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«Der Kongo bietet riesiges Potenzial»

Das nachhaltige Forstwirtschaftsunternehmen Precious Woods will in Afrika weiter expandieren. Zudem rechnet der CEO jährlich mit rund 2 Millionen Dollar aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten und erklär

Von Interview: Natalie Gratwohl
am 10.10.2007

ANDREAS HEUSLER. Die Precious-Woods-Aktie hat sich in den letzten turbulenten Wochen gutgehalten. Ist der Titel krisenresistenter als andere?

Andreas Heusler:

Bereits die letzte Baisse an den Börsen hat unsere Aktie weniger mitgemacht. Dazu kommt der Aspekt der Nachhaltigkeit; nachhaltige Anlagen sollten sich in der gegenwärtigen Situation als robuster erweisen. Aufgrund der geringen Liquidität unserer Aktien können allerdings auch hier Kursausschläge auftreten.

Profitiert die Aktie auch davon, dass Holz als Anlage von den Finanzmärkten wenig abhängig ist?

Heusler: Dies ist die landläufige Meinung. Die Korrelation ist tatsächlich nicht sehr gross. Doch man muss auch sehen, dass die Holzproduzenten von der zyklischen Baukonjunktur abhängig sind. Dies betrifft uns im Moment wenig, weil wir nach Europa liefern, wo die Absatzmärkte derzeit sehr stabil sind. Weniger abhängig von den Finanzmärkten ist übrigens auch unser relativ neuer Geschäftszweig, die Produktion und der Verkauf von CO2-Zertifikaten. Diese Zertifikate erhalten wir aus unserer Aufforstungstätigkeit in Zentralamerika und der alternativen Stromerzeugung mit Restholz im Amazonasgebiet.

Sie sprechen von einer stabilen Aktie. Im Jahr 2005 hat der Titel aber wegen Problemen in Brasilien deutlich verloren...

Heusler: Ja, das stimmt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es nochmals zu einem Verlustjahr wie im Jahr 2005 kommt, ist aber klein. Damals war Brasilien für uns volumenmässig sehr wichtig, dies ist nicht mehr so. Heute haben wir Brasilien restrukturiert und Gabun hat innerhalb des Unternehmens eine sehr wichtige Stellung erlangt.

Doch die Aktie ist nach wie vor eher etwas für risikofreudige Investoren?

Heusler: Wir bleiben wohl noch eine Weile eine Wachstumsaktie, auch wenn wir als Unternehmen zunehmend am Ertrag gemessen werden. In der gegenwärtigen Wachstumsphase sind Dividendenzahlungen noch nicht drin. Wir verstehen unsere Aktie als Wertpapier für langfristige Anleger, die weniger auf kurzfristige Trends reagieren; auch die grundlegenden wirtschaftlichen Tendenzen sprechen langfristig für unser Geschäft. Unser Länderrisiko ist nicht unbedeutend, weil wir nicht nur in Westeuropa tätig sind. Dafür haben wir keine Produktrisiken, und FSC-zertifiziertes Holz liegt im Trend.

Warum?

Heusler: Für FSC-zertifiziertes Holz ist das Angebot noch viel zu klein. In Lateinamerika produzieren wir ausschliesslich FSC-zertifiziertes Holz; wenn wir doppelt so viel produzieren könnten, so könnten wir dies auch verkaufen. Im staatlichen Bereich gibt es immer mehr Vorschriften, welche die Nachhaltigkeit fördern. Grosse Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie können es sich längerfristig wohl nicht leisten, Holz zu verarbeiten, das nicht zertifiziert ist. Im Gegensatz zu anderen Labels wird FSC übrigens nicht von der Industrie, sondern hauptsächlich vom WWF und von Greenpeace getragen. Der WWF ist die Organisation, die sich am stärksten für das FSC-Marketing einsetzt und damit den Bekanntheitsgrad des Labels fördert, was uns direkt in unserem Marketing unterstützt.

Ein wichtiger Grund für die Probleme in Brasilien war die Aufwertung des Reals. Ist Hedging heute für Sie eine Alternative?

Heusler: Ja, bereits seit letztem Jahr sichern wir die Währungen aktiv ab. Auch intern rechnen wir nicht mehr mit dem Dollar, sondern mit dem Euro. Deshalb müssen wir nur noch diese Währung absichern. Es ist heute unwahrscheinlich, dass uns – wie im Jahr 2005 – eine Währungsentwicklung nochmals auf dem falschen Fuss erwischt.

Zuletzt sind in Brasilien neue Schwierigkeiten aufgetaucht. Die Erntebewilligung haben Sie erst mit Verzögerung erhalten. Können Sie den Einfluss auf das Resultat im Jahr 2007 beziffern?

Heusler: Der verspätete Erntebeginn hat wegen der laufenden Fixkosten einen direkten Verlust verursacht. Dieser Rückstand wird wohl erst Anfang 2008 aufgeholt sein. Dennoch sollten wir 2007 in Brasilien schwarze Zahlen erreichen. Die Auswirkungen auf das Gesamtergebnis sind allerdings schwierig abzuschätzen. Diese hängen unter anderem davon ab, wie viel über Lagerbewegungen aufgefangen werden kann.

Sie rechnen für 2007 nur etwa mit einem Resultat auf Vorjahreshöhe, wenn man die Akquisitionen nicht berücksichtigt....

Heusler: Ja, das Jahresziel von 7,5 Mio Dollar erscheint tatsächlich bescheiden. Wir rechnen lieber im Voraus mit einem Zwischenfall. Mit der Ernteverzögerung im Staat Pará in Brasilien hatten wir einen solchen. In Gabun sind Probleme mit der Eisenbahn möglich, welche für den Transport zum Hafen entscheidend ist. Trotz des negativen Einflusses der verzögerten Erntebewilligung in Brasilien ist es jedoch durchaus möglich, dass das Jahresergebnis über unseren ursprünglichen Erwartungen liegen wird.

Kurz nach Bekanntgabe der Akquisitionen in Gabun haben Sie eine kleine Beteiligung an der Firma Nordsüdtimber (NST) erworben, die im Kongo tätig ist. Wollen Sie diesen Anteil ausbauen?

Heusler: Im Kongo ist derzeit unklar, ob die Forstkonzessionen, die in den letzten Jahren geändert wurden, weiterhin Gültigkeit haben. Solange diese Unsicherheit besteht, fassen wir keine grössere Beteiligung ins Auge. Bevor wir den Anteil aufstocken, wollen wir zudem sicher sein, dass die Unternehmen im Kongo, an denen Nordsüdtimber beteiligt ist, im Laufe der Zeit FSC-zertifiziert werden können. Denn wir definieren unser Geschäft über die Nachhaltigkeit, dafür ist die FSC-Zertifizierung unabdingbar. Die kleine Beteiligung haben wir übernommen, weil wir uns den Zugang zu diesem Gebiet im Kongobecken sichern wollen, in dem es sehr bedeutende und qualitativ hochstehende Waldvorkommen gibt.

Angenommen, die Konzessionen werden wie geplant durchgeführt, streben Sie eine Mehrheit an der NST an?

Heusler: Ja, dann wollen wir eine namhafte Beteiligung erwerben, auch eine Mehrheitsbeteiligung ist möglich.

Gibt es noch weitere Akquisitionspläne?

Heusler: Eine mögliche Erhöhung der Kongo-Beteiligung wäre eine grosse Investition. In Afrika gibt es die grössten noch ungenutzten Waldvorkommen der Welt. Sonst haben wir derzeit keine grösseren konkreten Pläne in diese Richtung, zuerst wollen wir die übernommene Firma in Gabun gut integrieren. Dennoch haben wir mit der letzten Kapitalerhöhung genügend Liquidität für eine kleinere Akquisition geschaffen. Von der Logik her würden wir am liebsten dort expandieren, wo wir schon über eine gewisse Infrastruktur verfügen, also vor allem in Gabun und im Kongo-Becken.

Zuerst Mittelamerika, dann Südamerika, jetzt Afrika. Wäre auch Asien eine Option für Sie?

Heusler: Im Moment sehen wir keine Expansion in diese Region. In Asien müssten wir uns mit einer neuen Kultur und entsprechenden Risiken auseinandersetzen. Das ist aufwendig und benötigt auch Ressourcen. Wichtig ist übrigens auch, dass wir nicht nur geografisch, sondern auch in einer Art und Weise wachsen wollen, die mehr Umsatz und Ertrag mit weniger Kapital generiert. Im Moment arbeiten wir relativ kapitalintensiv.

Wie wollen Sie dies anstellen?

Heusler: Wir werden die Handelsaktivitäten noch verstärken. Bei FSC-zertifizierten Produkten sind die Gewinnmargen über die gesamte Wertschöpfungskette vom Forstgebiet bis zum Endprodukt verteilt. Wir wollen deshalb das Holz in jedem Fall in die wichtigsten Absatzländer bringen.

Und das Geschäft mit CO2-Zertifikaten, soll dieses weiter ausgebaut werden?

Heusler: Wir erhalten CO2-Zertifikate aus den Aufforstungen in Costa Rica und Nicaragua. Diese Zertifikate sind an der Chicago-Climate-Exchange handelbar. Zudem erhalten wir Zertifikate nach dem Kyoto-Kriterium für unser Kraftwerk im Staat Amazonas. Mit Restholz aus der Sägerei erzeugen wir dort Elektrizität für die Versorgung einer ganzen Stadt mit rund 60000 Einwohnern. Für das Projekt, das 2002 angefangen hat, haben wir im letzten Jahr die entsprechenden Zertifikate für die Jahre 2002 bis 2006 erhalten. Der damalige Ertrag von rund 11 Mio Dollar war also eine einmalige Akkumulation. Ab 2007 kommen wir in einen normalen Rhythmus hinein und rechnen mit einem jährlichen Ertrag aus dieser Quelle in der Grössenordnung von 1,5 Mio Dollar. Zusammen mit den Erträgen aus Zentralamerika kommen wir auf jährliche Erträge in der Höhe von rund 2 Mio Dollar.

Haben Sie noch weitere Projekte?

Heusler: In Gabun sind Diesel-Generatoren im Einsatz, um elektrische Energie für das Sägewerk zu erzeugen. Diese Generatoren wollen wir durch ein mit Restholz gefeuertes Kraftwerk ersetzen. Zudem kaufen wir in Nicaragua weiteres brachliegendes Weideland, um unsere Aufforstungen auszudehnen. Damit erhalten wir mehr entsprechende CO2-Zertifikate.

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1993–2004:

1985–1992:

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