Drei Billionen Dollar werden am Währungsmarkt täglich gehandelt, und allmählich kristallisiert sich ein neues Schwergewicht heraus: China. Wenn man bedenkt, dass Chinas Währung eigentlich fest an den Dollar gebunden ist und nicht am Devisenmarkt gehandelt wird, ist das besonders erstaunlich.

Eine nicht unbedeutende Rolle spielt dabei das Gerücht, dass die Dollar-Bindung des Yuan bald aufgehoben werden könnte. «Der US-Dollar war in Sachen Devisen der Mittelpunkt der Welt», sagt David Bloom, Währungsstratege der HSBC in London. «Doch jetzt bekommt China immer mehr Einfluss.»

Steigende Kurse erwartet

Spekulanten erwarten zudem, dass die Kurse anderer asiatischer Währungen, besonders jener, die freier gehandelt werden, zusammen mit dem Yuan steigen könnten. Die jeweiligen Notenbanken hätten dann den nötigen Spielraum und müssten nicht um ihre Wettbewerbsfähigkeit fürchten.

Der malaysische Ringgit beispielsweise ist in diesem Jahr bisher um 7,5% gegenüber dem Dollar gestiegen, der koreanische Won und die indische Rupie haben je um rund 5% zugelegt. «Momentan sind Dollar und Yuan in Asien gleich wichtig», sagt Hai Xin, Chef der Abteilung der BNP Paribas Group, die Grossinvestoren gegen Währungsrisiken absichert.

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Nichtsdestotrotz ist der Dollar immer noch der Rudelführer in Sachen Währungen. Schliesslich ist es der Greenback, der auf allen Devisenmärkten mit Abstand am meisten gehandelt wird. Einige Devisenprofis glauben zudem, die Bedeutung des Yuan werde überschätzt. «China hatte nie einen wirklich freien Wechselkurs und keine Erfahrung mit dem Währungsmarkt», warnt etwa Fraser Howie von CLSA Asia-Pacific, ein langjähriger Kritiker von Chinas Finanzsystem. Dennoch zeigt sich Chinas Einfluss, wenn auch indirekt. Derivate, mit deren Hilfe Anleger auf die Entwicklung des Yuan-Kurses setzen, sind inzwischen recht beliebt und beeinflussen allmählich auch andere Währungen.

Dollar-Block reagiert sensibel

Die Deutsche-Bank-Währungsstrategin Mirza Baig hat beobachtet, dass der Singapur-Dollar bei volatilem Handel parallel zum Yuan läuft und Ringgit, Won und Taiwan-Dollar ebenfalls auf den Yuan reagieren. Auch der sogenannte Dollarblock - Australien, Kanada und Neuseeland, deren Währungen lange Zeit als fest an den US-Dollar gebunden galten - reagiert derzeit sensibler auf China, nicht zuletzt deshalb, weil das Reich der Mitte viele Rohstoffe aus diesen Ländern nachfragt.

Theoretisch spiegelt die Stärke einer Währung die relative Wachstumsrate der jeweiligen Wirtschaft wider. China führt die weltweite Erholung an, deshalb glauben - vor allem in den USA - viele, der Yuan sei auf seinem derzeitigen Niveau unterbewertet. Der Kurs von 6,83 gilt seit August 2008. China ist mit Abstand die grösste Wirtschaftsnation ohne freien Wechselkurs. Ihre Wirtschaftsleistung wird 5 Billionen Dollar über- steigen, das sind nach Angaben des Internationalen Währungsfonds rund 9% der Weltwirtschaft. Zum Vergleich: Die USA leisten ein Viertel der globalen Wirtschaft, die Euro-Zone leistet 20% und Japan mit seinen rund 120 Mio Einwohnern 9%.

Nun, da sich die Märkte in Asien und Lateinamerika erholen, soll nach dem Willen einiger Politiker die Inflation nicht durch die Erhöhung der Zinssätze bekämpft werden, da höhere Zinsen auch die lokalen Währungen stärken und dadurch die Exporte aus diesen aufstrebenden Ländern verteuern könnten. Die Notenbanker spielen eine Schlüsselrolle im Währungsmarkt, da sie grosse Reserven vorhalten - wobei 62% davon immer noch Dollar sind. Der Yuan, der fast nicht gehandelt werden kann, wird in der derzeitigen Situation von risikoaversen Notenbankern noch nicht gesucht.

Aber Zentralbanken oder Staatsfonds aus Malaysia, Norwegen und Singapur haben von der chinesischen Regierung bereits spezielle Quoten für einen Wechselkurs mit dem Yuan erhalten. Man setzt nicht nur in diesen Staaten darauf, dass Assets in Yuan ein wichtiger Bestandteil einer Notenbankreserve sind.