Waren die Investments, die er nicht getätigt hat, seine besten? Das glaubt zumindest Warren Buffett, der während der grössten Wirtschaftskrise seit 1929 viele Anlagemöglichkeiten ausgelassen hat. «Es wird gar nicht genug honoriert, bei wie vielen Gelegenheiten Buffett sich nicht engagiert hat», sagt Paul Howard, Analyst bei Janney Montgomery Scott.

Etliche Investoren haben während der Finanzkrise grosse Deals abgeschlossen - oft zu ihrem Nachteil. Buffett bewahrte sich dagegen durch Absagen den finanziellen Spielraum, um im November 2009 zuzuschlagen: Er kaufte die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) für 26,3 Mrd Dollar. Hier einige abgelehnte Offerten.

Guter Riecher mit Lehman

Lehman-Brothers-Chef Richard Fuld rief am 28. März 2008 bei Berkshire-Boss Buffett an und wollte wissen, ob der rund 4 Mrd Dollar in die Bank pumpen würde, um Verluste auszugleichen. Buffett studierte den Finanzbericht von Lehman und notierte auf dem Deckblatt die Seitenzahlen, wo er beunruhigende Angaben gefunden hatte. Am Ende war das ganze Deckblatt voll, Buffett biss nicht an, und Lehman ging sechs Monate später pleite.

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Als dann im September Barclays Lehman Brothers kaufen wollte, kam man wiederum auf Buffett zu. Er sollte gegen eine entsprechende Prämie Lehmans Geschäftsbasis bis zum Abschluss des Deals garantieren, um die Akzeptanz der Aktionäre für die Übernahme zu sichern und eine Panik der Geschäftspartner der maroden Investmentbank zu vermeiden. Buffett bat um die Zusendung eines Faxes mit den ihm zugedachten Aufgaben und ging zu einem Konzert. Als er zurückkam, fand er kein Fax vor. Der Deal hatte sich damit erledigt. Erst zehn Monate später entdeckte Buffetts Tochter, dass man ihrem Vater an diesem Tag auf die Mailbox gesprochen hatte. Der Grossinvestor benutzt sein Mobiltelefon nur selten - und den Deal hätte er ohnehin nicht abgeschlossen.

Absage an Freddie Mac

Nach dem Zusammenbruch des Hypothekenmarkts traten Banker von Morgan Stanley, die Freddie Mac vertraten, wegen eines Investments an Buffett heran. Er war jedoch überzeugt, die finanziellen Probleme bei der Hypothekenbank seien zu gross. «Da habe ich sehr schnell Nein gesagt», erinnert er sich. Das US-Finanzministerium übernahm dann Freddie Mac und das Schwesterunternehmen Fannie Mae.

Den Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 hat Buffett als einen der hektischsten Monate seiner Karriere in Erinnerung. Es begann mit einer Anfrage von Robert Steel, dem damaligen Wachovia-Chef. Er wollte wissen, ob Buffett mit 10 Mrd Dollar einsteigt. Buffett dachte, Wachovia habe übermässig in Subprime-Hypotheken investiert, und lehnte ab. Wachovia wurde später an Wells Fargo verkauft, an der Berkshire beteiligt ist.

AIG-Chef Robert Willumstad fragte am 12. September 2008 an, ob sich Buffett mit rund 5 Mrd Dollar an dem tief in Problemen steckenden Versicherer beteiligen wolle. «Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit mit mir», antwortete Buffett, der um den Zeitdruck für eine Rettung von AIG wusste. Noch am selben Wochenende wurde um einen weiteren AIG-Deal gerungen. Berkshire-Vorstand Ajit Jain führte Gespräche mit einer Investorengruppe um den New Yorker PE-Riesen Kohlberg Kravis Roberts & Co. Doch auch dieser Deal platzte, weil AIGs Finanzprobleme zu gross und komplex waren. Ein paar Tage später gewährte die Fed dem Konzern einen Kredit über 85 Mrd Dollar und übernahm im Gegenzug 79,9% der Aktien.

Die Finanzkrise hielt für Investoren viele Schnäppchen, aber auch grosse Risiken bereit. Buffett hielt sich am Wühltisch zurück. «Ich habe viele Möglichkeiten, die das Chaos geboten hat, verstreichen lassen», sagt der clevere Investor. «Am Ende stellte sich aber heraus, dass ich damit nicht schlecht gefahren bin.»