Auch in der Chemiebranche gedeihen Schösslinge der Wirtschaftserholung. So hatte der deutsche Chemieriese BASF jüngst bekannt gegeben, dass sowohl Umsatz als auch Gewinn über der Konsensschätzung ausfallen würden. Nur wenige Tage zuvor konnte Bayer an seinen Standorten in Deutschland dank einer besseren Auftragslage die Arbeitszeitverkürzungsmassnahmen aufheben.

Der nachlassende Druck dürfte nun auch dem Schweizer Spezialitätenchemie-Konzern Clariant zugute kommen. Die Analysten von Vontobel rechnen für die am 4. November fälligen Quartalszahlen des Basler Konzerns mit einem Umsatzanstieg auf 1,69 Mrd Fr. gegenüber dem Vorquartal. Der operative Gewinn vor Restrukturierung soll derweilen 102 Mio Fr. betragen.

Ciba-Integration wiegt schwer

Günstig wirken sich die Kostensenkungsmassnahmen und die gleichzeitig steigende Kapazitätsauslastung aus. Hinzu kommt ein neues Management, das den nun schon Jahre andauernden Turn-around endlich abschliessen will. Die Vontobel-Analysten empfehlen daher trotz der jüngsten Kursfortschritte, noch vor der Ergebnispräsentation Aktien zu kaufen weil sie mit einer positiven Überraschung beim operativen Gewinn rechnen.

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Der Analystenkonsens für die Gewinnerwartung liegt unter 100 Mio Fr. Im Hinblick auf die günstigeren Aussichten erhöhen die Vontobel-Analysten das Kursziel von 11.50 auf 13 Fr.

Ebenfalls profitabel ist BASF, auch wenn hier bezüglich des Quartalsergebnisses gesagt wurde, dass in diesem Jahr aufgrund der hohen Integrationskosten im Zusammenhang mit der Ciba-Übernahme die Kapitalkosten nicht gedeckt würden. Der operative Gewinn fiel um 20% gegenüber 2008 und stieg um 9,5% im Vergleich zum Zeitraum zwischen April und Juni 2009. Der Ausblick war sehr vorsichtig formuliert, wohl auch, um die Erwartungen nicht überschiessen zu lassen. Der Kursanstieg der letzten Monate hat zu einer Bewertung zum 19-Fachen der Gewinnschätzung per 2010 geführt - die Analysten bei der WestLB sehen aber keine entsprechenden positiven Zeichen und erwarten für das Gesamtjahr sogar eine Dividendenkürzung um einen Viertel. Anders in Übersee: Bei den grossen US-Konzernen gab es - mit Ausnahme der Agrochemiekonzerne - nur positive Überraschungen.

Kurs der Amerikaner gefällt

DuPont etwa übertraf die Konsensschätzung von 33 Cent Gewinn pro Aktie mit 45 Cent deutlich, obwohl auch hier der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 18% einbrach. Das spätzyklische Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln litt besonders: In Lateinamerika wurde weniger Dünger gebraucht, weil der Maisanbau zurückging.

Immerhin legte das DuPont-Management die eigenen Ziele beim Gewinn pro Aktie bei 1.95 bis 2.05 Dollar und damit an den oberen Rand der Erwartungen. Zudem beliess DuPont auch die Prognose für den Cashflow über das Gesamtjahr unverändert. Die Analysten von Goldman Sachs reagierten erfreut - sie erhöhten das Kursziel auf 35 Dollar und empfehlen DuPont auf dem Hintergrund der robusten Margenaussichten zum Kauf.