Die Reputation der alternativen Anlagen und Hedge-Fonds hat seit Ausbruch der Finanzkrise stark gelitten. Wie steht es um den Ruf Ihrer darauf spezialisierten Bank?

Eric Syz Unser Ruf hat in dieser Krise nicht gelitten. Natürlich haben unsere Dach-Hedge-Fonds auch verloren, die Performance spielte jedoch 2008 eher eine sekundäre Rolle. Viel wichtiger war, dass wir die Liquidität hochhielten. Unsere Kunden schätzten, dass ihnen grundsätzlich die Möglichkeit offen stand, Rückzüge zu tätigen. Das hat Goodwill geschaffen, was auch der Zustrom neuer Kunden zeigt, die von den Grossbanken zu uns kamen.

Also keine Auswirkung auf die Reputation.

Syz: Wir haben einen globalen Finanzkollaps erlebt, der nicht durch die Hedge-Fonds verursacht wurde, sondern durch die Banken. Zudem vergisst man gerne: Die Hedge-Fonds haben, verglichen mit den anderen Risikoklassen, zwar auch verloren, aber mit rund 20% nur halb so viel.

Jetzt machen Sie auf Schönfärberei.

Syz: Nein, überhaupt nicht. Ich möchte nur klarstellen, dass der Reputationsverlust der Hedge-Fonds vollkommen ungerechtfertigt ist.

Warum dann diese Kritik?

Syz: Hedge-Fonds sind ein einfaches Ziel. In einer Krise sucht man immer nach einem Sündenbock. Sehen Sie doch den G20-Gipfel. Die mächtigsten Staaten sassen zusammen, um die Welt und das Finanzsystem zu retten. Was ist dabei herausgekommen: Der Angriff auf die Fiskalparadiese. Das ist ein ziemlich mageres Resultat für einen solchen Aufwand.

Anzeige

Also haben die Hedge-Fonds als Asset-klasse nicht ausgedient, wie gewisse Kritiker voraussagten?

Syz: Nein, überhaupt nicht. Das Problem, das wir nach dem Kollaps von Lehman Brothers hatten, war der Zusammenbruch der Liquidität im Finanzsystem. Und wenn keine Liquidität vorhanden ist, leiden alle Anlageklassen: Die Aktien, die Obligationen und somit auch die Hedge-Fonds.

Kommen die Investoren zurück?

Syz: Ja. Wir verzeichnen bei unseren Fund of Funds seit Juni wieder einen klaren Zuwachs.

Welches sind die Gründe?

Syz: Wir setzten während der gesamten Krise auf Transparenz und hielten immer an einer kongruenten Liquidität fest, dafür mussten wir aber auch Abflüsse hinnehmen. Jetzt honorieren die Investoren unsere Haltung und investieren wieder.

Wie gross waren die Abflüsse?

Syz: Nach einigen Rückzügen, die im 1. Quartal aufgrund von Aufträgen gegen Ende 2008 erfolgten, haben die guten Performance-Resultate der Dach-Hedge-Fonds wieder vermehrt zu Zeichnungen geführt. Die Dach-Hedge-Fonds profitieren zurzeit von einem Wiederaufschwung aufgrund des Interesses institutioneller Anleger an Total-Return-Strategien.

Wie stark hat der Fall Madoff dem Finanzplatz Genf geschadet?

Syz: Genf ist in der Schweiz der bedeutendste Finanzplatz für das Private Banking und somit stärker betroffen als Zürich. Genf hat viele kleinere Akteure. Im Vergleich mit anderen, ausländischen Finanzplätzen waren die Summen aber auch kleiner. Der Fall Madoff ist komplex. Im Nachhinein zu sagen, man hätte den Betrug voraussehen können, ist billig. Es kann doch nicht sein, dass derart viele intelligente Menschen, die die Madoff-Fonds studiert haben, getäuscht worden sind. Es war ein perfekter Betrug. Man erhielt Kontoauszüge, die von den Revisoren geprüft wurden. Die Gegenparteien waren allesamt reguliert. Nichts deutete auf Unregelmässigkeiten hin.

Und bei der Bank Syz?

Syz: Einige Kunden haben mit Madoff-Fonds Geld verloren.

Madoff ist Ihnen entgangen?

Syz: Madoff hat wirklich perfekt gearbeitet. Alle Dokumente, Gegenparteien und Kontoauszüge waren von den Regulatoren genehmigt, sodass man nicht davon ausgehen konnte, dass alle diese Papiere gefälscht sein könnten. Hinzu kommt, dass unsere Branche stark reglementiert ist. Von einem Betrug war also nicht auszugehen.

Machen Sie sich Vorwürfe?

Syz: Selbstverständlich machen wir uns Vorwürfe, dass einige unserer Kunden investiert waren. Unser Business besteht darin, unsere Kunden vor solch grossen Fehlern zu schützen.

Welche Folgen hat das für die Bank?

Syz: Wir wenden einen neuen Ansatz an. Die erste Frage, die wir uns heute vor einer Due Diligence stellen, ist, ob es sich um einen Betrug handeln könnte. Unsere Einstellung hat sich insofern geändert, als dass wir das Glas zu Beginn als halb leer anschauen und nicht wie zuvor halb voll.

Wie sieht 2009 für die Bank Syz aus?

Syz: Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel. Die Gesundschrumpfung des Umfelds ist allerdings eine gute Sache für die Branche wie für uns. Nach der Gründung der Bank waren unsere Visiere auf Wachstum eingestellt. Nun können wir die Strukturen festigen, die Prozesse verbessern, gerade in der Informatik, und auch schlanker werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir operativ nicht gezielt weiter wachsen wollen. Mit dem Ziel, unsere Vermögensverwaltungs-Aktivitäten in Europa weiter auszubauen, haben wir kürzlich mit der spanischen Gruppe N+1 eine vielversprechende strategische Vereinbarung unterzeichnet.

Wie entwickelt sich das Geschäft?

Syz: Das 1. Semester 2009 war ermutigend. Wir rechnen mit einer bedeutenden Steigerung unseres Resultats. Wir haben viele neue Privatkunden gewonnen, denn sie haben mit den massiven Problemen bei den Kommerzbanken erkannt, dass nicht die Grösse einer Bilanz ausschlaggebend ist, sondern deren Stärke.

Wie viel Neugelder konnten Sie anziehen?

Syz: Im 2. Quartal etwa 1,2 Mrd Fr.

Um was für Kunden handelt es sich?

Syz: Im Privat-Banken-Bereich sind es ehemalige Kunden von Grossbanken, aber auch von kleineren Regionalbanken.

Also primär Kunden aus der Schweiz?

Syz: Nein, nicht nur. Wir stellen fest, dass Kunden aus dem Ausland mit deklarierten Vermögen zu uns kommen, weil sie die juristische und politische Stabilität der Schweiz schätzen. In den Ländern, die uns umgeben, stellt sich für sie die Frage der Rechtssicherheit ihres Kapitals. Ausländische Kunden fürchten sich davor, dass ihr Kapital konfisziert wird.

Ist diese Furcht nicht übertrieben?

Syz: Heute sind wir so weit, dass gewisse Leute den westeuropäischen Staaten nicht mehr trauen. Jeder muss selber wissen, ob dies gerechtfertigt ist. Tatsache ist, die Schweiz vereint drei fürs Banking essenzielle Qualitäten: Politische und juristische Stabilität sowie Kompetenz. Diesbezüglich hat die Schweiz allen anderen Ländern etwas voraus.

Spielt das Bankgeheimnis keine Rolle mehr?

Syz: Das Bankgeheimnis ist für den Finanzplatz nicht mehr so zentral, wie es einmal war. Als wir die Bank gründeten, wollten wir auch den Privatkunden die gesamte Kompetenz und das Wissen bieten, das in der Regel nur den institutionellen Anlegern zur Verfügung steht. Für uns war das Bankgeheimnis nie ein Asset - es war ein Seitenprodukt, das die Privatsphäre des Einzelnen schützt. Im Vordergrund stehen aber ganz klar unser Fachwissen und Können. Wir waren eine der ersten Banken, die diesen Ansatz wählte.

Braucht es das Bankgeheimnis nicht mehr.

Syz: Natürlich braucht es ein Bankgeheimnis, um die Privatsphäre des Individuums zu sichern. Hingegen braucht es das Bankgeheimnis nicht, um Kriminelle zu schützen. Ich rufe in Erinnerung, dass das Bankgeheimnis unter anderem auch deswegen geschaffen wurde, um jüdische Vermögen vor den konfiskatorischen Massnahmen des Nazireichs zu bewahren. Es gibt viele Europäer, die keine gläserne Bürger werden wollen. Sie zahlen ihre Steuern, sie wollen aber nicht, dass sich der Staat in ihre privaten Finanzangelegenheiten einmischt und weiss, wofür sie sonst noch Geld ausgeben. Das geht den Staat nichts an.

Wieso haben sich die Bankiervereinigung und der Bundesrat bezüglich Bankgeheimnis und Steueroase derart in die Defensive drängen lassen?

Syz: Beide Systeme sind im Grunde genommen Milizsysteme, deren Nachteil ist, dass sie auf Krisensituationen schlecht vorbereitet sind und träge reagieren.

Haben die Banker falsch reagiert?

Syz: Sicher auch. Die bilaterale Beziehung Staat-Bank war in den letzten Jahren nicht optimal. Die Banken haben der Politik zu wenig erklärt, was sie machen, warum sie für den Staat wichtig sind und umgekehrt. Und was das Bankgeheimnis letztlich wirklich bedeutet. Es war bis anhin nicht nötig, also hat man es nicht gemacht.

Das ändert sich nun?

Syz: Ja, ich bin selber mit den Behörden in Genf und Bern in regelmässigem Kontakt. Wenn man den Dialog nicht sucht, dann kann man auch nicht davon ausgehen, dass die Politiker im Krisenfall richtig reagieren.

Sind Sie zuversichtlich für die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz?

Syz: Das bin ich. Es braucht wohl dieses Aufbrechen von alten Strukturen und Prozessen. Die Bevölkerung hat mittlerweile die Bedeutung der Banken für unser Land erkannt. Ich bin überzeugt, dass der Finanzplatz Schweiz in drei, vier Jahren besser dastehen wird als heute.

Warum?

Syz: Weil er noch kompetitiver sein wird, indem wir die Stempelsteuer abschaffen werden und ein noch besseres Umfeld für die Finanzbranche schaffen. Der politische Wille ist da.

Wirklich?

Syz: In Genf auf jeden Fall, in Bern auch. Ziel ist, dass der Finanzplatz sich nach New York und London längerfristig auf Platz drei etabliert.

Ist das realistisch?

Syz: Absolut, auch wenn, wie der Präsident der Bankiervereinigung Pierre Mirabaud treffend feststellt, ein Wirtschaftskrieg zwischen den Finanzplätzen stattfindet. Die Angelsachsen möchten sich gerne ein grosses Stück von unserer Vermögensverwaltung abschneiden. Doch Wettbewerb kann uns nur gut tun, er rüttelt uns wach und macht uns fit.