Als vergangene Woche auf einer Derivate-Seminarreihe die Frage ans Publikum gestellt wurde, ob jemand Put-Optionen gekauft habe, gingen nur einige wenige Hände nach oben. Weniger als 10% der Kleinanleger hatte Put-Optionen gekauft. Etwa die Hälfte wettete mit Puts auf noch tiefere Kurse, die wenigen weiteren Anleger sicherten – mit Index-Puts – ihre Depots vor Kursverlusten ab.

Boden noch nicht gefunden

Charttechniker und fundamental orientierte Analysten gehen davon aus, dass die Aktienmärkte trotz der hin und wieder auftretenden abrupten Gegenbewegungen ihren Boden noch nicht erreicht haben und dass mittelfristig, das heisst für die kommenden Monate, noch 20% tiefere Kurse möglich sind, bevor in der zweiten Jahreshälfte ein Aufschwung einsetzen könnte. Denn die US-Präsidentschaftswahljahre gelten als «gute» Börsenjahre.

Aus dieser Perspektive macht der Kauf von Index-Puts, beispielsweise EuroStoxx-50-Puts für diversifizierte, europaweit strukturierte Depots oder SMI-Puts für ein schweizlastiges Wertschriftenportefeuille, Sinn. Experten weisen indes auf einige weitere Faktoren hin, die beachtet werden müssen. So sind die «Plain-Vanilla»-Varianten derzeit den Knock-Out-Versionen vorzuziehen. Bei hohen Intraday-Tagesschwankungen können Anleger mit den Knock-Out-Varianten richtig liegen und dennoch verlieren, weil heute schon alleine Marktgerüchte um Bankenschieflagen oder Abschreibungslöcher rasch zu 5%-Schwankungen führen können.

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Für die Wertbestimmung von Optionen ist zudem die implizite Volatilität sehr wichtig. Diese implizite Volatilität drückt die erwartete Schwankungsbreite des Basiswertes aus, sie fliesst in den Optionspreis-Berechnungsprozess ein. Je höher die implizite Volatilität (die erwartete und die gemessene Volatilität steigen tendenziell stärker, wenn die Kurse fallen), desto «teurer» die Call- oder Put-Option. Wenn Aktienmärkte fallen, verteuern sich die Put-Optionen gleich durch zwei Effekte: Die fallenden Kurse der Basiswerte sowie die steigende implizite Volatilität. Bei Calls ist der Wertverfall im Vergleich zum Basiswert überproportional, er wird aber, bei einem Kurssturz, tendenziell durch die steigende implizite Volatilität gebremst. Der VSMI, der die implizite Volatilität der SMI-Werte erfasst, lag letzte Woche mit 35% auf einem neuen Mehrjahreshöchst.

Auf ganz kurze Sicht, einige Stunden bis wenige Tage, entfalten diese Volatilitätsveränderungen keine allzu grosse Wirkung. Kurzfristige Spekulation auf eine Fortsetzung der Baisse ist deshalb immer noch möglich. Bei mittel- oder längerfristigen Absicherungskäufen lohnt es sich, mit dem Kauf von Puts etwas zu warten, bis sich die Märkte wieder beruhigt haben und die implizite Volatilität gesunken ist. SMI-Puts mit ausreichender mehrmonatiger Restlaufzeit, aktuellem Ausübungsniveau und Liquidität sind beispielsweise SMUPB, SMIQD oder SMIXG.

Mit Calls noch etwas warten

Prinzipiell das Gleiche gilt für Calls. Wer auf rasche Gegenbewegungen setzt und den Schein nur wenige Stunden halten will, braucht sich um den Volatilitätsaspekt nicht zu kümmern. Wer aber davon ausgeht, dass die Börsen jetzt übertrieben haben und eine Korrektur nach oben bevorsteht, sollte ebenfalls noch einige Tage warten. Dann entfaltet sich die volle Hebelwirkung eines Calls – ohne die Bremswirkung aufgrund fallender impliziter Volatilität. Aktuell erwägenswerte SMI-Calls sind unter anderem SMIHF, SMUSH und SMIHR.