Wenn Berkshire Hathaway Anfang November die Quartalszahlen veröffentlicht, werden Tausende Anleger aus aller Welt ganz genau hinschauen. Denn hinter dem Mischkonzern steht Investment-Guru Warren Buffett, das legendäre «Orakel von Omaha». Die Anlagekriterien des 81-jährigen Amerikaners gelten als mustergültig: Nur in Geschäftsmodelle investieren, die man auch versteht. Die komplizierten Derivate verglich Buffett auch schon mal mit Atombomben.

Das nehmen ihm die Emittenten solcher Papiere offenbar nicht krumm. Im Gegenteil: Es existieren verschiedene Derivate, die der Performance von Berkshire Hathaway folgen. Denn es hat sich in den letzten zehn Jahren gelohnt, auf die Aktie zu setzen. Auch unter Berücksichtigung der Turbulenzen während der Finanzkrise hat deren Kurs um 70 Prozent zugelegt. In den letzten zwölf Monaten fielen die Titel allerdings 7 Prozent ins Minus.

Ohne Marc Faber

Doch Buffett ist nicht der einzige Börsenstar, welche der Derivatebranche aufgefallen ist. Für Privatanleger gibt es auch Papiere auf den Namen von Rohstoff-Guru Jim Rogers oder auf die Trading-Profis Victor Sperandeos und Joel Greenblatt zu kaufen. Noch nicht von strukturierten Produkten geadelt wurde dagegen der Anleger mit Schweizer Wurzeln, Marc Faber. Der Crash-Prophet und Autor des viel beachteten «Doom, Boom and Gloom»-Reports brilliert allerdings mehr mit seinen Ratschlägen als mit den eigenen Investments. Die wenigen Hinweise zur Performance seiner Fonds weisen ein gemischtes Bild aus. Lediglich seine Affinität für Gold rettet die Performance – aber das Edelmetall schwächelt seit letztem September.

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Auch so ist die Bilanz für die Anleger in «Guru»-Zertifikate gemischt. Beispiel Warren Buffett: Der auf die Berkshire-Aktie lautende Tracker BERKU gab wie die Aktie innert Jahresfrist um 7 Prozent nach (siehe Tabelle). Käufer des in Franken lautenden Trackers BERKC verloren fast doppelt so viel. Auch bei den Zertifikaten auf die RICI-Indizes von Jim Rogers war die Auswahl entscheidend. Die unzähligen Tracker auf einzelne Rohstoffe bewegen sich parallel zu ihren Basiswerten, abzüglich einiger Prozente pro Jahr aufgrund der Rollkosten − Rohstoffanlagen basieren auf Futures, die regelmässig verfallen und durch neue ersetzt werden müssen. Der breite RICI-Gesamtindex kam in den letzten zwölf Monaten auf ein Plus von knapp 5 Prozent. Wer allerdings den Agrargüter-Subindex kaufte, verlor 5 Prozent des eingesetzten Vermögens, bei Industriemetallen sahen die Anleger einen Rückgang in ähnlichem Ausmass.

Ebenfalls nur knapp den Vergleichsindex geschlagen hat Joel Greenblatt. Sein US-Value-Index kam auf ein Plus von 6 Prozent, das die Anleger beim entsprechenden Index-Tracker auch wiederfanden. Die wichtigsten Anlagen hier sind der IT-Dienstleister Accenture, der Rüstungskonzern Raytheon, der Pharmakonzern McKesson sowie die beiden Tabakkonzerne Reynolds und Lorillard.

Schlechtes Timing

Deutlich schlechter war dagegen «Trader Vic». Victor Speranderos gibt wenig Hinweise über die Details seiner Anlagestrategien – laut seiner Webseite sind es aber Rohstoff- und globale Makro-Strategien, die er über Futures und Aktien spielt. Anleger kaufen hier allerdings eine Art «black box», die nicht nur hinter dem Index, sondern auch hinter anderen Gurus deutlich zurückliegt. Vic kann sich immerhin mit einem Umstand trösten – keiner der Gurus hatte Ausmass und Zeitpunkt des Einbruchs vom August vorausgesehen und seine Anlagen entsprechend umgeschichtet.

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