Die US-Investmentbank Lehman Brothers überdenkt derzeit die Chancen eines Verkaufs ihrer Vermögensverwaltung. Dazu zählt auch die Asset-Management-Gesellschaft Neuberger Berman, wie mit den Vorgängen vertraute Kreise berichten. Lehman muss im Zuge der Kreditkrise gewaltige Abschreibungen verdauen und sich immer wieder gegen Gerüchte wehren.

Credit Suisse ist restriktiv

Das jüngste: Die Credit Suisse habe der US-Bank eine Kreditlinie gekündigt. Die US-Notenbank fühlte sich daraufhin bemüssigt, dezent beim Schweizer Geldinstitut nachzufragen und bekam von den Eidgenossen ein Dementi, wie Insider berichten. Währenddessen hat Lehman begonnen, seine Vermögensverwaltung anzupreisen. Das Institut brachte bereits detaillierte Verkaufsunterlagen bei einer Gruppe von potenziellen Käufern in Umlauf. Zu dieser Gruppe zählen die Private-Equity-Firmen Carlyle Group, Hellman & Friedman und General Atlantic, wie Insider berichten. Auch die Blackstone Group habe in den vergangenen Wochen Interesse an dem Vermögensverwalter bekundet, heisst es. Zusätzlich zu Neuberger Berman will Lehman auch Teile seines Privatkunden-, Hedge-Fonds- und Private-Equity-Geschäfts abgeben.

8 bis 10 Mrd Dollar – auf diese Höhe schätzen Analysten den Gesamtwert des zu veräussernden Pakets. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung von Lehman ist in den vergangenen Monaten auf etwa 10,4 Mrd Dollar zusammengeschrumpft. Die Verkaufsabsichten der Bank werden zu einer Zeit publik, in der Analysten einen Verlust von mindestens 1,8 Mrd Dollar im 3. Quartal für Lehman prophezeien. Die Investmentbank wird ihre Ergebnisse Mitte September verkünden.

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Doch Lehman prüft auch andere Optionen, um die Finanzlage aufzubessern – unter anderem den Verkauf einiger problembeladener Gewerbeimmobilien. Als wenig wahrscheinlich gilt, dass die Bank ihre gesamte Vermögensverwaltung verkaufen wird. Eine Möglichkeit, die an der Wall Street diskutiert wird, ist, dass Lehman 20% am Vermögensverwaltungsgeschäft behalten und den Rest an einen strategischen Investor veräussern wird.

Mae und Mac als Hypothek

Unter Druck stehen weiterhin auch die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Die Unternehmen müssen sich laufend an den Finanzmärkten über die Ausgabe neuer Schuldpapiere Geld beschaffen, das zur Refinanzierung von Krediten dient. Bis Ende September benötigen sie 225 Mrd Dollar frisches Kapital. Doch die Geldgeber sind zurückhaltend geworden. Der Grund: Ein Artikel des US-Anlegermagazins «Barrons». Darin wird behauptet, dass eine baldige staatliche Übernahme der beiden Hypothekenriesen immer wahrscheinlicher werde. Ein solcher Schritt würde die Anteile der verbliebenen Aktionäre auf einen Schlag wertlos machen.

Zusätzlich sorgte eine Herabstufung des Kursziels bei Freddie-Mac-Aktien durch Merrill Lynch für Ausverkaufsstimmung. Aufgrund der aktuellen Ängste haben sich die Konditionen, zu denen sich Freddie Mac refinanzieren kann, dramatisch verschlechtert. Bei der jüngsten Emmission eines fünfjährigen Bonds musste das Unternehmen einen Aufschlag von 1,13 Prozentpunkten auf vergleichbare Staatspapiere gewähren – die höchste Prämie, die Freddie je für solche Papiere anbieten musste.