Der Schweizer Aktienmarkt hat seit Jahresbeginn fast 30% an Wert eingebüsst, schneidet damit aber immer noch um einiges besser ab als andere Indizes. Der Grund dafür ist der hohe Anteil an defensiven Werten wie Nestlé, Roche und Novartis.

Im Zuge der grossen Unsicherheit an den Finanzmärkten, dem weltweiten Abbau der Verschuldung und der deutlichen Wirtschaftsabschwächung sind defensive Aktien wieder in Mode gekommen. «Defensive Titel sind konjunkturresistent, wenig volatil, solide finanziert und breit abgestützt», sagt Claude Zehnder, Chef-Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Zudem sei die Dividendenrendite meistens hoch.

Defensive Qualitäten finden sich vor allem im Sektor Gesundheit und Basiskonsumgüter. Die Kriterien treffen aber etwa auch auf den Telekomkonzern Swisscom zu. Der Titel hat allein in der letzten Woche über 10% an Wert zugelegt. Als defensiv stufen die Analysten der Credit Suisse zudem die Schweizer Immobilienaktien ein. Im Gegensatz zu anderen Ländern habe sich der hiesige Immobilienmarkt bisher als sicherer Hafen gezeigt. Das Aufwärtspotenzial dürfte zwar durch das langsamere Wirtschaftswachstum begrenzt werden, dennoch lockten einzelne Aktien mit attraktiven Renditen.

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So eignet sich etwa ein Investment in den Immobilienwert Swiss Prime Site (SPS), nicht zuletzt wegen der Dividendenrendite von rund 5% und den Immobilien an Spitzenlagen. Zudem seien stabile Erträge und eine solide Bilanz in einem volatilen Umfeld ein wesentliches Plus. In diesem Jahr hat die Aktie über 4% zugelegt.

«Bei den defensiven Aktien ist das Risiko kleiner, dafür ist das Gewinnpotenzial beschränkt», sagt Zehnder von der ZKB. Sobald sich an den Börsen wieder ein Aufwärtstrend zeige, würden die zuletzt stark abgestraften zyklischen Titel deutlich an Fahrt gewinnen.

 

 


Synthes spielt in der Börsenbaisse die defensiven Qualitäten aus

Die Aktie des Orthopädiekonzerns Synthes hat sich seit Jahresbeginn gegen den Abwärtstrend an der Börse gestemmt und 4,6% zugelegt. Der Titel erfüllt alle Kriterien einer defensiven Aktie. Synthes stellt unter anderem Implantate für die operativen Knochenbehandlung her, und ist damit nicht von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abhängig. Zudem verfügt der Konzern über eine breite Produktepalette und ist global aufgestellt.

Die Vontobel-Analysten weisen unter anderem auch auf den starken Cashflow hin, der Übernahmen und Aktienrückkäufe ermöglicht. Zudem sei das Unternehmen nicht von Veränderungen in der amerikanischen Politik und Währungsschwankungen abhängig.

Das Solothurner Medizinaltechnikunternehmen wird am 23. Oktober 2008 die Umsatzzahlen zum 3. Quartal präsentieren. Vontobel erwartet, dass der Umsatz um 17,5% auf 809,8 Mio Dollar steigen wird. Von besonderem Interesse werde die Marktentwicklung im Traumabereich in Nordamerika sein, kommentiert Daniel Jelovcan, Analyst bei Helvea.

Die Synthes-Aktiewird auf Basis der Gewinnschätzungen für 2009 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,5 gehandelt und weist damit gegenüber dem historischen Durchschnitt noch immer einen Abschlag von 40% auf. Zwei Drittel der Analysten empfehlen die Aktie auf dem aktuellen Niveau zum Kauf. (ng)