Wenn die teure Jeans nach wenigen Waschgängen weisse Stellen aufweist, dann liegt dies häufig an der schlechten Qualität des Garns. Mit den Mess- und Qualitätssicherungssystemen von Uster Technologies können die Hersteller von Textilien solchen Mängeln begegnen. Sie werden entlang der Wertschöpfungskette eingesetzt, beginnend bei der Klassifizierung der Baumwolle über Garntests bis hin zu Qualitätssicherung in der Fabrik.

Wie ist die Stimmung bei Ihren Kunden?

Geoffrey Scott: Wir erhalten sehr positive Signale, die Nachfrage hat deutlich zugenommen. In der Textilbranche wurden die Überkapazitäten und die Lager abgebaut. Nun laufen die Spinnereien wieder. Die Nachfrage nach Garn steigt. Entsprechend hoch sind die Preise. Auch die Preise für Baumwolle sind gestiegen, sodass nun wieder investiert wird. Insgesamt ist die Stimmung heute viel besser, die Leute schauen wieder vorwärts.

Wie zeigt sich dies im Umsatz von Uster?

Scott: Der Umsatz ist nicht mehr so schwach wie 2009. Um eine Prognose für das Gesamtjahr abgeben zu können, müssen wir die Entwicklung im 1. Halbjahr abwarten. Die Situation hat sich gegenüber dem Vorjahr aber deutlich verbessert.

Der Einbruch im letzten Jahr war auch aussergewöhnlich stark.

Scott: Unser Umsatzrückgang fiel weniger hoch aus als bei den Textilmaschinenbauern. Nehmen Sie Rieter: Dort gab es einen Einbruch um mehr als 50%. Unser Umsatz ging um einen Drittel zurück. Das ist zwar auch markant, doch alles in allem sind wir gut durch die Krise gekommen.

Wie wirken sich auslaufende Konjunkturförderprogramme auf Ihr Geschäft aus?

Scott: Wenn ein Programm ausläuft, beginnt häufig gleich wieder ein neues. Dies gilt vor allem in China. Dadurch sollen mögliche Probleme überbrückt werden, ohne dass der Export einbricht. Ähnlich ist die Situation in Indien. Es gibt immer wieder neue Stimulationsprogramme.

Und wenn sie doch gestoppt werden?

Scott: Derzeit gibt es zumindest keine Anzeichen, dass ich dies noch erleben werde. In Asien trägt die Textilindustrie sehr viel zur volkswirtschaftlichen Entwicklung bei. Daher ist es im Sinne der Regierungen, dass es der Textilindustrie gut geht.

Wie sieht die regionale Entwicklung aus?

Scott: Der Textilmarkt hat sich geografisch nach Asien verschoben, nach China, Indien, Bangladesch, Pakistan oder Südostasien. Letztes Jahr war auch diese Region unter Druck, es fehlten Investitionen in Indien, die politische Lage in Pakistan war instabil. Kaum rückläufig war das Geschäft in China, wo die Mittel weiterhin geflossen sind. China ist deshalb gestärkt aus dem Krisenjahr hervorgekommen. Inzwischen zeigt sich eine Erholung in Indien und Pakistan. Insgesamt hat die Textilbranche in der gesamten asiatischen Region zugelegt.

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Welche Bedeutung haben die übrigen Regionen?

Scott: In Europa gibt es noch einzelne Nischenplayer. Nur so können diese hier überleben. In Südamerika ist der Markt robust. Schliesslich entwickelt sich unser Geschäft in Teilen Afrikas positiv, was auf neue Baumwoll-Klassifizierungs-Systeme zurückzuführen ist. Sie braucht es, wenn die afrikanischen Baumwollproduzenten marktgerechte Preise erzielen wollen. In Nordamerika ist die Textilindustrie nicht mehr, was sie noch vor zehn Jahren war. Es sind noch wenige Firmen übrig, die auf Nischen fokussiert sind.

Was bedeutet diese regionale Entwicklung für Uster?

Scott: Für uns ist der Mix interessant: Einerseits haben wir die reinen Textilaktivitäten, in denen unser Geschäft an jenes der Textilmaschinenbauer gekoppelt ist. Zudem haben wir noch die Baumwoll-klassifizierung, die insbesondere durch staatliche Institutionen gestützt wird.

Wie zeigt sich dies in Ihren Segmenten?

Scott: Das Klassifizierungsgeschäft läuft weiterhin stark. Wir decken die grössten Baumwollproduzenten der Welt ab. Zudem gibt es laufend neue Projekte, wie jenes in Afrika. Was die Testsysteme für die Textilindustrie betrifft, so wurden wir letztes Jahr von der Krise getroffen. Wir sehen nun aber eine Erholung, insbesondere in jenen Ländern, die mit China konkurrieren wollen. Denn dazu braucht man eine gute Qualität.

Wie haben sich die Preise entwickelt?

Scott: Alles in allem konnten wir die Preise halten. Wir haben der Versuchung widerstanden, mit Preisdumping neue Aufträge zu generieren. Wir konnten zuwarten.

Sie haben letztes Jahr die Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten (F&E) erhöht.

Scott: Wir investieren durchschnittlich 10% unseres Ertrags in F&E. Letztes Jahr haben wir diesen Anteil, angesichts der Ungewissheiten, reduziert. Als sich gegen Ende 2009 eine Erholung abzeichnete, sind wir zu den alten Werten zurückgekehrt. Produkte, die letztes Jahr auf den Markt hätten kommen sollen, werden nun 2010 lanciert. Zweifelsohne werden wir von den neuen Entwicklungen profitieren.

Wie ist das 1. Quartal 2010 ausgefallen?

Scott: Es ist gut gelaufen. Wir sehen eine viel höhere Aktivität unserer Kunden in den Märkten. Bis Ende Jahr erwarten wir eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.

Können Sie dies etwas präzisieren?

Scott: Mittelfristig sollten wir jenes Level erreichen, welches wir vor der Krise hatten. Die 1.-Halbjahres-Zahlen werden mehr Aufschluss geben, wie schnell es gehen wird. Gleichzeitig soll aber auch der Ertrag steigen. Die Ebita-Marge, die immer bei mehr als 20% lag, dürfte dadurch auf rund 25% zu liegen kommen. Vielleicht kommt es sogar noch besser. Allerdings werden wir auch Investitionen tätigen, wenn wir sehen, dass sich die Lage weiter verbessert.

Stellen Sie bereits wieder Leute ein?

Scott: Wir haben in Uster einzelne Leute eingestellt. Ansonsten ist es uns gelungen, die steigende Nachfrage ohne zusätzliches Personal zu meistern.

Wie sieht es mit den Auftragsbüchern aus?

Scott: Genaue Angaben dazu kann ich nicht machen, denn wir rapportieren nur halbjährlich.

Uster hat 2009 die Produkte von Zweigle gekauft. Planen Sie weitere Akquisitionen?

Scott: Wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt, dann ist dies denkbar. Der Zukauf der Zweigle-Produkte hat die Leute überrascht. Doch der Deal machte Sinn und hat ausgezeichnet zu uns gepasst.

Verfügen Sie über die finanzielle Flexibilität, um weitere Käufe zu tätigen?

Scott: Ja, unter anderem dank der Beteiligung von Toyota im letzten Jahr. Sie hat unsere Bilanz gestärkt.

Welche Ziele verfolgt Toyota Industries mit der Beteiligung an Uster?

Scott: Grundlage für die Gespräche und anschliessend die Beteiligung waren Kooperationen zwischen den Firmen und in den Märkten. Wir sind in der Anfangsphase und identifizieren Bereiche, wo wir unsere Technologien bündeln können. Die Textilmaschinen von Toyota erhalten einen Mehrwert, während wir mehr Umsatz generieren. Zudem ergibt sich für uns ein Zugang in einen für uns neuen Markt, jenen der Webereien.

Ist auch ein Merger denkbar?

Scott: Die Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen fokussiert auf technische Kooperationsmöglichkeiten. Wenn wir damit positive Resultate erzielen, wird die Ausdehnung der Zusammenarbeit auf weitere Aktivitäten gewiss zum Thema.

Welche Ziele strebt Uster längerfristig an?

Scott: Wir wollen die Nummer eins bleiben. Möglich sind weitere Zukäufe, die uns neue Geschäfte eröffnen. Dabei fokussieren wir uns auf die Wertschöpfungskette von der Baumwolle bis hin zum Retailer.

Und was den Umsatz betrifft?

Scott: Dazu werde ich keine Guidance abgeben.