Der Sekundärmarkt für strukturierte Produkte bietet unzählige Chancen. Die Herausforderung besteht allerdings darin, diese zum richtigen Zeitpunkt zu identifizieren und dazu sind die wichtigsten Parameter der Produkte zu beobachten.

Strukturierte Produkte bestehen aus verschiedenen Komponenten: Die Kombination von Aktien oder Obligationen mit Optionsscheinen bildet ein bestimmtes Auszahlungsprofil. Dieses Auszahlungsprofil bleibt bis zum Verfall des strukturierten Produktes unverändert. Das heisst, beim Betrachten der Konditionen eines strukturierten Produktes im Termsheet wissen die Anleger, wie die Konditionen des Produktes bei Verfall sein werden.

Sie kennen demnach die Bedingungen, wenn Barrieren durchbrochen oder nicht durchbrochen werden. Die Bestandteile (Aktie/Obligation und Optionskomponenten) des strukturierten Produktes sind jedoch dynamisch. Sie passen sich fortlaufend den Marktkonditionen an. Hieraus entfalten sich die Chancen im Sekundärmarkt.

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Wichtige Rolle der Volatilität

Einer der Hauptakteure ist die Volatilität. Veränderungen in der Volatilität der entsprechenden Basiswerte haben einen teilweise erheblichen Einfluss auf die Optionskomponenten im strukturierten Produkt. Nehmen wir zum Beispiel ein Reverse Convertible auf die Siemens-Aktie. Bei Emission, am 15.1.2010, konnte dieser Reverse Convertible zu 100% erworben werden, bei einem Stand der Siemens-Aktie von 66.43 Euro. Der Coupon, der während der Laufzeit unverändert bleibt, beträgt 9,25% (absolut). Die Barriere lag damals bei 71,5% vom Fixierungskurs.

Zwischenzeitlich sind fast 6 Monate vergangen, und die Konditionen des Produktes haben sich so verändert, dass eine Anlage in besagtem Produkt heute noch attraktiver ist als bei der Emission. Der Coupon beträgt nach wie vor 9,25% (absolut), aber das Zertifikat ist rund 10% billiger geworden. Das Zertifikat konnte am 30. Juli 2010 bei 101,76% vom Nominalwert erworben werden, obwohl der Wert des Basiswertes um rund 12,5% gestiegen ist. Der Anleger kommt immer noch in den Genuss eines attraktiven Coupons, aber dies, im Gegensatz zum Zeitpunkt der Emission, mit einer deutlich niedrigeren Barriere von 63,5%. Kurz gesagt, das Zertifikat bietet in Verbindung mit der niedrigeren Barriere eine attraktivere Anlagemöglichkeit als bei Emission.

Der Anstieg der Volatilität ist ausschlaggebend für diese Veränderung. Bei Anlegern stösst das Wort Volatilität nicht immer auf Verständnis. Im Folgenden sehen wir ein Beispiel, wie die Volatilität Chancen mit sich bringt.

Die Volatilität ist der Grad von Kursfluktuationen eines Basiswertes über eine bestimmte Zeit. Weist ein Basiswert höhere Kursschwankungen auf, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Barriere für den gegebenen Zeitraum erreicht wird, höher als während einer Periode mit geringerer Volatilität. Steigt diese Wahrscheinlichkeit, wird diese Anlage riskanter. Das zusätzliche Risiko wird durch höhere Renditechancen kompensiert. Somit wird das Produkt billiger, um die erhöhte Renditechance zu gewährleisten.

Verkürzte Restlaufzeiten im Sekundärmarkt bieten ebenfalls Opportunitäten. Die Abnahme des Zeitwerts verhält sich nicht linear. Daher kann ein strukturiertes Produkt nach wie vor attraktive Konditionen aufweisen, obwohl die Restlaufzeit um die Hälfte geringer ist als bei Emission.

Nehmen wir das soeben beschriebene Beispiel des Reverse Convertible auf Siemens: Das leicht erhöhte Risiko wird mit der verkürzten Laufzeit zum Positiven relativiert. Obwohl die Volatilität gestiegen ist, hat sich der Zeitraum, in dem die Barriere erreicht werden kann, verkürzt, was wiederum die Risiken verringert.

Knackpunkt Emissionstermin

Des einen Freud, des anderen Leid: Denn wird ein Zertifikat für einen potenziellen neuen Anleger billiger, ist dieses Szenario für die Anleger, die sich das entsprechende Produkt bereits ins Portefeuille gelegt haben, ungünstig. Für letzteren ist die Wertentwicklung viel tiefer, als wenn er in den Basiswert selber investiert gewesen wäre.

Bei Emission eines Produktes ist nicht immer sichergestellt, dass der perfekte Zeitpunkt für die Lancierung des Produktes getroffen worden ist. Die Dynamik der strukturierten Produkte führt dazu, dass sich die Produkte den neuen Marktgegebenheiten anpassen, was zu den erwähnten Chancen führen kann. Es lohnt sich diese zu erkennen und auszunützen.