Immer mehr Asiaten haben das nötige Geld für Urlaubsreisen. Für viele ist die Reise ins asiatische Ausland eine Premiere. Die neue Reiselust reiht sich in den allgemeinen Trend steigender Konsumausgaben in der Region ein. Regierungsanreize und Zuschüsse für Anschaffungen wie Autos und Elektrogeräte erhöhen dort die Binnennachfrage und bringen Wirtschaftswachstum. In China wurden im vergangenen Jahr mehr Autos gekauft als in den USA.

Geld fürs Reisen auf der Seite

Die nächste qualitative Stufe erreichte der asiatische Konsum aber erst durch den Tourismusboom. «Reisen sind direkter Ausdruck einer erhöhten Ausgabefreudigkeit, bei der Zuschüsse keine Rolle spielen», weiss Yuwa Hedrick-Wong, Chefökonom bei Mastercard Worldwide in Singapur. Asiatische Verbraucher sind nicht verschuldet und konnten selbst während des Abschwungs Geld beiseitelegen, das sie nun für Reisen ausgeben.

Der Anstieg im innerasiatischen Tourismus hilft, ein von vielen Politikern angestrebtes Ziel zu erreichen: Eine Stärkung des Wachstums in Asien, das bisher auf hohen Exportquoten beruhte, auch durch den Binnenkonsum. Bisher war die Industrie für Konsumgüter beispielweise in Thailand oder Indonesien in nicht unerheblichem Mass von Touristen aus Deutschland oder Amerika abhängig, die im Urlaub ihr Geld ausgaben. Deren rezessionsbedingtes Ausbleiben wird nun durch asiatische Reisende kompensiert.

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Chinesen ersetzen die Westler

Die chinesischen Urlauber werden dementsprechend für die asiatischen Tourismuszentren wichtiger. Wie aus Statistiken hervorgeht, stieg während der chinesischen Neujahrsfeiern die Zahl der Auslandreisen im Vergleich zum Vorjahr um fast 21% auf 2,4 Mio Reisen ins asiatische Ausland, sind für Chinesen mittlerweile oft billiger als Inlandreisen.

Malaysia hat zum Beispiel «kaum Rückgänge im Touristenstrom bemerkt, da die meisten Urlauber aus Asien, dem Nahen Osten und anderen Schwellenländern kommen», berichtet der malaysische Zentralbankgouverneur Zeit Akhtar Aziz. Nach Malaysia kamen im Vorjahr 22 Mio Touristen, eine Zunahme um 7% im Vergleich zu 2008. Während das internationale Reiseaufkommen global um 4% zurückging, legten die Reisen nach Südostasien um 2% zu, meldet die World Travel Association. Die Zahl der Reisenden aus Nordamerika und Europa brach dagegen um 6% ein.

Besonders abhängig von Urlaubern aus China und Korea sind die klassischen asiatischen Tourismusländer. 2008 entfielen in Kambodscha 13,6% des Bruttoinlandprodukts auf Tourismus, in Malaysia 9,5 und in Thailand 8,5%. Taiwan führt sein Wachstum, das stärker ausfiel als erwartet, ebenfalls auf den Anstieg im Tourismus zurück, der auch durch die Reiseerleichterungen in Festlandchina bedingt ist. Es könnte im asiatischen Wachstum also durchaus einen Sweet Spot geben. Eine leichte Erholung in den USA und Europa sowie die Zuversicht des asiatischen Verbrauchers könnten ausreichen, um Asiens Wirtschaft eine Zeitlang brummen zu lassen.