Derzeit zeichnet sich in den USA eine der schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre ab. Nach dem Unglück auf der Ölbohr-Plattform vor der US-Küste, bei dem mehrere Mitarbeiter des Erdölförderers Transocean ihr Leben liessen, drohen weit reichende Küstenabschnitte mit Öl verschmutzt zu werden.

Denn die vom Ölkonzern BP geleaste Plattform Deepwater Horizon leckt weiterhin. Das Öl strömt noch immer ungehindert in den Golf von Mexiko. US-Präsident Barack Obama machte sich vor wenigen Tagen selbst ein Bild vom Ausmass der Verschmutzung. Obama zeigte sich bei diesem Besuch erschüttert und hielt auch fest, dass der Schaden der Katastrophe von BP übernommen werden müsse.

50 Milliarden Dollar verloren

Wie hoch die Kosten ausfallen werden, ist noch unklar. Experten der Credit Suisse rechnen damit, dass sich die Summe auf bis zu 20 Mrd Dollar belaufen könnte. Das wird kaum von BP alleine getragen. Das Unternehmen machte deutlich, dass die Schuld auch beim Betreiber der Plattform, also dem Schweizer Unternehmen Transocean, zu suchen sein wird.Seit der Katastrophe hat der Aktienkurs des Tiefsee-Ölbohrkonzerns Transocean, der in diesen Tagen sein 1.-Quartals-Ergebnis präsentiert, deutlich an Wert eingebüsst. Dabei hatte das Papier an der New Yorker Börse seit Jahresbeginn bis zum Unglückstag gegen 11% zugelegt und ist nun um 15% auf den Jahrestiefststand gefallen. Trotz des erfreulichen Starts der Zweitkotierung an der SIX Swiss Exchange vor zwei Wochen verliefen somit die ersten Handelstage alles andere als erfolgreich.

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Dabei erscheinen die Marktbefürchtungen doch übertrieben. Der Wertverlust der Valoren von BP und Transocean zusammen beträgt bereits 50 Mrd Dollar, also mehr als das Doppelte dessen, was derzeit als Schadenssumme angenommen wird. Die durch den Betriebsausfall entgangenen Gewinne dürften jedoch den Marktwert nur um 2 bis 3% schmälern. Zudem scheint Transocean ausreichend versichert zu sein. Die Experten der Credit Suisse zählen daher BP und Transocean weiterhin zu ihren Favoriten, ebenso den vom Unglück betroffenen Ölförderer Anadarko Petroleum und den Ausrüster Halliburton.

Mit ihrer positiven Einschätzung steht die CS nicht alleine da, denn zahlreiche Experten haben auch nach der Katastrophe ihre Empfehlungen für Transocean bestätigt. So hat etwa die UBS das Kursziel auf 117 Fr. festgesetzt (aktueller Kurs: 80 Fr.).

Petroplus noch nicht attraktiv

Weniger Potenzial steckt derzeit in anderen Schweizer Ölwerten, trotz der Abwesenheit von Katastrophen. So informiert in diesen Tagen auch die Raffineriegesellschaft Petroplus über ihr 1.-Quartals-Ergebnis. Petroplus litt zuletzt darunter, dass Überkapazitäten die Margen in der Erdölverarbeitung drückten. Zudem nimmt in Europa der Bedarf nach Erdölprodukten eher ab, wohingegen in China und Indien die Nachfrage steigt, ohne dass Petroplus davon profitieren könnte.

In den letzen Monaten zeichnet sich bei den «Crack Spreads», also der Preisdifferenz zwischen Rohöl und den Endprodukten, eine Entspannung ab. Seit März konnte der Petroplus-Valor deutlich zulegen. Die Übernahme einer Raffinerie in Delaware in den USA sorgte zudem für etwas Kursfantasie, während der Verkauf einer Produktionsanlage im französischen Reichstett ebenso positiv beurteil wurde. Dennoch sind die Experten der Bank Vontobel skeptisch und schliessen weiteren Finanzierungsbedarf bei Petroplus nicht aus. Sie belassen die Bewertung vorerst bei «Halten». Das Kursziel wird auf 20 Fr. festgesetzt (aktuell: 19 Fr.).

Abwarten bei Burckhardt

Auch das Winterthurer Unternehmen Kompressorenherstellerin Burckhardt Compression beliefert Kunden aus der Raffinerie-Branche und der Petrochemie. Für die Zahlen, die das Unternehmen Anfang Juni präsentieren könnte, sind die Analysten nur verhalten optimistisch. Die angespannte Lage beim Auftragseingang dürfte sich erst 2011 entspannen. Die Aktie konnte zwar seit Jahresbeginn auf 227 Fr. klettern, gab aber unterdessen wieder auf 201 Fr. nach. Das bedeutet für 2010 noch immer ein Plus von gegen 9%. Die Mehrheit der Experten bewertet die Aktie derzeit dennoch mit «Halten».