Auch wenn die Börsen in den reifen Märkten gegenwärtig um mehr als 50% über den Tiefständen vom März 2009 stehen - «das wichtigste Thema bei Gesprächen mit unseren Kunden ist die Absicherung gegen Tail-Risiken bei Aktien und Kreditanlagen», berichten die Derivate-Analysten von Morgan Stanley. Anleger blieben zwar investiert, hielten ihre Positionen und verkauften sie nicht, aber sie bereiten sich auch auf mögliche grosse Einbrüche vor.

Vernachlässigbare Risiken?

«Tail»-Risiken sind vermeintlich vernachlässigbar, weil sie an den dünnen «Enden» der Verteilungskurven liegen. Die Jahresschwankungen an den Aktienbörsen beispielsweise lassen sich damit grafisch darstellen. Dabei kommt es zu Schwankungen im Bereich minus 5 bis plus 10%. Ein Rückgang um 30% sollte theoretisch lediglich alle 20 Jahre eintreten (tatsächlich passiert es, je nach Markt, alle fünf bis acht Jahre).

Die Analysten definieren einen solchen Rückgang als «grosses Tail-Ereignis» und einen um 15% als «kleines» Ereignis. Das Gleiche lässt sich auch auf die Kreditmärkte übertragen. Hier entsprechen eine Ausweitung der Aufschläge («Spreads») zwischen Obligationen mit hoher und niedriger Bonität um mindestens 60 Basispunkte sowie der Anstieg der riskanten Kreditaufschläge um mindestens 350 Basispunkte einem «grossen» Ereignis und eine Ausweitung der Spreads um 30 Basispunkte und ein Anstieg der Kreditaufschläge um 150 Basispunkte einem «kleinen» Ereignis.

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Absicherungszeitpunkt günstig

Grundsätzlich ist der Zeitpunkt für eine Absicherung gut, betonen viele Derivateanalysten. Die impliziten Volatilitäten, die für die Preisberechnung von Warrants und Optionen eine wichtige Rolle spielen, sind in der Schweiz auf unter 18% beim VSMI und in den USA auf unter 25% beim VIX gefallen. Mit der weiteren Beruhigung der Märkte dürfte sie weiter leicht zurückgehen, erwarten die Morgan-Stanley-Analysten. Zudem dürfte die historische Volatilität das Niveau der impliziten Volatilität zusätzlich senken.

Aus diesem Grund sind volatilitätsneutrale Absicherungsinstrumente vorzuziehen. Retail-Anleger sollten daher eher Mini-Futures zur Absicherung verwenden als Warrants, weil bei diesen die Volatilität praktisch keine Rolle spielt. Zudem dürften die Optionsprämien mit der weiter fallenden Volatilität ebenfalls schrumpfen. Wenn hier der Rückgang grösser ist als die Rollkosten, sind Absicherungsinstrumente mit kurzen Laufzeiten eine billigere Versicherung als solche mit langen Laufzeiten. Eine weitere Möglichkeit besteht im Kauf von Absicherungsinstrumenten, die leicht «aus dem Geld» sind, sprich, wenn bei Puts und Short-Mini-Futures der Ausübungspreis unter dem aktuellen Kursniveau des Basiswertes liegt.

Absicherungen lassen sich am einfachsten über Index-Produkte vornehmen. Anleger mit dem Schwerpunkt Schweiz dürften SMI-Produkte wie die Puts SMIVQ oder SMVAD wählen, europaweit gestreute Aktiendepots lassen sich mit Produkten auf den EuroStoxx-50 wie beispielsweise ESXPA oder ESXPW absichern, für den US-Markt haben sich Produkte auf den S&P-500-Index wie SPXFS bzw. SPXVX bewährt, und für die Absicherung von Kreditrisiken sind Hebelprodukte auf die iTraxx- und CDX-Indizes aufgelegt worden.