Zwar lag der vor kurzem präsentierte Betriebsgewinn von Lindt & Sprüngli mit 361 Mio Fr. noch 3% über dem Vorjahreswert. Für das nächste Jahr wird jedoch zum ersten Mal von einem Gewinnrückgang beim Schokoladenkonzern ausgegangen. «2009 werden wir 80 bis 100 Mio Fr. weniger Gewinn ausweisen», so Ernst Tanner, CEO und VR-Präsident von Lindt & Sprüngli. Die Analysten sind daher gegenüber der Aktie skeptisch. Gut die Hälfte empfiehlt, sie abzustossen, nur einer rät derzeit dazu, den Titel zu kaufen.

Die Inhaberpapiere von Lindt & Sprüngli haben nach der Ergebnispräsentation ihren Abwärtstrend fortgesetzt. Wobei sich die, mit 19995 Fr. relativ teure Aktie leicht robuster zeigte (-7,5%) als der Partizipationsschein (-8%), der derzeit bei 1639 Fr. notiert.

Unverständnis über Kursdruck

Bei Lindt & Sprüngli versteht man diese Entwicklung nicht. «Trotz guter Resultate hat unsere Aktie stärker verloren als der SMI, der Aktienverlauf entspricht unserem Unternehmen nicht», und Tanner weiter: Mit 40000 Fr. pro Aktie war der Wert vielleicht übertrieben, mit 20000 Fr. untertrieben, irgendwo in der Mitte liegt sie wahrscheinlich richtig.»

Zudem hält er fest, dass der Aktienverkauf des Managements den Kurs nicht nach unten getrieben habe. «Manchmal gibt es finanzielle Engpässe, bei denen das Management Cash braucht, zum Beispiel beim Bezahlen der Steuern», sagt der Lindt & Sprüngli-CEO Ernst Tanner.

Die Investoren erhalten immerhin ein Zückerchen. Die Dividende für die Namenaktie wird um 30 auf 360 Fr. erhöht, die Ausschüttung für den Partizipationsschein von 33 auf 36 Fr. angepasst.

Einen entscheidenden Einfluss auf den zukünftigen Geschäftsgang von Lindt & Sprüngli dürfte die Preisentwicklung beim Kakao haben. Seit Ende des letzten Jahres hat die Sorge vor Ernteausfällen an der Elfenbeinküste und in Ghana zu einer Preisrally beim wichtigen Rohstoff geführt. Die steigende Nachfrage nach Kakao und das allgemein rückläufige Produktionsvolumen werden den Preis für Kakao langfristig hoch halten. «Je nachdem wie sich die Rohstoffpreise entwickeln, werden wir gewisse Preisanpassungen in den nächsten 24 Monaten vollziehen», so Tanner.

Anzeige

Barry Callebaut schmeckt süsser

Auch der Schokoladekonzern Barry Callebaut wird sich dieser Entwicklung nicht verschliessen können. Das Unternehmen präsentiert am Donnerstag, 2. April, die Geschäftszahlen des 1. Halbjahrs. Die Aktie musste mit einem Minus von 26% seit Jahresbeginn kräftige Einbussen hinnehmen.

Durch den Kurszerfall hat der Titel des Schokolade-Verarbeiters jedoch an Attraktivität gewonnen. Die Experten von Vontobel erwarten für 2010 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,5. Barry Callebaut hatte sich zuletzt noch stärker auf das Kerngeschäft fokussiert. Vontobel empfiehlt Barry Callebaut daher zum Kauf. Das Kursziel wird auf 700 Fr. angesetzt (aktueller Kurs: 510 Fr.). Die Aktie von Tiefkühlbackwaren-Hersteller Aryzta konnte seit der Präsentation der Halbjahreszahlen über 5% zulegen und steht bei 26 Fr. Die Credit Suisse sieht bei der Aktie des Gipfeli-Produzenten noch weiteres Potenzial. Sie hat die Aktie kürzlich von «Neutral» auf «Outperform» hochgestuft, belässt jedoch das Kursziel bei 35 Fr.