So mancher Beobachter war von der Länge des Statements beeindruckt: Über eine Stunde lang informierte Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank Fed, über die eher trüben Aussichten der US-Wirtschaft. Seine Botschaft ist jedoch in wenigen Worten auf den Punkt gebracht: «Die Aussichten sind aussergewöhnlich unsicher», so Ben Bernanke zur wirtschaftlichen Entwicklung der USA. Wie konkret die Unsicherheit ist, verdeutlichten die vor wenigen Tagen präsentierten US-Arbeitsmarktdaten des Monats Juli. Allein in einem Monat gingen in den USA über 130 000 Arbeitsplätze verloren, deutlich mehr Stellen, als ohnehin angenommen wurde.

Die enttäuschenden Zahlen versetzten den Aktienmärkten einen Dämpfer und liessen Investoren in Staatsanleihen flüchten. Zwar ist der Rückgang vor allem auf temporäre Arbeitsstellen zurückzuführen, doch zeigt sich, dass sich US-Unternehmen derzeit davor hüten, neue Stellen zu schaffen - trotz solider Quartalsausweise. Die Arbeitslosigkeit in den USA beläuft sich auf beinahe 10%. Auch auf dem Immobilienmarkt zeichnet sich noch immer keine Entspannung ab. Zudem trübt sich die Konsumentenstimmung ein, und in der Folge gehen die Detailhandelsumsätze spürbar zurück. Bereits zu Beginn des Jahres warnten Experten davor, dass sich nach einem starken Wachstum im 1. Halbjahr die Wirtschaftsentwicklung im Herbst deutlich verlangsamen könnte.

Europa mit mehr Schwung

Der Euro-Dollar-Kurs verdeutlicht, wie sich die Aussichten für Europa und die USA in den letzten Wochen verändert haben. Im Juni sackte der Euro auf den Jahrestiefststand von weniger als 1.20 Dollar, seither hat sich die Gemeinschaftswährung auf 1.34 Dollar erholt. Dabei schien es vor wenigen Wochen noch so, als ob Europa an der Schuldenkrise zerbrechen würde. Nun scheint der Euro-Rettungsschirm zu wirken und Deutschlands Exportindustrie läuft in den Sommermonaten zur Hochform auf. Die US-Konjunktur wird sich in den kommenden Wochen weiter verschlechtern und auch die Staatseinnahmen absinken lassen. Das dürfte auch negative Auswirkungen auf den US-Haushalt haben. «Das Budgetdefizit der USA 2011 könnte höher ausfallen, als bislang erwartet wird», so Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin. Schätzungen zufolge wird sich das Defizit in diesem Jahr auf 1,47 Billionen Dollar belaufen, also auf 10% des Bruttoinlandprodukts (BIP). Auch im nächsten Jahr soll der Fehlbetrag noch bei 1,41 Billionen Dollar liegen - 150 Mrd Dollar mehr als erwartet. Erst in fünf Jahren soll das Defizit wieder weniger als 1 Mrd Dollar betragen und dann noch 4% des BIP ausmachen.

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Auch wenn der derzeitige Abschwung schmerzhaft ist, gehen die Experten davon aus, dass er sich im Rahmen halten sollte: «Für uns ist eine zweite Rezession in den USA nicht sehr realistisch», so Bee. Denn die expansive Geldpolitik habe auf die Wirtschaft noch immer eine stimulierende Wirkung. «Einzelne Konjunkturprogramme wurden erst spät umgesetzt, deren Wirkung hält weiter an», sagt Bee. Doch auch wenn der Staat die Nachfrage noch stützt, erst im 2. Semester 2011 wird die Wirtschaft in den USA wieder deutlich anziehen. Die schwache Wirtschaftsentwicklung wird auch dazu führen, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen längerfristig niedrig halten wird. Auch könnten die Massnahmen der «quantitativen Lockerung» länger als erwartet fortgeführt werden.

Institutionelle kaufen Bonds

Das macht trotz der schwierigen Aussichten für viele Investoren US-Staatsanleihen weiterhin attraktiv (siehe Grafik). Laut den Bond-Experten von Bridport würden gerade institutionelle Investoren aus den USA ihre Liquidität wieder vermehrt in US-Staatsanleihen parkieren.

Nach aktuellen Zahlen halten US-Investoren wieder 50,2% der gehandelten US-Staatsanleihen. Denn trotz der Schuldenlast der öffentlichen Hand gelten sie weiterhin als vergleichsweise sichere Anlage und sind relativ attraktiv verzinst.