In verschiedenen europäischen Banken haben neue Vorstandschefs Umbauprojekte angestossen und angekündigt, Tausende Mitarbeiter zu entlassen, Geschäftsbereiche aufzugeben und Beteiligungen abzustossen, um die Gewinne zu steigern. Doch bislang sind die Investoren skeptisch, ob sich diese Pläne in nächster Zeit auch auszahlen werden. 

Die Aktienkurse von Deutsche Bank AG, der Credit Suisse und Standard Chartered sind stärker gefallen als die der meisten Wettbewerber, seit die CEOs in den letzten Monaten ihre Restrukturierungspläne bekanntgaben. Mit den komplizierten Umbauten versuchen sie zumeist, die relativen Stärken ihrer Bank bestmöglich zu nutzen und Modelle, die nicht funktionieren, zu korrigieren. Zugleich aber werden diese Bemühungen durch immer schärfere Kapitalvorschriften, die Abkühlung der Schwellenländer und rekordniedrige Zinsen erschwert. 

«Eine Menge Skepsis»

«Es gibt eine Menge Skepsis gegenüber dem europäischen Bankensektor während der Restrukturierung und gegenüber der Fähigkeit der Banken, die vorgestellten Pläne auch umzusetzen», sagt Bill Glaser von Fisher Investments in Woodside, USA. «Der Teufel steckt im Detail, und erst mit der Zeit wird sich zeigen, ob sie ihre Zusagen auch einhalten können. Allerdings liegt die Messlatte der Erwartungen am Markt auch niedrig.»

Die Banken stehen vor einer Kombination von Problemen; die Kosten bestimmter Geschäftsbereiche steigen, weil die Aufseher dickere Kapitalpuffer verlangen; in einigen der grössten Volkswirtschaften, etwa in China und Indien, kühlt die Konjunktur ab; und Institute müssen Geldstrafen zahlen, etwa wegen der Manipulation von Referenzsätzen oder der Unterstützung von Geldwäsche. 

Deutsche Bank sackt ab

Nach einem Kursverfall, der die Deutsche Bank zur am niedrigsten bewerteten globalen Bank machte, ersetzte das Institut im Juli Co-Vorstandschef Anshu Jain durch John Cryan. Dieser zieht sich nun aus Geschäften in zehn Ländern zurück und streicht 26’000 Arbeitsplätze. Nachdem Jain über zwei Jahrzehnte das Unternehmen zu einer global agierenden Investmentbank umbaute, will Cryan nun die Kundenliste halbieren. 

«Investoren haben keine Lust mehr auf grossartige Strategie- Aktualisierungen, wo nicht viel passiert», sagt David Moss von BMO Global Asset Management in London. «Wir wollen jetzt sehen, dass die Sachen auch wirklich getan werden. Das Investmentbanking war sehr schwach, und bei vielen der Änderungen ging es darum, es zu verkleinern und das Kapital anderswo einzusetzen, was aber nicht immer so einfach ist.»

Vier-Jahres-Tief

Die Deutsche-Bank-Aktie erreichte am 14. Dezember ein Vier- Jahres-Tief und wurde mit etwa der Hälfte ihres materiellen Buchwerts gehandelt. Die Papiere von Standard Chartered, die am selben Tag auf den tiefsten Kurs seit mehr als einem Jahrzehnt fielen, werden ähnlich bewertet, was bedeutet, dass sie weniger wert sind als das, was die Investoren zu erhalten erwarten, wenn die Bank ihre Vermögenswerte liquidieren würde. Auch Credit Suisse wird unter ihrem Buchwert gehandelt, die Aktie hat seit 2011 rund 40 Prozent an Wert verloren. 

Einige Investoren sehen weitere Hürden für eine erfolgreiche Wende bei den Banken, falls sich das Marktumfeld nicht verbessert. Standard Chartered, die den grössten Teil ihrer Erträge in Asien erwirtschaftet, sitzt bereits auf faulen Krediten, weil die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft und der Verfall der Rohstoffpreise die Schwellenländer beeinträchtigt. 

Bonitätsnote gesenkt

Fitch Ratings erklärte am 5. November, die Bank sei mit «ungünstigen Entwicklungen bei Profitabilität und Aktiva-Qualität» konfrontiert. Nur Tage, nachdem CEO Bill Winters eine Kapitalerhöhung ankündigte, senkte die Ratingagentur ihre Bonitätsnote für die Bank und behielt ihre negative Einschätzung für den Ausblick bei. 

«Es ist nicht unbedingt so, dass die Pläne der neuen CEOs keine Unterstützung finden; es ist eher die brutale Erkenntnis der gewaltigen Herausforderungen, vor denen diese Unternehmen stehen», sagte Hugh Young von Aberdeen Asset Management, dem zweitgrössten Aktionär von Standard Chartered. «Die Investoren stehen hinter Bill Winters, aber einige der wichtigsten Länder und Geschäftsbereiche bekommen starken Gegenwind.» 

Der 54-jährige Winters begab im Dezember Aktien für 5,1Milliarden Dollar, Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam nahm rund sechs Milliarden Dollar auf. Bei der Deutschen Bank hat Cryan für zwei Jahre die Dividende gestrichen. 

Thiam muss sich erst beweisen

«Investoren verkaufen die Aktien dieser Banken, weil sich das Marktumfeld verschlechtert«, sagt Christian Sole, Portfoliomanager bei Candriam Investors in Brüssel. «Wenn das so weitergeht, so fürchten sie, könnten die Banken wieder Kapitalerhöhungen brauchen.»

Thiam, der im Juli bei der Credit Suisse Brady Dougan ablöste, reduziert bestimmte Handelsbereiche, setzt aber darauf, dass die Bank bis Ende 2018 das verwaltete Vermögen reicher Asiaten verdoppeln kann. Analysten fürchten jedoch, dass das Wachstum in der Region enttäuschend ausfallen könnte, während es teuer sein wird, neue Vermögensverwalter einzustellen. 

(bloomberg/me/ama)

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