RÜCKVERSICHERER. Der weltgrösste Rückversicherer, die Swiss Re, dürfte den Vergleich von Michael Huttner, dem Analysten von JPMorgan Chase, nicht schätzen: «Es ist wie das Rennen zwischen dem Hasen und dem Igel. Die Münchener Rück mit ihrer langsamen und stabilen Geschäftsentwicklung macht gegenüber der schneller wachsenden Swiss Re das Rennen.»

Hintergrund dieser Aussage sind die Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Die von Bloomberg befragten Analysten gehen bei der Münchener Rück von einem Gewinnwachstum von 7% aus; beim Schweizer Konzern dagegen wird ein Gewinnrückgang von 8,5% von 4,6 Mrd Fr. (2006) auf 4,2 Mrd Fr. erwartet. Das ist für Swiss Re bitter, hatte sie doch nach der Übernahme von GE Insurance Solutions, die den Rückversicherer zum Branchenprimus aufsteigen liess, das Gegenteil in Aussicht gestellt.

Zwei unterschiedliche Strategien

Mit den beiden weltgrössten Rückversicherern stehen einander zwei gänzlich verschiedene Konzepte gegenüber. Jenes der Münchener Rück wird in der gegenwärtigen Subprime-Krise als «sicherer Hafen» oder als «konservativ, aber erfolgreich» bezeichnet. Zum einen halten die Münchner am Erstversicherungsgeschäft fest. Sie haben den Forderungen nach einer Abspaltung der Tochter Ergo eine Abfuhr erteilt, ihr aber ehrgeizige Wachstumsziele auferlegt.Auf der anderen Seite steht Swiss Re, die sich in den 1990er Jahren vom Erstversicherungsgeschäft trennte, jedoch auf Akquisitionen setzte. Um dem Unternehmen neue Dynamik zu geben und höhere Renditen zu erzielen, ist Swiss Re auch ins Investment Banking vorgestossen – mit fatalen Konsequenzen. Derivate auf Ausfallrisiken von Krediten und Anleihen führten zu Abschreibungen von insgesamt 1,3 Mrd Fr., zu einem Kurssturz und einem Reputationsverlust. Die Münchener Rück kam ungeschoren davon.Dennoch hält das Swiss-Re-Management an seinem offensiven Stil fest. Finanzchef George Quinn: «Wir werden weiterhin innovative Lösungen für unsere Kunden entwickeln, bei denen sich das Versicherungs- und das Kapitalmarktgeschäft kreuzen.» Swiss Re will der «Hase» der Branche bleiben, aber bald die Konkurrenz hinter sich lassen. Dafür muss jedoch die Subprime-Krise zu Ende gehen. Sonst verliert die aggressive Strategie von Swiss Re weiter an Attraktivität und der Münchner «Igel» behält die Nase vorn.

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