Normalerweise läuft am Aktienmarkt im August alles wunderbar. Nur ab und zu gibt es mal eine Ausnahme. Angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage, einer möglichen Deflation oder einer weiteren Rezession fragen sich Investoren nun, wie es dieses Jahr sein wird. Der August ist generell anders, weil viele Führungskräfte im Urlaub sind und Kurse eher steigen, wenn die Chefs ausser Haus sind. Es sei denn, es gibt schlechte Nachrichten. Dann kann der Absturz heftig ausfallen.

Im August 1998, als Russland zahlungsunfähig wurde, fiel der Dow Jones Index um 15%. Weitere Beispiele: 1997, Finanzkrise in Asien: -7%; 1990, Irak marschiert in Kuwait ein: -10%. «Man denkt, Europa ist in den Ferien, ebenso der US-Kongress, was kann schon passieren? Aber die Geschichte zeigt, dass es gerade dann mehr Spielraum gibt», sagt Jeffrey Kleintop, Chefmarktstratege bei LPL Financial in Boston.

Geringes Handelsvolumen

Die Unternehmensberichte für das 2. Quartal sind mittlerweile fast alle veröffentlicht, viele Unternehmen warten mit weiteren Meldungen bis nach dem Labor Day. Das Handelsvolumen an den Aktienmärkten ist im August in der Regel eher gering, gerade deshalb haben kleine Meldungen oft grosse Auswirkungen. Schnelles Geld der Kurzfrist-Trader ist häufiger als sonst an den Märkten vertreten.

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Henry Herrmann, Chef der Investmentfirma Waddell & Reed, hat beobachtet: «Unerwartete Nachrichten könnten einen Markt im August erschüttern, wenn praktisch nichts passiert. Kein grosses Handelsvolumen, wenig Enthusiasmus.»

Konsumenten drücken Stimmung

Auch ohne unvorhergesehene Ereignisse geben jedoch der klamme US-Verbraucher, China und die amerikanische Notenbank Anlass zur Sorge. «Im Mittelpunkt steht der Konsument», sagt Kleintop. Die Reaktion des Marktes auf den vergangene Woche erschienenen Arbeitsmarktbericht bewies das: Der Dow Jones Industrial Average fiel drastisch, erholte sich dann aber wieder auf nur noch -21,42 Punkte. Verbraucherausgaben machen zwei Drittel der US-Wirtschaft aus. Und diese stagnieren, seit das Auslaufen der Konjunkturpakete der Regierung absehbar ist.

Zusätzlich zum Arbeitsmarktbericht werden Investoren vor allem auf die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen und den Wochenabsatz der grossen Handelsketten achten. Deren Berichte liefern Signale dafür, wie es zum Schulbeginn - dem zweitwichtigsten Zeitraum im Einzelhandel - läuft. Jeder Einbruch bei Beschäftigungszahlen, Absatz, Verbraucherausgaben oder Daten zum Häuserkauf wird die Ängste vor einer Deflation oder einem zweiten Abrutschen in die Rezession (Double Dip) weiter schüren. In den vergangenen 20 Jahren war der August nach Angaben von Bespoke Investment Group nicht immer ein guter Monat für die Aktienmärkte.

In zwölf der letzten 20 Jahre, auch in den vergangenen vier Jahren, ist der Dow Jones im August gestiegen. Dennoch zeigt der Durchschnitt ein Minus an, denn wenn der Dow Jones fiel, dann war dies so kräftig, dass die kleinen Gewinne der guten Jahre nicht mehr ins Gewicht fielen.