Letzte Woche erreichte der Rohölpreis in New York mit 112.20 Dollar pro Barrel einen neuen Höchststand. Die Gründe für diesen Sprung sind rasch zusammengefasst: So schwächelte wieder einmal der Dollar, die Opec-Produktion schrumpfte im März gegenüber dem Vormonat um 110000 Barrel, und die Lagerbestände in den USA sanken nach Angaben des Energieministeriums um 3 Mio Barrel auf 316 Mio Barrel. Der Markt hatte allerdings gemäss den Marktforschern von Platts einen Anstieg um 2,3 Mio Barrel prognostiziert.

Auch die Benzinlagerbestände fielen mit einem Minus von 3,4 Mio Barrel stärker als erwartet. Mit 83,1% leicht höher als erwartet zeigte sich die Auslastung der US-Raffinerien, womit sich auch die Benzinpreise für die amerikanischen Autofahrer laut dem Mastercard-Spendingpulse-Bericht gegenüber dem Vormonat um 12 Cent auf 3.34 Dollar pro Gallone (knapp 4 Liter) verteuerten. Die Internationale Energieagentur erwartet für den Sommer Benzinpreise um 4 Dollar pro Gallone.

Direkte Partizipation

Mit den Rekordpreisen verteuerten sich auch etliche an der SWX gelistete Produkte auf den Rohölpreis. Die von Derivative Partners betriebene Webseite Warrants.ch listet rund 200 Hebelprodukte wie die in London gehandelten Brent-Rohölfutures oder die in New York gehandelten WTI-Futures auf. Unter Druck kamen einige rege gehandelten Puts wie LCOTL oder OILUZ, der sehr liquide Call LCOAE auf die Brent-Notierungen stieg genauso wie WTIPF auf die an der NYMEX gehandelten WTI-Kontrakte.

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Generell sind solche Calls auf fest datierte Futures als Basiswerte das für Anleger transparenteste Vehikel, um an steigenden Rohölpreisen zu partizipieren. Bereits jetzt sind 16 Scheine mit Verfall per Februar auf die März-2009-Futures begeben worden. Es gibt auch Produkte, welche jeweils in die nächsten Kontrakte «rollen», wenn diese verfallen, aber hier entstehen «Rollover»-Kosten. Anleger müssen hier abwägen, ob sie lieber kurz laufende und stärker auf aktuelle Preisänderungen reagierende Scheine oder eher weniger stark schwankende Scheine, bei denen der Zeitwertverfall (noch) keine Rolle spielt, kaufen. Rohöl ist zudem auch eine sehr wichtige Komponente in allen Rohstoff-Indizes und den entsprechenden Index-Tracker-Produkten. Rohölengagements sind für in Franken rechnende Anleger in der Regel mit Währungsrisiken verbunden.

Keine Entspannung in Sicht

Neben diesen Hebelprodukten sind einige Zertifikate emittiert worden, die wie DROIL, OILOE oder LSOIL den rollenden 3-Monats-Future-Preis tracken. OILXB und OILXC sind Bonus-Zertifikate, Vontobel hat mit TWNCL sogar eine Twin-Win-Struktur begeben, bei denen Anleger Gewinne machen, wenn der Preis des Rohöls moderat steigt oder fällt, aber nicht stagniert. Und mit OILXL und BRTCP sind auch zwei Kapitalschutzprodukte ausstehend.

Ob und wieweit dieser Schutz beansprucht werden muss, ist noch offen. Laut der Rohöl-Researchfirma IAF Advisors ist die Nachfrage in den USA konjunkturbedingt schwach. Allerdings gehen die Prognosen von Analysten über die Wirkung auf die Preise auseinander; Schätzungen für den Sommer reichen von 80 bis 100 Dollar. Das US-Energieministerium erwartet für dieses Jahr durchschnittliche Preise um 100 Dollar, 7 Dollar mehr als noch bei der letzten Prognose. Nur schon die robuste Nachfrage aus den aufstrebenden Ländern dürfte den Preis weiterhin stützen.