Rund um den Globus nimmt der Risikoappetit wieder zu. Das Geld findet nun auch wieder Wege in Länder jenseits der Schwellenmärkte und entwickelten Volkswirtschaften. Die sogenannten Frontiers von Kroatien bis Nigeria und Sri Lanka sind zurück auf dem Radar einiger Anleger.

Als Frontiers werden solche Märkte bezeichnet, die zu klein, illiquide oder anderweitig zu schwer zugänglich sind, um den Schwellenlandstatus zu erreichen. Das hat dazu geführt, dass ihre Ausschläge drastischer sind und das Risiko ungleich höher ist. Aber aktuelle Bewegungen haben geholfen, die alte Theorie wiederzubeleben, dass diese Länder sich in Zukunft nicht mehr synchron mit den entwickelten Märkten und den Schwellenländern entwickeln.

Der MSCI-Frontier-Market-Index, der Aktien von 25 Ländern umfasst, verzeichnete im Januar 2008 ein Hoch, etwa drei Monate nach den entwickelten Märkten.Dann fiel er bis Anfang März 2009 um 69%. Seitdem hat der Index wieder um 51% zugelegt. Die Schwankungen des Index S&P 500 im selben Zeitraum fielen nicht ganz so stark aus. Die grosse Abhängigkeit einiger Frontiers von Rohmaterialexporten hat dabei geholfen, dass ihre Aktien während der riesigen Nachfrage nach Öl, Kupfer und anderen Materialien in die Höhe schossen.

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Anleger erwarten auch, dass sich die Produktivität und der persönliche Reichtum in diesen Ländern sehr schnell verbessern werden, sobald sich ihre Finanzsysteme stabilisieren.

Neue Fonds und Finanzprodukte

«Die Leute suchen nach Märkten, die zurückgeblieben sind, und die Frontiers kommen zurück», sagt Tim Drinkall, Portfoliomanager des Morgan Stanley Frontier Emerging Markets Fund. 2007 und auch noch 2008 erlangten Frontiermärkte eine gewisse Berühmtheit. Einige Fonds und andere Finanzprodukte wurden emittiert.

Beworben wurden sie damit, dass diese Märkte sich grösstenteils nicht in Korrelation mit anderen entwickeln und deshalb eine gute Portfoliodiversifizierung darstellten. Aber im September 2008 brachte der Kollaps von Lehman Brothers alle Märkte in Bedrängnis. Ein Teil der aktuellen Attraktivität liegt darin, dass die Frontiers im Vergleich zu entwickelten Volkswirtschaften relativ günstig sind. Die Kurs/-Gewinn-Verhältnisse von Kenia und Rumänien lagen Ende Mai bei 5,5 und 10,5. Vor einem Jahr lagen sie noch bei 17,1 und fast 22.

Wenig Korrelationen

Die Überzeugung, dass sich Frontiermärkte von der Entwicklung der bedeutenderen Volkswirtschaften abkoppeln, gewinne wieder an Boden, sagt Ayo Salami, CIO für Afrika bei der Duet Group in London und Manager des African Opportunities Fund.

«Ende 2008 gab es zwischen den Märkten eine Korrelation, die wirtschaftliche Entwicklung war jedoch aufgrund ihrer Aussichten auf übergrosses Wachstum entkoppelt», so Salami. «Die Wirtschaften werden in unterschiedliche Richtungen verlaufen. Anleger bemerken das jetzt.» Salami kauft etwa Aktien von Konsumgüterproduzenten in Nigeria, Kenia, der Elfenbeinküste und Botswana.

Etwa vor einem Jahr wurden nigerianische Banken mit dem Achtfachen ihres Buchwerts gehandelt, heute gerade mal mit dem Einfachen. Conrad Saldanha vom Neuberger-Berman-Management: «Es hat eine massive Herabstufung gegeben. Das eröffnet gute Chancen.»