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Wirtschaftsmächte
Die Auswirkungen des Handelskriegs auf Tigerstaaten

President Donald Trump welcomed Prime Minister Nguyen Xuan Phuc of Vietnam, at the West Wing Portico (North Lawn) of the White House, On Wednesday, May 31, 2017. (Photo by Cheriss May) (Photo by Cheriss May/NurPhoto via Getty Images)

Vietnams Premierminister Phuc zu Besuch bei Donald Trump in Washington im vergangenen Jahr.

Quelle: Cheriss May/NurPhoto

Die grossen Wirtschaftsmächte bekämpfen sich aktuell gegenseitig. Was sind die Auswirkungen des Handelskrieges auf die Märkte?

Von Mario Timpanaro*
am 01.10.2018

Das aggressive protektionistische Verhalten der USA, die Erhebung von Strafzöllen auf Importe sowie die Aufkündigung von politischen und wirtschaftlichen Abkommen münden in einen unerbittlichen Schlagabtausch. Verlierer sind die Konsumenten als Folge von höheren Preisen und einer Verschlechterung der Konjunktur.

Making America Great?

Amerika stösst dauernd neue Drohgebären aus und ergreift neue Massnahmen in alle Himmelsrichtungen. Betroffen sind ehemals Verbündete gleichfalls wie Erzfeinde; Amerika zeigt sich kämpferisch gegenüber Russland, China, Nordkorea, Iran und brüskiert Kanada, Mexiko und Europa. Mit Zucker und Peitsche versucht die Trump Administration Verhandlungsmasse aufzubauen. Ob diese Strategie langfristig aufgeht oder Amerika verstärkt isoliert und als nicht vertrauenswürdiger Partner dasteht, wie jüngst am G7 Gipfel in Kanada, wird sich weisen.

China hingegen öffnet sich zunehmend und kündigte kürzlich die Senkung der Einfuhrzölle für ausländische Autobauer an. Damit baut die grösste Volkswirtschaft auf Wettbewerb und kehrt davon ab, überholte und nicht marktfähige Strukturen am Leben zu erhalten. Flexibilität, Schnelligkeit und Innovation wird dem einseitigen Protektionismus übergeordnet und – zumindest mittel- und längerfristig – mit grösserer Prosperität verbunden.

Die Tigerstaaten Singapur, Südkorea, Malaysia, Indonesien, Thailand und Vietnam haben sich jüngst in einem wirtschaftlich freundlichen Umfeld klar überdurchschnittlich entwickelt und weisen vielversprechendes Wachstumspotenzial aus. Während Indonesien stark vom Erdölsektor abhängig ist und Malaysia unter hoher Korruption leidet, verbessert sich das wirtschaftspolitische Umfeld und die Stabilität in Vietnam nachhaltig. In den letzten fünf Jahren hat die Volkswirtschaft angetrieben von Reformprogrammen der Regierung grosse Fortschritte gemacht. Entsprechend hohe Investitionen fliessen in das Land des aufsteigenden Drachens. Die Foreign Direct Investments (FDI) per Ende 2017 erreichten 35,9 Milliarden US Dollar ein Plus von 44 Prozent. Eröffnen diese positiven Entwicklungen für Vietnam die Chance, als aufstrebender agiler Wirtschaftsstandort von dem Handelskrieg zu profitieren.

Unvermeidbare Kollateralschäden

Die Ängste um den Ausbruch eines flächendeckenden Handelskriegs zwischen den USA, China und der EU haben mit zur erhöhten Volatilität und deutlichen Bewertungskorrekturen am vietnamesischen Aktienmarkt beigetragen. Die Gefahr einer nachhaltigen Abschwächung des Weltwirtschaftswachstums, die Verteuerung von Rohstoffen und die Verengung von Lieferketten wirken sich zudem negative auf die Foreign Direct Investments (FDI)aus, einschliesslich derjenigen nach Vietnam.

2017 erzielte Vietnam einen Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA von 32 Milliarden US Dollar. (16 Prozent / BIP). Damit ist Vietnam das Land, mit dem die USA das sechstgrösste Handelsdefizit aufweist. Der Anteil der vietnamesischen Exporte, der durch die kürzlich angekündigten Tarife beeinflusst wird, liegt hingegen unter 1 Prozent. Trotzdem ist wenig wahrscheinlich, dass die USA Vietnam mit weiteren Zöllen belegt. Dafür sprechen die Einfuhraufträge aus den USA nach Vietnam in der Höhe von mehr als 17 Milliarden US Dollar, die während des Besuchs von Premierminister Phuc in Washington im vergangenen Jahr unterzeichnet wurden. Ende Juni 2018 bestellt zudem Bamboo Airways 20 Flugzeuge des Typ 787-9 Dreamliner bei Boing mit einem Auftragsvolumen von 5.6 Milliarden US Dollar.

Schützende Allianz

Die Erhebung von Zöllen gegen vietnamesische Exporte sind auch vor dem Hintergrund der stärkeren Anbindung der anderen aufstrebenden, südostasiatischen Länder unwahrscheinlich. Motiviert von politischen und wirtschaftlichen Anreizen rückten diese näher an China heran. Kurz gesagt, Vietnam ist das einzige Land in der Region, das sich nicht an China verkauft hat.

Vietnam zeigt sich agil, marktoffen und innovativ. Westliche Werte prägen das Denken und die Lebensausrichtung der jüngeren Generation. Als Folge steigen das Bildungsniveau, die Kaufkraft und der Wohlstand kontinuierlich an. Mittel- und langfristig sind dies Garanten für ein fortgesetztes Wirtschaftswachstum.

*Mario Timpanaro, Vogt Asset Management Trust reg., Senior Advisor Lumen Vietnam Fund

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