Vor knapp 100 Jahren begann Autobauer Ford die Serienproduktion des berühmten T-Modells. Seither verbrauchten die Amerikaner jedes Jahr mehr Benzin. Ist diese Ära bald zu Ende? Das glauben nicht zuletzt Vertreter des weltgrössten börsennotierten Ölunternehmens Exxon Mobil. Die Ursachen liegen in veränderten Lebensumständen und Transportwegen. Die Folge könnten tief greifende Veränderungen sowohl bei Raffinerien als auch in den Länder- und Staatshaushalten sein.

Noch ist in Amerika fast alles, von der Stadtplanung bis zur Steuerpolitik, auf einen steigenden Benzinverbrauch ausgerichtet. Doch Innenstädte und Stadtrandbereiche werden immer mehr verdichtet, die Menschen leben heute viel näher an ihren Arbeitsplätzen, Arbeits- und Einkaufswege werden kürzer. Nach Angaben der Environmental Protection Agency hat diese Entwicklung bereits Anfang der 90er-Jahre eingesetzt. In Chicago etwa stieg der Anteil neu gebauter Häuser im Zentrum von 7 auf 40%.

Durstige Pick-ups

Ein Zehntel des Rohöls dieser Erde landete bisher als Treibstoff in den Tanks der Amerikaner. Das ist mehr, als die gesamte chinesische Wirtschaft verbraucht. Rezession und Arbeitslosigkeit führen nun dazu, dass mehr gespart und weniger gefahren wird. Nach Angaben der Energiebehörde EIA wurden Autos, SUV und Pick-ups im Jahr 2007 noch mit täglich 371,2 Mio Gallonen Benzin oder Diesel betankt. In diesem Jahr wird ein Rückgang auf 345,7 Mio (minus 6,9%) erwartet. Bei Exxon glaubt man, der Benzinabsatz werde bis 2030 um 22% zurückgehen. «Wir sind vermutlich ganz nah am Nachfragehöhepunkt», sagt Scott Naumann, Exxons Chef für Energieprognosen. Die vollen Auswirkungen eines derartigen Einbruchs werden sich erst in ein paar Jahren zeigen. Ölraffinerien werden umgerüstet oder geschlossen, und Ölfirmen beginnen, in Biotreibstoffe und Batterietechnologie zu investieren.

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Mehr Biotreibstoffe

Der Energy Independence and Security Act von 2007 legte strengere Grenzen für Energieeffizienz und vermehrten Einsatz von Biotreibstoffen fest, die nun durch die Regierung Obama noch einmal verschärft werden sollen. So soll bis 2022 die Beimengung von Bioethanol zu Treibstoffen von derzeit 11 auf 36 Mrd Gallonen steigen.