Die Schwarzmeerregion mit ihren 330 Mio Einwohnern ist hierzulande noch wenig bekannt. Die Gruppe von europäischen Experten und Politikern, die im letzten Oktober während der Überfahrt einer Fähre von Odessa (Ukraine) nach Istanbul Integrationsfragen diskutierte, bezeichnete Energiefragen als den wichtigsten Aspekt dieser Region.

Das ist auch Emittenten von Derivaten nicht entgangen, und so bündelt die Bank Vontobel in ihrem Schwarzmeerbasket-Zertifikat vor allem Energiefirmen (31% des Baskets) und Banken (37%) aus Russland, der Ukraine, Rumänien und der Türkei. Der Basket umfasst neben weitgehend unbekannten lokalen Konzernen auch grosse Energiekonzerne wie Gazprom und Lukoil, den Industriemetallriesen MMC Norilsk Nickel sowie die russischen Bank VTB und ihre türkischen Konkurrenten Akbank und Turkiye Garantie Bankasi. Die Laufzeit des in Euro denominierten Korbes beträgt zwei Jahre. Die Bank Vontobel verspricht einen liquiden Sekundärhandel.

Starker Energiesektor

Durch das Schwergewicht bei Banken und Energiefirmen lohnt es sich, die Aussichten dieser beiden Industrien in der Ukraine und in Russland zu untersuchen. Bei russischen Banken stellten die Analysten von Merrill Lynch in einem kürzlich veröffentlichten Bericht eine weiter rapide steigende Nachfrage bei Firmenkrediten fest. Die Kreditprobleme westlicher Banken sind hier nicht zu spüren, die gestiegenen Kreditpreise – russische Firmen fragen vor allem nach sehr kurzfristigen Krediten nach – sind auf knappere Liquidität zurückzuführen. Das Privatkundengeschäft dagegen zeigt Anzeichen von Schwäche, und dieser Trend dürfte laut den Analysten von Merrill Lynch dieses Jahr anhalten. Auch in der Ukra- ine boomen die Banken. Der Wettbewerb hat jetzt die Margen unter Druck gebracht. Die Risiken bei Banken liegen laut den Analysten von Merrill Lynch in einer Wachstumsverlangsamung der russischen Wirtschaft sowie der Rechnungslegung, die hinter den westlichen Standards zurückliegt.

Anzeige

Auch die Gasindustrie steht vor Herausforderungen. Die höhere Nachfrage im Inland und die Lieferverpflichtungen in die westeuropäischen Staaten stellen Konzerne wie Gazprom vor die Herausforderung, neue Felder zu extrem hohen Kosten in der Yamal-Region und in der Arktis erschliessen zu müssen, um den Produktionsrückgang von 5% pro Jahr nach 2010 auffangen zu können. Die Gazprom-Aktie ist aber nach dem jüngsten Ausverkauf laut den Analysten von Goldman Sachs aufgrund der günstigen Bewertung wieder kaufenswert, zudem bleibt das Potenzial für positive Überraschungen.

Da der Basket aus Russland Energiekonzerne und aus der Türkei neben Banken auch den Telekomnetzbetreiber Turkcell umfasst, sind die Probleme mit der notorisch intransparenten Rechnungslegung bei russischen Firmen etwas entschärft.

Konkurrenz zu BRIC

Diese Anlage konkurriert mit BRIC-Zertifikaten und weiteren Produkten, bei denen Firmen oder Indizes aus aufstrebenden Ländern gebündelt werden, und ist als Depotbeimischung empfehlenswert, wenn bei diesen aufstrebenden Märkten eine Anlagelücke besteht. Durch die Denominierung in Euro bestehen zwar doppelte Währungsrisiken – aber auch doppelte Chancen.