M&A-MARKT . Die Party ist vorüber – und was für eine. Sechs Jahre lang wuchs der Markt für Firmenübernahmen und Fusionen (M&A), mit einem letzten Hoch im Juli. Zwischen 2002 und 30. September 2007 gab es Transaktionen in Höhe von 55 Billionen Dollar. Sogar trotz des jähen Rückgangs der Abschlüsse im August und September 2007 waren die ersten neun Monate dieses Jahres so geschäftsträchtig wie noch nie. Es wurden Transaktionen in Höhe von 3,63 Billionen Dollar getätigt, etwas mehr als im ganzen Jahr 2006, um 30% mehr als 2005 und fast 100% mehr als 2004, so Thomson Financial.

Sinkende Zahl von Transaktionen

Diese Zahlen enthüllen jedoch nicht den wichtigsten Aspekt des letzten Quartals: Den kompletten Rückgang in diesem Bereich aufgrund der Kreditkrise. So wurden im August und September 2007 die niedrigsten Abschlüsse seit November 2004 registriert. Im Juli schlossen laut Thomson Financial Gesellschaften und private Käufer weltweit noch Deals in Höhe von 562 Mrd Dollar ab. Im August sank diese Summe auf 203 Mrd Dollar und im September sogar auf 192 Mrd Dollar. Auf dem führenden Markt für M&A, den USA, war der Rückgang auf 52,8 Mrd Dollar im September sogar noch eklatanter. «Die M&A-Märkte liegen momentan auf Eis», meint Joseph Frumkin, Anwalt bei der New Yorker Kanzlei Sullivan & Cromwell. «Das ist Teil des Zyklus im Geschäft!» Frumkin geht davon aus, dass Unternehmen ausserhalb der USA den schwachen Dollar nutzen und einige amerikanische Ziele erwerben werden, das M&A-Geschäft deshalb im nächsten Jahr wieder auf einem akzeptablen Level sein werde, ähnlich hoch wie 2005. Eine Liste der grossen Deals im vergangenen Quartal demonstriert, wie die Aktivitäten abgenommen haben: An oberster Stelle steht der Kauf von Alcan durch Rio Tinto für 38 Mrd Dollar. Andere grosse Transaktionen schliessen den Kauf von Hilton Hotels durch die Blackstone Group für 20 Mrd Dollar und den Kauf des Chemiekonzerns Lyondell Chemical durch Basell Holdings für etwa 12 Mrd ein. Die grösste Transaktion seit August war die Übernahme der Korea Exchange Bank durch HSBC Holdings. Der grösste Abschluss in den USA seit Anfang August war der Kauf von Check-Free durch Fiserv am 2. August. Die grösste Veränderung im letzten Quartal war der Rückzug der Private-Equity-Firmen. Nachdem sie fast 18 Monate den M&A-Markt bestimmten, haben sie sich grossräumig zurückgezogen. Grund: Sie kämpfen, ihre bestehenden Abschlüsse zu erfüllen – 300 Mrd Dollar oder mehr müssen finanziert werden. Banken, die früher diesen Käufern gern Geld liehen, finanzieren keine neuen Deals mehr, bis diese Last aus ihren Büchern entfernt ist. «Die Ära der Private-Equity-Akteure ist vorbei», konstatiert Stefan Selig, Vice Chairman der Bank of America. «Aber es ist nicht das Ende des M&A-Geschäfts.»