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Kryptowährung
Der versteckte Boom von Bitcoin-Rivale Ethereum

Ethereum: als «Welt-Computer»gedacht. ZVG

Die Bitcoin-Rallye hat sich beruhigt, da tritt der Konkurrent wieder stärker in den Fokus: Der Boom bei Nummer zwei Ethereum ist genauso fantastisch – und hat noch bessere Gründe als der Bitcoin-Hype.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 23.08.2017

Der Bitcoin-Rausch der vergangenen Wochen hat den Aufstieg der Nummer zwei im Markt überschattet – zu Unrecht. Denn auch Ethereum, die Kryptowährung mit Sitz in Zug, legt ein atemberaubendes Wachstum hin. Seit Anfang Jahr ist der Kurs von Ether (ETH) um sagenhafte 3900 Prozent gestiegen – von 8 auf derzeit 320 Dollar. Parallel zur Bitcoin-Rally Anfang August hat Ether ähnlich stark zugelegt. Während der gehypte Bitcoin 54 Prozent gewann, stieg der Ether-Kurs um 44 Prozent.

Damit schickt sich Ethereum weiter an, die Dominanz des Bitcoin anzukratzen. Seit seiner Entstehung gilt Ethereum als der schärfste Bitcoin-Konkurrent. Das hat auch mit der Entstehung zu tun: Entwickler Vitalik Buterin war mit 19 Jahren bereits einer der führenden Köpfe der Bitcoin-Szene. Er kam jedoch zu der Überzeugung, dass die Funktionen von digitalen Währungen technisch ausgeweitet werden müssen. Als er damit bei den Bitcoin-Entwicklern abblitzte, entwarf er Ethereum – eine Kryptowährung mit einer integrierten Plattform, die per Blockchain alle Arten von Wert festschreiben und transferieren kann.

Ethereum als günstige Alternative zum Bitcoin

Wenn Ethereum derzeit grosses Interesse weckt, dann zum einen, weil Ether als Alternative zum Bitcoin gilt. «Einsteigern ist der Bitcoin mittlerweile teils zu teuer und sie gehen daher lieber auf die zehnmal günstigere Währung, die als Nummer zwei im Markt kommt», sagt André Brunner, Partner bei der Bankenberatung Capco.

Ether ist in dieser Hinsicht ähnlich wie Bitcoin ein Spekulationsobjekt, dessen Kursgewinn immer wieder satte Rendite verspricht. Vom Rekordstand im März ist Ether zwar noch ein Stück weit entfernt, doch Experten erwarten, dass die Kryptowährung die 410 Dollar leicht überbieten kann und neue Rekorde einstellt. «Ether wird auch die 1000-Dollar-Marke knacken, ganz klar», sagt Bankenberater Brunner. «Es reicht irgendeine Ankündigung, die etwas mehr heraussticht und der Kurs geht auf 500 Dollar.»

Ablehnung des Winklevoss-Fonds

Bereits jetzt kommt Ethereum auf eine Marktkapitalisierung von 30 Milliarden Dollar. Das ist immerhin fast halb so viel wie beim Marktführer Bitcoin, der derzeit die 70 Milliarden Dollar touchiert. Das ist eine deutliche Veränderung – derzeit beträgt der Anteil von Bitcoin am Marktkapital aller Kryptowährungen rund 46 Prozent. Vor der Ablehnung eines indexbasierten Krypto-Fonds durch die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC im März, den die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss hatten auflegen lassen, betrug der Anteil noch 90 Prozent, wie Marktanalyst Timo Emden von «Daily FX Deutschland» beobachtet. Er geht davon aus, dass «sich die Dominanzschere der digitalen Münze weiter schliessen wird». Vor allem für Ethereum bedeutete die Ablehnung des Fonds demnach den Startschuss für die Kletterpartie des Kurses.

Auch wenn das nicht bedeutet, dass die Beruhigung beim Bitcoin anhält  –  viele Marktbeobachter halten einen Wert von 5000 Dollar bis zum Jahresende für gut möglich – sprechen auch noch andere Gründe für den Aufwärtskurs von Ethereum. Das Ziel von Entwickler Vitalik Buterin war es eben, Ethereum technisch zugänglicher und flexibler zu gestalten als Bitcoin.

Das spricht für Ethereum, das aus diesem Grund zum Beispiel von der steigenden Zahl an ICOs profitiert, der crowdbasierten Börsengänge via Kryptowährung. Viele Investoren, die bei einem ICO Geld in ein Unternehmen stecken wollen, verlangen die Möglichkeit, das in Ether tun zu können, sagt André Brunner. Darum bieten viele Firmen, die Kapitalgeber per Kryptowährung suchen, diese Möglichkeit an.

Ethereum erhält dank seiner Blockchain-Plattform auch viel Unterstützung durch namhafte Grosskonzerne. «Durch die Enterprise Ethereum Alliance bekommt ETH immer mehr Unterstützung von Finanz- und Tech-Firmen, wie JPMorgan Chase, Intel und Toyota», sagt Brunner.      

Ethereum hat Bitcoin bei der Zahl der Transaktionen überrundet

Die grössere technische Flexibilität zahlt sich auch beim Thema Transaktionen aus. Dass deren Zahl begrenzt und bereits jetzt für viele Anforderungen zu langsam, ist einer der grössten Kritikpunkte am Bitcoin. Ethereum hat Bitcoin bei der Zahl der täglichen Transaktionen bereits mehrfach überrundet, vor gut einer Woche hat die Nummer zwei erstmals mehr Transaktionen an einem Tag durchgeführt, als der Bitcoin jemals innert 24 Stunden. Das zeigen Charts der Analyseseite «bitinfocharts».

Die technische Flexibilität birgt allerdings auch Risiken. Ethereum musste bereits vier Mal einen «Hard Fork» durchlaufen wie der Bitcoin am 1. August – eine harte Spaltung der Blockchain, die dann in zwei unterschiedlichen Ketten weitergeschrieben wird. Ausserdem ist Ethereum immer wieder Opfer von Hackern – erst am Montag haben Hacker Ether im Wert von 450'000 US-Dollar erbeutet, indem eine Investitionsplattform geknackt haben.



 

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