internationalen Vergleich. Allerdings bietet der Wechselkurs eine wichtige Stütze. Die aktuelle Schwäche des Frankens ist nicht nur für die Notenbank eine willkommene Verschnaufpause. Sie kommt auch den Schweizer Exportchampions sehr entgegen.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Aktuell stehen die Börsenampeln auf Grün. In 12 Monaten notieren die Börsen wohl höher. Allerdings wachsen die Kurse nicht in den Himmel. Investoren sind gut beraten, sich auf volatilere Börsenmonate einzustellen. Die US-Notenbank wird die Zinsen weiter anheben und Mitte 2018 wird man sich dann erneut der Frage «... und die EZB?» widmen. Die hohe Bewertung von 25x am Schweizer Aktienmarkt bleibt eine Belastung.

Im Moment wird viel über Bitcoin und andere Kryptowährungen gesprochen. Würden Sie Kleinanlegern zum Einstieg raten oder ist das Ausfallrisiko zu hoch?
Es muss zur Vorsicht geraten werden. Der aktuelle Hype um Bitcoin und Co. erinnert an die Asienkrise oder das Internet-Debakel. Allerdings bestand damals noch ein realer, wenngleich völlig überzogener wirtschaftlicher Bezug. Bei Bitcoin und Co. bedarf es einer profunden Sachkenntnis, Cyberangriffe sind nicht ausgeschlossen und es bleibt die Frage, wie sich die Zentralbanken diesem Thema stellen.

Vor gut einem Jahr wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. Weltweit sind die Börsen seither im Höhenflug. Wie lange kann dieser Trend noch anhalten?
Der positive Börsentrend war ursprünglich von Optimismus und der Hoffnung auf eine US-Steuerreform getragen. Der Optimismus ist in Ernüchterung umgeschlagen und von dem grossen Steuerwurf sind nur noch Marginalien vorhanden. Allerdings hat die Konjunktur sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern Fahrt aufgenommen. Höhere US-Zinsen implizieren höhere Volatilität im kommenden Jahr.

Donald Trumps ausgedehnte Asienreise und der ASEAN-Gipfel in Manila zeigten die Bedeutung Ostasiens und des Handels im Pazifik. Steht Europa zunehmend am Rande des wirtschaftlichen Weltgeschehens?
Die Reise von Präsident Trump bestätigt nur das Offensichtliche. Asien bleibt eine zentrale Wachstumsregion. Die Probleme Europas sind eher hausgemacht. Die vergangenen Jahre haben dies offengelegt. Griechenland, Schuldenkrise, Brexit und eine Tendenz zum Populismus machen dies mehr als deutlich. Eine neue politische Dynamik ist unabdingbar, will man nicht weiter an Terrain verlieren. 

Venezuela ist «teilweise zahlungsunfähig». Droht auch anderen Schwellenländern ein solcher Absturz und sollten sich Anleger aus Investitionen zurückziehen?
Der scharfe Ölpreisverfall zwischen Ende 2014 und Anfang 2016 sowie die US-Sanktionen als Antwort auf ein totalitäres Regime bedingten einen rasanten Inflationsanstieg und damit eine humanitäre Krise. Diese Situation lässt sich nicht auf andere Schwellenländer extrapolieren. Die Leistungsbilanzen haben sich strukturell verbessert und die zyklische Erholung spricht weiter für Engagements.

* Franz Wenzel ist Anlagestratege für Institutionelle Kunden bei AXA Investment Manager.

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