W ider aller Erwarten, aber wahr: Hedge-Fonds halten sich in diesem Jahr einigermassen. Gemäss den kürzlich veröffentlichten Zahlen der Spezialisten von HFR hielt sich der gewichtete Gesamtindex der weltweiten Hedge-Fonds. Der ungewichtete Index stieg um 0,4%, die Hälfte aller Anlagestile verzeichnete dabei Performances bis zu 8,8%. Demgegenüber verlor der US-Börsenindex S&P 500 seit Jahresanfang 18%, und der Lehman-Obligationenindex büsste ebenfalls 2,5% ein.

Langfristig besser als Aktien

Damit ist die Scharte des letzten Jahres freilich noch nicht ganz ausgewetzt. Hedge-Fonds hatten 2008 mit einem Minus von 19% ein Desaster erlebt. Hinzu kamen Mittelabflüsse von 170 Mrd Dollar, Notverkäufe, Fondsschliessungen und der grosse Betrugsskandal um Bernard Madoff, der die Auszahlungen an seine Kunden jahrelang mit den Neugeldern bedient hatte.

«Diese Rückschläge stellten eine oft gehörte, aber nicht gänzlich zutreffende Behauptung in Frage, dass Hedge-Fonds unter sämtlichen Marktbedingungen positive Renditen generieren können», kommentieren die Analysten der Credit Suisse. Sie verweisen auf ähnliche Zyklen wie 1998 nach der Pleite des grossen Hedge-Fonds LTCM oder nach dem Platzen der Technologieblase zwischen 2001 und 2002. Damals dauerte es jeweils 14 bis 18 Monate, bis die Rückschläge aufgeholt worden waren. Aktive Investments ohne allzu strikte Ausrichtung auf einen Benchmark - in der Praxis heisst das: Grosser Handlungsspielraum für den Hedge-Fonds-Manager - dürften laut den Analysten der Credit Suisse überleben, auch wenn etliche Fonds geschlossen und andere illiquide Anlagen in Spezialvehikel eingebracht werden müssen, um diese später unter günstigeren Rahmenbedingungen zu liquidieren. Denn auch nach dem Desaster im vergangenen Jahr schneiden Hedge-Fonds mit einer durchschnittlichen Performance von 8,2% unter Berücksichtigung der Managementgebühren seit 1990 besser ab als US-Aktien, die im Schnitt mit 6,3% rentierten.

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Und trotz der Turbulenzen nach der Lehman-Pleite liegt die Volatilität mit 6% viel tiefer als bei Aktien, die auf 15% kommen. Schliesslich liegt der maximale kumulierte Kapitalverlust bei Hedge-Fonds bei 22%. Bei amerikanischen Aktien lag dieser dagegen bei 45%.

Dennoch dürften die Mittelrückflüsse anhalten. Bei Morgan Stanley erwarten Analysten weitere 15 bis 30% auf ein Volumen von 950 Mrd Dollar. Gegenwärtig empfiehlt die Credit Suisse Hedge-Fonds mit Anlagestilen wie Managed Futures, Global Macro (Konjunkturentwicklung), Distressed Securities (notleidende Wertpapiere) und Marktneutral.

Die Makro-Ansätze hatten bereits im letzten Jahr gut funktioniert. Allerdings zeigte sich hier eine grosse Streuung, denn nicht alle Manager hatten es geschafft, von der zunehmenden konjunkturellen Unsicherheit, der Flucht in Staatsanleihen und defensive Sektoren zu profitieren.

Gemischter Ausblick für Schweizer

Morgan Stanley empfiehlt lediglich Julius Bär, die über GAM auch ein Hedge-Fonds-Investment ist, zum Kauf, obwohl auch hier unter dem Eindruck der Mittelabflüsse von 20% und des Drucks auf das Private Banking die Margen bröckeln dürften. Zum Kauf empfiehlt gar eine Mehrzahl der Analysten die Aktie des Baarer Vermögensverwalters Partners Group. Dieser hat allerdings bereits 2008 seine Position in Hedge-Fonds stark reduziert.

Gegenüber zwei weiteren Branchenvertretern, der britischen Man mit Filiale in Pfäffikon SZ und der Lausanner Gottex, sind die Analysten vorsichtiger eingestellt. Vom RMF-Fonds von Man erwarten sie einen weiteren Rückgang der verwalteten Gelder um 60%; für RMF ist Madoff ein Albtraum - im schlimmsten Fall könnte sie hier 90% des Einsatzes verlieren. Hinzu kommt die Entschuldung der gehebelten Einsätze. «Trotz der ausreichenden Barmittel und der Bewertung zum Sechsfachen des Gewinns für 2010 würden wir nicht hinter der Aktie herjagen», heisst es bei Morgan Stanley.

Das Gleiche gilt für Gottex. Hier erwartet Morgan Stanley den Abfluss eines Drittels des Kapitals, wenn die Hürden, die gegen die Kündigungen temporär eingesetzt wurden, diesen Monat aufgehoben werden. Hinzu kommt ein Rückgang bei den Gebühren. Trotz der Kostenreduktion um die Hälfte bis 2010 leidet auch der Gewinn pro Aktie, die gegenwärtig zum Siebenfachen des Gewinns für 2010 bewertet ist.