Inmitten der Finanzkrise hat eine Reihe schwergewichtiger Hedge-Fonds einen Grossteil ihres Kapitals aus dem Aktienmarkt abgezogen. Steven Cohen zum Beispiel, einer der erfolgreichsten Kurzfrist-Tader und Vorbild für andere Hedge-Fonds-Manager, verschob mit 7 Mrd Dollar etwa die Hälfte des Gesamtvermögens seines SAC Capital Advisors in den Geldmarkt und in andere Kurzfristanlagen. Für den Rest des Jahres will er erst einmal abwarten.

Israel Englander, Manager des 14 Mrd Dollar schweren Millenium Partners Fund, verlagerte rund 6 Mrd Dollar aus dem Aktienmarkt in Cash. Und auch John Paulson, Manager des 35-Mrd-Dollar-Hedge-Fonds Paulson & Co, der im vergangenen Jahr eine spektakulär erfolgreiche Wette gegen den Häusermarkt platzierte, hat die Hälfte seines Fondskapitals in Cash geparkt.

Die Lage ist sehr unsicher

400 Mrd Dollar wurden nach Angaben von Goldman-Sachs-Analyst David Kostin in letzter Zeit insgesamt in Cash-Anlagen umgeschichtet. «Im Moment ist die Lage sehr unsicher, und viele sagen, sie fühlen sich auf den Zuschauerrängen sicherer als auf dem Spielfeld», weiss Kostin. Die Kapitalverschiebung geschieht vor dem Hintergrund verschärfter Regeln für Short Selling. Diese Strategie, mit der auf sinkende Aktienkurse gewettet wird, ist bei Hedge-Fonds sehr beliebt. Die Börsenaufsicht SEC will erreichen, dass Investoren inklusive Hedge-Fonds ihre Short-Positionen an die Aufsicht melden müssen. Generell wird der Ruf nach mehr Transparenz und Aufsicht für die Hedge-Fonds immer lauter.

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Rückzug der Routiniers

Der Rückzug aus dem Aktienmarkt gibt einen Hinweis darauf, wie sich die Hedge-Fonds-Industrie inmitten der Erschütterungen der Finanzwelt verändern könnte. Von den derzeit rund 8000 Hedge-Fonds werden viele vermutlich verschwinden, und die übrigen schrumpfen.

Der Rückzug der drei Hedge-Fonds-Manager erinnert an das Verhalten routinierter Geldstrategen wie Michael Steinhardt, Julian Robertson und George Soros, die ihre Fühler sofort einzogen und an der Seitenlinie verharrten, als der Markt gegen sie lief. John Lattanzio, 25 Jahre lang Cheftrader beim Hedge-Fonds Steinhardt Partners, weiss: «Wenn sich Michael Steinhardt nicht sicher war, was passieren würde, sagte er: Lass uns alles verkaufen und in Cash gehen.»