Alexei Jourovski ist Leiter für Aktien-Investments bei der international tätigen Vermögensverwalterin Unigestion in Genf. Jourovski rät angesichts der Börsenturbulenzen zur Vorsicht. Aktieninvestoren müssten von nun an die Risiken stets im Auge behalten. Das sei nicht einfach – auch deshalb, weil Anleger oftmals dieselben Fehler machten.

Seit Anfang des Jahres wurden an den Börsen bereits 3000 Milliarden Franken an Buchwert vernichtet. Doch die Anleger vertrauen felsenfest auf steigende Aktienkurse. Wie kommt das?
Alexei Jourovski:
Die Schwellenland-Börsen erleben derzeit Verwerfungen, das stimmt. Wir denken aber, dass dies vor allem der Enttäuschung der Investoren über das langsamere Wachstum in China zuzuschreiben ist. Ebenfalls belastend für die Schwellenmärkte ist die instabile politische Lage in Ländern wie der Türkei oder Thailand. Wer jedoch genau hinschaut, erkennt auch Chancen.

Welche denn?
Die Bewertungen von Schwellenland-Aktien ist deutlich tiefer als jene westlicher Titel. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis steht 11 zu 18. Und das Wachstum mag zwar abgenommen haben – es ist aber relativ gesehen immer noch höher als in Industrienationen.

Ist es nicht eher so, dass nach Jahren der Verluste die Anleger einfach an die Hausse glauben wollen – und die Kurse einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung folgen?
Es ist wohl wahr, dass Investoren bezüglich Aktiencrashs ein kurzes Gedächtnis haben. Ebenfalls ist es richtig, dass die Volatilität an den Märkten viel tiefer ist, als in einem solchen Umfeld zu erwarten wäre. Letzteres ist aber nicht nur dem Überoptimismus an den Börsen geschuldet.

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Sondern?
Einen wichtigen Part spielt auch die Geldschwemme seitens der Notenbanken. Alles in allem lernen die Anleger langsam. Der nächste Crash könnte schon bald kommen.

Wie stehen denn die Chancen, dass es zu einem Crash kommt?
Der weltberühmte Physiker Niels Bohr prägte das Bonmot, dass Prognosen schwierig seien – und speziell jene über die Zukunft. Wir möchten gar nicht erst versuchen, Wahrsager zu sein. Lieber verweisen wir auf all die Argumente, die auch weiterhin für eine Anlage in Aktien sprechen – ohne dabei die Risiken aus dem Auge zu verlieren. Aufgrund dieser Argumente erwarten wir jedenfalls keine ausgewachsene Korrektur in diesem Jahr.

Die amerikanische Notenbank Fed fährt eine restriktivere Geldpolitik – und erntet dafür viel Kritik. Zu Recht?
Die Drosselung der Anleihenkäufe durch die Fed gehört zu den Risikofaktoren, die bei Investitionen in den USA zu beachten sind. Wir denken aber, dass Anleger mit einem umsichtig aufgebauten Portefeuille sowohl von der Erholung der amerikanischen Wirtschaft profitieren, als auch die geldpolitischen Risiken des Fed-Tapering in Schach halten können.

Welche Aktien würden Sie – trotz dem jetzigen Kursdruck – denn zum Kauf empfehlen?
Wir sind bezüglich den Schwellenland-Börsen einigermassen optimistisch. Allerdings ist diesen Märkten mit dem gebotenen Mass Vorsicht zu begegnen. Es gilt, Risikofaktoren wie Bewertung, Liquidität, Konjunkturumfeld, Kursschwankungen und Diversifikation zu beachten.

Das dürfte die meisten Privatanleger überfordern. Müssen sie sich auf Spezialisten verlassen?
Ja, aber auf die richtigen. Wir denken, dass Aktieninvestments mit aktivem Risikomanagement ein möglicher Weg sind. Weniger halten wird derzeit von sogenannten Quants, also Ansätzen, die auf statistischen Modellen beruhen.

Wieso?
Es ist zu befürchten, dass solche Strategien etwa der Drosselung der Anleihenkäufe seitens der Fed nicht gerecht werden können. Ein qualitativer Ansatz, in dem auch der gesunde Menschenverstand eine wichtige Rolle spielt, führt in diesem Umfeld eher zum Ziel.

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