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Derivate: Im Diamantenfieber

Marilyn Monroe and Jane Russell: Mit dem Lied «Diamonds are a Girl’s Best Friend» machten sie Harry Winston bekannt.

Anleger reissen sich um die Aktien von Luxusgüter-Herstellern. Grund für den Optimismus sind Schanghai und Hongkong.

Von Christian Ingerl
am 16.01.2013

Solche Käufe wagt man nur mit ­prallem Portemonnaie. Für rund 1 Milliarde Dollar übernimmt der Schweizer Uhrenmacher Swatch das amerikanische Diamantenschmuckhaus Harry Winston. Die Schweizer erstehen damit nicht nur eine bekannte Marke, sondern auch 250 Millionen Dollar an Schulden und ein Geschäft, das wesentlich weniger rentabel ist als das eigene, wie einzelne Beobachter warnen. Doch bei solch gros­sen Würfen geht Kritik schnell unter – ­zumal in den letzten Monaten nichts und niemand den Siegeszug von Swatch aufhalten konnte.

Das gilt auch für die Aktie. Nach knapp 30 Prozent Performance 2012 erwischte sie einen guten Start ins neue Jahr, genauso wie die Werte von Konkurrentin Richemont. Geht es nach den Experten der Credit Suisse, setzt sich der Aufschwung fort. Die Analysten halten Luxusgüter-­Aktien 2013 für eine «attraktive Anlage».

Asiatischer Konsum im Blick

Der Hauptgrund für den Optimismus der Investoren liegt allerdings nicht bei Harry Winston in Amerika, sondern in den Kaufmeilen von Schanghai und Hongkong. In China zeigten sich zuletzt die Konjunkturindikatoren wieder von ihrer positiven Seite. So stiegen beispielsweise die Importe im Dezember deutlich stärker als erwartet. Die aufkeimende Zuversicht kommt den Nobel-Herstellern zugute, denn teure Accessoires gelten als Prestigeobjekte in der aufstrebenden Mittelschicht. Nach Schätzungen der Beratungsgesellschaft Bain & Company wird der Luxusgütermarkt von 2013 bis 2015 um jährlich 4 bis 6 Prozent zulegen. China soll dabei der grösste Wachstumstreiber bleiben.

Ins gleiche Horn stossen die Experten von Credit Suisse, welche zwischen den verschiedenen Anbietern ebenfalls unterscheiden. Während sie etwa ihr Urteil für den Marktführer LVMH auf «Neutral» gesenkt haben, sehen sie Richemont für das chinesische Geschäft gut gerüstet. Auch für den heimischen Wettbewerber Swatch schwärmt die Analystenzunft. Reihenweise erhöhte sie in den vergangenen Wochen die Kursziele. Die kürzlich präsentierten Geschäftszahlen stützen die positiven ­Ratings. Im vergangenen Jahr steigerte Swatch seinen Umsatz um 14 Prozent und lag damit über den Erwartungen. In Asien, aber auch in Russland, Europa und den USA laufen die Geschäfte gut − und sollen nun mit Harry Winston noch an Fahrt gewinnen.

Ebenso positive Signale sendet die französische Hermès aus. Der Luxus-Konzern sieht ebenfalls kein Ende des schnellen Wachstums in Asien. «Das wird mindestens die nächsten 50 Jahre so bleiben», sagte Chef Patrick Thomas kürzlich in ­einem Interview. 2012 legten die Erlöse um nahezu einen Fünftel zu. Auch in den kommenden fünf Jahren soll das Wachstum jeweils über 10 Prozent liegen.

Anleger können sich mittels strukturierter Produkte je nach Risikoneigung Luxus ins Depot holen. Mit entsprechenden Index-Trackern ist ein diversifiziertes Engagement möglich. Mit zwölf Basket-Mitgliedern hat EFG FP vor eineinhalb Jahren ­einen ausreichend breiten Aktienkorb mit Luxus-Valoren geschnürt (siehe Tabelle). «Das Zertifikat ist auf den asiatischen Konsumenten ausgerichtet», erklärt Manuel Dürr, Derivate-Experte von EFG FP. Der Track Rekord des Produkts kann sich sehen lassen. Auf Jahressicht legte der ­Tracker um mehr als ein Viertel zu. Erfolgreich präsentierte sich in den vergan­genen zwölf Monaten auch das Tracker-Zertifikat Luxury Index der Royal Bank of Scotland. Mit 15 Titeln ist das Barometer sogar noch etwas breiter aufgestellt, allerdings sind mit BMW, Daimler und Porsche gleich drei Autokonzerne im Index vertreten. Das ist ein Schwachpunkt, denn diese Branche ist relativ kon­junkturanfällig und könnte aufgrund ihres Indexgewichts von rund 20 Prozent im Worst Case auf die Performance drücken. Wie EFG hat RBS die heimischen Vertreter Swatch und Richemont bei der Zusammensetzung der Produkte berücksichtigt. Während die Index-Papiere steigende Kurse benötigen, um so eine positive Rendite zu ­erzielen, kommen Barrier Reverse ­Convertibles ohne jegliche Avancen der Basiswerte aus.

Mit einem Risikopuffer von 22 Prozent und einer Ertragschance von 6,65 Prozent pro Jahr können Anleger mit einem Convertible der Bank Vontobel auf Swatch eine konservative Anlageform wählen. Deutlich mehr Teilschutz bietet der neue Multi Convertible auf Richemont, LVMH und Hermès. Das Produkt verfügt über eine Barriere bei 69 Prozent der Startwerte. Zu beachten gilt, dass Anleger aufgrund der Multi-Struktur dem dreifachen Aktien­risiko ausgesetzt sind.

Spekulation auf Genfer Schau

Das positive Momentum des Sektors lässt sich auch noch beschleunigen. Die Gipfeljagd der Richemont-Aktie können mutige Anleger mit einem Faktor-Zertifikat der Commerzbank hebeln. Der Multiplikator von drei bleibt dabei konstant. Eine kurzfristige Spekulation könnte auch im Hinblick auf die internationale Uhrenmesse SIHH in Genf (21. Januar) Sinn ­machen. Dort treffen sich die namhaf­testen Hersteller der Welt, was wiederum ­Investoren anlocken könnte.

 

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