Als die Kreditanalysten von Moody’s jüngst die Kreditwürdigkeit von Spanien auf die Note Aa1 herabstuften, beliessen sie das Rating für die wichtigste Bank des Landes, die Banco Santander. Fitch bewertete deren langfristige Verbindlichkeiten mit einem AA-.

Ähnlich sieht es bei den grössten Instituten, die oft auch wichtige Retailderivateanbieter in der Schweiz sind, in weiteren Ländern aus: UBS und Credit Suisse verfügen über Moody-Ratings von Aa3 bzw. Aa2 (die Schweiz AAA), und wichtige Anbieter aus den Triple-A-Ländern Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und USA wie die Deutsche Bank (mit Aa3), Société Générale (Aa2), Barclays (Aa3) oder JP Morgan (Aa1) weisen ebenfalls Bonitätsnoten auf, die kaum hinter denen ihrer Heimmärkte zurückliegen.

CDS reagieren rascher

Auf diese Noten ist jedoch - das wissen Derivateanleger seit der Lehman-Pleite - nicht immer Verlass: Herabstufungen erfolgen erst nach gründlichen Analysen der Experten, die Einschätzungen sind vergangenheitsbezogen.

Viel rascher reagieren dagegen die Preise der CDS-Kreditderivate. Mit diesen Instrumenten sichern sich institutionelle Anleger gegen die Pleite von Schuldnern ab. Auch auf dem Höhepunkt der Euro-Krise im Frühling lagen hier die CDS-Notierungen vieler Emittenten unter denen einiger Euro-Länder aus dem Mittelmeergebiet. Dasselbe Phänomen konnten Anleger in den letzten Tagen feststellen, als die Nervosität an den Kreditmärkten aufgrund der sehr kostspieligen Bankenrettungsaktion in Irland wieder deutlich gestiegen war.

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Riskante US-Adressen

Die in Schieflage geratene Anglo Irish Bank ist zwar in der Schweiz nicht als Emittent von Retailderivaten aktiv. Und die Fünfjahres-CDS für die Credit Suisse und die UBS lagen in den letzten Tagen mit 105 und 103 praktisch gleich hoch wie bei der Deutschen Bank. Sicherer eingestuft werden gegenwärtig HSBC, Barclays, Unicredito und JP Morgan, die alle unter 100 liegen. Deutlich höher liegen die CDS-Werte bei anderen US-Adressen wie Goldman Sachs, der Bank of America oder Citigroup.

Bonitätsunterschiede sollten Anleger - theoretisch - an den Konditionen ihrer Produkte ablesen können: Aus der Sicht einer Bank sind beispielsweise Garantieprodukte eine Form der Geldbeschaffung, und je grösser zum Emissionszeitpunkt das Risiko einer Pleite des Emittenten, desto höher müsste der Coupon für die Käufer ausfallen.

In der Praxis spielen indes noch weitere wichtige Faktoren wie Volatilität und Garantieniveaus eine Rolle. Alles in allem werden also Anleger nicht immer via attraktive Coupons oder Konditionen für die Pleiterisiken entschädigt.

SVSP verteilt Noten

Anleger haben hier jetzt noch ein weiteres Hilfsmittel. Die Ratings des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP) weisen beispielsweise für das Produkt EXCMR einen Wert von 2 auf (die Skala reicht von 1 für «ganz sicher» bis zu 6 «hoch spekulativ»). Vergleichbare Produkte wie etwa EBSMI, SMICH oder ENSMI erzielen einen Wert von 1. Ähnlich ist es bei den Kapitalschutzprodukten ohne Cap. Hier werden Produkte mit Noten zwischen 1 und 3 versehen.

Bei SMCPN, einem auf den SMI lautenden Kapitalschutzprodukt, liegt die Note 3 allerdings nicht an der Bonität des Emittenten, sondern an einem kleinen anderen Detail, das Anleger oft übersehen: Das Produkt ist in australischem Dollar denominiert - und weist damit entsprechende Kursrisiken gegenüber dem Franken auf.