Alle in der Schweiz kotierten Hebelprodukte und strukturierte Anlageprodukte werden an der Scoach Schweiz gehandelt. Insgesamt sind 26 202 Produkte (davon 18 682 Hebelprodukte) per Ende März angemeldet, wobei der Trend der Neuemissionen in den letzten Monaten klar steigend ist.

Ein Blick auf die Basiswerte im Warrantsmarkt zeigt, dass Produkte auf Aktien (ca. 89% aller gelisteten Hebelprodukte) klar dominieren. Hauptsächlich dafür ausschlaggebend ist wohl, dass sich der Anleger bei einer Investition in Aktien mit einer Unternehmung aktiv auseinandersetzen kann und ihm die Kursentwicklung mithin erklärbar erscheint. Währungen hingegen sind für Anleger immer noch Neuland; wer sich nicht zutraut, die Bewegungen nachzuvollziehen, geht naturgemäss auf Distanz zu Devisengeschäften.

Ein Blick hinter die Kulissen

Wer Devisengeschäfte verstehen will, muss wissen, wie Market Making funktioniert. Der Preis für Warrants wird anhand eines Bewertungsmodelles für Optionen bestimmt. Am verbreitesten am Markt und am effizientesten für IT-Systeme, die viele hundert Preisaktualisierungen pro Sekunde rechnen müssen, ist das Modell nach Black und Scholes. Um den hieraus errechneten fairen Wert der Option stellt der Market Maker einen sogenannten Bid-Ask-Spread. Dieser Spread richtet sich vor allem nach der Liquidität des Basiswerts. Auf Grund der grossen Konkurrenz auf dem Warrantsmarkt ist der Spread normalerweise kleiner als bei vergleichbaren OTC-Optionen im Interbankenmarkt. Diese Spanne zwischen Geld- und Briefkurs bildet die Hauptertragsquelle für den Market Maker.

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Wichtig zu verstehen ist auch, dass es dem Market Maker nicht darum geht, die bewusste Gegenposition gegenüber dem Kunden einzunehmen. Vielmehr tätigt der Market Maker Absicherungsgeschäfte, das sogenannte Hedging, um sich gegen Risiken, die aus Optionsscheingeschäften, insbesondere aus den typischerweise asymmetrischen Auszahlungsprofilen von Warrants, hervorgehen, abzusichern. Entsprechend lässt sich die weit verbreitete Annahme, dass Market Maker gegen Kundenpositionen wetten und jegliche Verluste der Kunden als Gewinne verbuchen, nicht aufrechterhalten.

Keine Wette gegen Kunden

Hinter den verschiedenen einzelnen Risiken, die ein Market Maker im Optionsscheinhandel berücksichtigen muss, verbergen sich Einflussfaktoren, die den Preis des Warrants verändern können. Am sensitivsten reagieren Warrants bei Veränderungen des Basiswertes und der impliziten Volatilität; Produkte mit langer Laufzeit sind zudem auch anfällig für Veränderungen der Zinsen. Diese Risiken kann man mit Sensitivitätskennzahlen, häufig auch «Griechen» genannt, messbar machen. Im Handel mit Optionsscheinen erfahrene Investoren dürfte daher auch das Delta ein Begriff sein: Es gibt an, wie stark der Preis des Warrants schwankt, wenn sich der Kurs des Basiswertes um eine Einheit ändert. Weniger bekannt, aber für den Emittenten ebenso wichtig zu beachten sind Risiken höheren Grades. Hier ist insbesondere das Gamma zu erwähnen, das anzeigt, wie stark sich das Delta ändert, wenn sich der Kurs des Basiswertes um eine Einheit ändert.

Die besondere Herausforderung für den Market Maker besteht vor allem darin, diese Risiken so effizient wie möglich zu bewirtschaften. So werden in der Regel alle Risiken der Warrantsgeschäfte gegeneinander aufgerechnet und mit Hilfe grösserer Absicherungsgeschäfte beglichen. Dies ist weitaus günstiger, als für jeden Trade separat teurere Optionen am Interbankenmarkt zu kaufen.

Warrants auf Währungen und Edelmetalle bieten interessante Möglichkeiten, um an diesem Nischenmarkt zu partizipieren. Erfolgsvoraussetzung sind eine sorgfältige Produktanalyse und zumindest elementare Kenntnisse der Gesetzmässigkeiten in diesem Markt.