Wild ins Kraut schiessen derzeit die Spekulationen um die Zukunft der Dresdner Bank, die die Allianz 2001 für 24 Mrd Euro übernommen hat. Doch wohin Dickmann, Vorsitzender des Vorstandes, den Versicherungskonzern manövrieren will, sagt er nicht, obwohl der Druck immer stärker wächst, angesichts der Milliardenbelastungen in der Investmentbanksparte des Frankfurter Instituts endlich eine Lösung herbeizuführen.

Postbank und Allianz

Neueste Variante in der Diskussion um die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft: Der Versicherungskonzern übernimmt die Postbank und damit ein Institut, das von seiner Kundenstruktur wesentlich besser zu den Allianz-Versicherungsprodukten passt als die Dresdner Bank. Im Gegenzug könnte die Deutsche Bank sich mit dem Privatkundengeschäft der Dresdner Bank stärken, heisst es in Finanzkreisen. Die gehobenere Privatkundenklientel der Dresdner wäre besser unter dem Dach der Deutschen Bank untergebracht, lautet die Begründung.

Nachteil dieses Modells: Da hier bereits drei Bankinstitute im Spiel sind, ist es sehr komplex und damit schwer zu realisieren. Dies trifft im Übrigen auch auf eine mögliche Zusammenführung von Dresdner, Commerzbank und Postbank unter dem Dach der Allianz zu. Über ein solches Modell hatte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» letzte Woche unter der Schlagzeile «Sandkastenspiele» spekuliert. Durch einen solchen Zusammenschluss würde ein Institut mit 26 Mio Kunden und damit eine weitere Grossbank neben der Deutschen Bank entstehen.

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HVB-Analyst Andreas Weese hält beide Szenarien für unwahrscheinlich: Zu komplex, zu viele Player. Für ihn steht lediglich fest: «Der Entscheidungsprozess ist in vollem Gang, und die Postbank steht im Mittelpunkt der Überlegungen.» Laut Weese ist nur eine deutsche Lösung wirklich sinnvoll, denn nur sie bringe auch die erforderliche Konsolidierung unter den inländischen Instituten in Gang.

Postbank und Deutsche Bank

Weeses persönliche Favoritenlösung: «Die Postbank wäre für die Allianz strategisch sicher ein sinnvoller Kauf. Der Charme aus Sicht der Postbank bestünde darin, dass sie dabei im Führerhaus für das Bankgeschäft sitzen könnte.» Der Haken aus Sicht der Allianz: Die Postbank ist beim Vertrieb von Versicherungen langfristig an Talanx und HUK-Coburg gebunden und müsste erst teuer aus diesen Verträgen herausgekauft werden.

Der Münchner Versicherungskonzern müsste sich zuvor allerdings grundsätzlich überlegen, ob er tatsächlich im Bankgeschäft bleiben und dieses sogar ausbauen will. Weese hält genauso auch eine Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank für strategisch sinnvoll. «Allerdings könnte es gegen eine solche Konzentration politischen Widerstand geben, nachdem man in Berlin die Bildung eines zweiten starken Bankkonzerns in Deutschland zu favorisieren scheint», sagt der HVB-Analyst.

Politischen Widerstand dürfte es auch bei einem Übernahmeversuch durch einen internationalen Investor geben. Die Übernahme der kompletten Dresdner Bank durch den chinesischen Staatsfonds China Investment Corporation (CIC), über den die «Süddeutsche Zeitung» spekuliert hatte, galt deshalb von vornherein als relativ unwahrscheinlich. Abgesehen davon, dass die Chinesen umgehend dementierten. Allerdings soll die Allianz im Herbst 2007 Verkaufsverhandlungen für die Investmentsparte der Dresdner mit dem auf Finanztitel spezialisierten US-Fonds IC Flowers geführt haben, der auch schon mit CIC in Verbindung gebracht worden ist.

Dass die Postbank gerade für die Allianz ein interessantes Zielobjekt ist, darin sind sich viele Experten einig. Über den Weg dorthin gibt es aber unterschiedliche Auffassungen.

«Warum gleich die ganze Kuh nehmen, wenn ich auch ein Glas Milch kaufen kann», wirft Konrad Becker von Merck Finck ein. Eine Erweiterung des Vertriebsnetzes könne die Allianz auch über Kooperationen realisieren.

Rolle der Politik nicht vergessen

Im Übrigen rät Becker dazu, den Einfluss der Politik nicht zu überschätzen. «Ein politischer Wille lässt sich nicht am Markt vorbei durchsetzen. Jede Akquisition, egal, aus welcher Motivation sie eingegangen wird, muss im Markt Bestand haben!»