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Devisen: Der Kiwi steht vor dem Zerfall

Neuseeländischer Dollar: Der Kiwi wird sich abschwächen. Bloomberg

Die Währungen der rohstoffreichen Länder entwickeln sich schwach. Den als Kiwi bekannten Neuseeland-Dollar trifft es am schlimmsten: Er wird laut Analysten gegenüber dem US-Dollar deutlich verlieren.

Veröffentlicht am 22.07.2015

Janet Yellen verdirbt den Volkswirtschaften der rohstoffproduzierenden Länder die Party, die ihre starken Währungen ihnen in den vergangenen sechs Jahren ermöglichten. Den schlimmsten Kater hat der neuseeländische Dollar bekommen.

Die Entschlossenheit der Fed-Vorsitzenden, noch in diesem Jahr die Zinsen anzuheben, hat dafür gesorgt, dass die Währungen von Neuseeland, Australien, Kanada und Norwegen in den vergangenen drei Monaten an den Devisenmärkten schlechter abgeschnitten haben als die Währungen anderer entwickelter Länder. Der als Kiwi bekannte Neuseeland-Dollar hat im genannten Zeitraum 14 Prozent seines Wertes eingebüsst – das ist mehr als die anderen drei zusammen verloren haben.

Kiwi im Tief

Die Währungen von Ländern, die Rohstoffe exportieren, stehen unter Druck, nachdem die Preise ihrer Güter gegenüber dem im Jahr 2011 erreichten Höchststand um 45 Prozent abgesackt sind. Um das Wachstum wieder in Gang zu bringen, haben die Notenbanken dieser Länder die Zinsen gesenkt. Weitere  Zinsschnitte stehen bevor, wie marktimplizierte Leitzinssätze zeigen. Bereits am Donnerstag dürfte die Notenbank von Neuseeland den Leitzins zum zweiten Mal in Folge senken, wie diverse Volkswirte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg sagen.

«Wir sehen den Rohstoff-Devisenkomplex eigentlich durchgehend negativ, aber im Hinblick auf den Neuseeland-Dollar sind wir besonders negativ», sagte Ray Attrill, leitender Devisenstratege bei der National Australia Bank (NAB). «Er ist die Nummer 1 auf der Liste unserer Ziele. Ich glaube nicht, dass irgendeine andere Devise auch nur in die Nähe kommt.» Attrill ist laut Bloomberg-Rankings der treffsicherste Prognostiker für den Kiwi.

Zinsschnitt steht kurz bevor

NAB erwartet für den Rest des Jahres drei weitere Zinssenkungen der neuseeländischen Notenbank, von derzeit 3,25 Prozent auf 2,5 Prozent. Den Wechselkurs sieht die Bank im März 2016 bei 60 US-Cent, rund 10 Prozent niedriger als jetzt. Alle 19 von Bloomberg befragten Analysten rechnen für diese Woche mit einer Senkung des Leitzinses. 18 davon erwarten, dass der Zinssatz auf 3,0 Prozent fällt.

«Die neuseeländische Notenbank hat den grössten Spielraum, die Geldpolitik zu lockern; daraus folgt, dass der Kiwi am meisten zu verlieren hat, wenn sich die Erwartungen an das Zinsniveau anpassen», sagt auch Sue Trinh, leitende Währungsstrategin bei der Royal Bank of Canada in Hongkong. «Wir können einen Test des 60-Cent-Niveaus auf der Basis verengter Unterschiede beim Zinsniveau nicht ausschliessen.»

(bloomberg/ise)

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