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Rohstoffe
Der Rohölpreis bricht ein

WASHINGTON, DC - NOVEMBER 26 : President Donald J. Trump walks from the Oval Office to Marine One as he departs from the South Lawn of the White House on Monday, Nov. 26, 2018 in Washington, DC. (Photo by Jabin Botsford/The Washington Post via Getty Images)
US-Präsident Donald Trump bevorzugt einen schwachen Ölpreis. Quelle: 2018 The Washington Post

Nachdem der Ölpreis sein Jahreshoch erreichte, brach der Kurs binnen sieben Wochen um 30 Prozent ein. Was sind die Gründe für diesen Crash?

Von Christos Maloussis*
am 30.11.2018

Egal welchen Markt man sich derzeit anschaut, eine Person dominiert sie alle – US-Präsident Donald Trump. In einem seiner letzten Tweets macht er deutlich, dass er einen schwachen Ölpreis bevorzugt und als weitere «Steuersenkung» für das amerikanische Volk und den Rest der Welt betrachtet. Die Gründe für die jüngsten Entwicklungen am Ölmarkt lassen sich dann auch auf den US-Präsidenten zurückführen.

Neuauflage der Iran Sanktionen

Als Trump im Mai die Neuauflage der Sanktionen gegen den Iran ankündigte, war die Angst gross, dass es aufgrund eines Ausfalls der iranischen Ölproduktion zu Lieferengpässen kommen könnte. Das Ölkartell OPEC beschloss in der Folge in Zusammenarbeit mit Russland die Fördermengen auszuweiten, um den Ausfall der iranischen Produktion aufzufangen.

Die Produktion stieg seit Mai von 32 auf nunmehr 33.3 Millionen Fässer pro Tag und hat somit den bisherigen Produktionsausfall des Irans mehr als kompensiert. Gleichzeitig verdoppelten sich in der Zeit die Frachtraten für Öltanker vom Mittleren Osten nach Singapur.

Betrachtet man diese Entwicklung mit jener des Rohölpreises, der im Oktober sein zwischenzeitliches Jahreshoch erreichte, lässt es folgende Vermutung zu: Unternehmen haben sich auf Lieferengpässe nach Einsetzen der Iran-Sanktionen vorbereitet. Die Lager sollten aktuell also voll sein und demzufolge die kurz- bis mittelfristige Nachfrage eher gering halten. 

Drohender Einbruch des globalen Wirtschaftswachstums

Ein weiterer entscheidender Faktor für den aktuellen Einbruch im Ölpreis ist in Trumps Handelspolitik zu finden. Insbesondere der Handelsstreit mit China setzt das globale Wirtschaftswachstum einer grossen Gefahr aus.

Ein Ausfall Chinas als globaler Wachstumsmotor wäre kaum zu kompensieren. Erste Anzeichen eines Abschwächens der Wirtschaftsleistung lassen sich aktuell an den Frachtraten von Containerschiffen ablesen. In Containern werden fertige Waren und Erzeugnisse von den Produzenten zu den Konsumenten transportiert. Ein Rückgang dieser Frachtraten deutet auf eine geringere Auslastung der vorhandenen Transportkapazitäten hin. Dies kann als erstes Warnzeichen einer Abschwächung im internationalen Handel hindeuten.

Gemessen am «Harper Container Index» sind die Frachtraten für Containerschiffe seit Mitte des Jahres um 25 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig fielen die Frachtraten für die Verschiffung von Rohstoffen um knapp 10 Prozent. Dieser Rückgang schürt weitere Sorgen und lässt vermuten, dass das verarbeitende Gewerbe weniger Aufträge erhält und daher weniger Rohstoffe benötigt. Bei Rohöl als Indikator für das globale Wirtschaftswachstum werden die Augen also weiterhin auf der weiteren Entwicklung im Handelsstreit zwischen den USA und China liegen.

US-Rohölproduktion steigt auf neues Rekordniveau

Trumps Fracking-freundliche Politik liess die amerikanische Ölproduktion seit Jahresbeginn von knapp 9.8 Millionen Fässer pro Tag auf zuletzt 11.7 Millionen Fässer steigen. Unterstützt wird diese Entwicklung vom gestiegenen Ölpreis.

Die Förderung von Schieferöl ist deutlich teurer als die Förderung des Rohöls im Mittleren Osten – man rechnet aktuell mit einem Break Even Preis für US-Produzenten bei 40 bis 60 Dollar pro Fass. Als der Rohölpreis der Sorte WTI im Oktober sein Jahreshoch bei 76.80 Dollar erreichte, stieg die US-Produktion in nur wenigen Wochen um eine Millionen Fässer pro Tag. Das Rohölangebot hat sich also zuletzt deutlich ausgeweitet.

Charttechnik zeigt kritisches Niveau an

Seit dem Mehrjahrestief des Rohöls der Sorte WTI im Februar 2016 bei knapp unter 28 Dollar legte der Kurs bis Oktober 2018 auf 76.80 Dollar deutlich zu und brach in den vergangenen Wochen förmlich ein.

Mit aktuell 54 Dollar pro Fass notiert der Ölpreis somit nur knapp über dem 50 Prozent Fibonacci-Retracement Niveau, das bei 52.35 Dollar liegt. Sollte Rohöl diese Unterstützung nach unten durchbrechen, könnte eine Anschlussreaktion bis auf 46.50 Dollar (61.8 Prozent Fibonacci-Retracement) erfolgen. Spätestens auf diesem Niveau sollte jedoch weitere Unterstützung zu finden sein.

Zwar weist die Trendstärke, gemessen am ADX Indikator, mit einem Wert von 60 Punkten einen starken Trend aus, jedoch ist bei solch einem Wert Vorsicht vor einer Überhitzung des zugrunde liegenden Abwärtstrends geboten. Spekulative Short Positionen auf diesem Niveau werden also riskanter.

Mit der anhaltenden Verunsicherung rund um den Handelskonflikt der USA und China und den Sorgen um die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur könnte der Rohölpreis bis in den Bereich zwischen 45 bis 50 Dollar je Fass fallen. Auf diesem Niveau sollte aus einer Kombination verringerter Fördermengen der US-Produzenten und charttechnischer Unterstützungen jedoch zunächst ein Boden gefunden werden.

*Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.

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