Laut Daniel Manser, Derivate-Experte bei Derivative Partners in Zürich, sind in den letzten zwei Wochen bei rund 300 Knock-Out-Produkten die Barrieren verletzt worden. Und seit Beginn der Turbulenzen ist bei über der Hälfte aller Barriereprodukte eine solche Barriere berührt worden.

Bei Knock-Out-Calls und -Puts wissen viele Anleger, dass es sich hierbei um Scheine mit gewissen Risiken handelt. Sobald die Barrieren verletzt werden, verfällt ein Call oder Put wertlos. Wenn der Basiswert in der Nähe einer Schwelle notiert, sind die Preisschwankungen bei Knock-Out-Produkten sehr hoch. Solche Knock-Outs sind denn auch Trading-Produkte, die teilweise nur einige Stunden gehalten und dann wieder abgestossen werden.

Der Bonus wird zum Tracker

Bei Bonus-Papieren gibt es ebenfalls Schwellen. Sie heissen «Knock-In»-Grenze oder -Kurs und liegen typischerweise beim Kaufzeitpunkt 10 oder 20% unter dem aktuellen Kursniveau. Das Grundszenario von Bonus-Zertifikaten ist ein stagnierender und/oder leicht steigender Basiswert. Anleger partizipieren uneingeschränkt von einer Bonuszahlung sowie an der Aufwärtsbewegung des Basiswertes – solange während der ganzen Laufzeit die Knock-In-Barriere nicht touchiert wird. Wenn das passiert, wird der Bonus zum «normalen» Tracker, der zwar noch die gleichen Kurschancen hat wie der Basiswert, aber die Dividende bekommt er nicht – mit der war von der emittierenden Bank die Sicherheitsstruktur finanziert worden.

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Bonus-Zertifikate sind damit Anlageprodukte für einen längeren Zeithorizont. Wenn das Szenario, das sich ein Anleger vorgelegt hat, eintrifft, werden diese Produkte oft bis Verfall gehalten und die Anleger kommen in den Genuss von Kursgewinn und Bonus.

Dabei werden laut Experten die Chancen höher gewichtet als die Risiken. Gundsätzlich gilt: Je höher der Sicherheitspuffer, desto weniger gross sind die Gesamtperformance-Chancen (und umgekehrt). Jetzt zeigt sich, dass knappe Puffer oft nicht ausreichen, um unbeschadet durch eine Phase rezessiver Börsenängste zu kommen. Laut den Analysten der Credit Suisse waren bei den Rezessionen in den USA die Leitindizes um durchschnittlich 25% eingebrochen. Dieser Wert hat indes auch nur eine beschränkte Aussagekraft, denn bei fünf Rezessionen waren die Kursrückgänge noch grösser.

Scoach bietet neue Online-Tools

Die Derivatebörse Scoach bietet auf ihrer Webseite einige grafische Hilfsmittel für die Wahl eines geeigneten Bonus-Zertifikates an. Anleger sehen auf einen Blick, dass sie die Wahl haben zwischen hoher Bonus Rendite oder hohem Sicherheitspuffer. Beides zugleich geht nicht. Weil hier der Wettbewerb gerade bei gängigen Basiswerten wie Indizes oder Blue Chips gut spielt, sind die Konditionen der BonusZertifikate ähnlich. Es gibt aber dennoch kleine Differenzen, die sich über die Laufzeit kumulieren – und um solche Schnäppchen zu finden, werden solche Webseiten aufgeschaltet.

Die jetzt noch an der SWX gehandelten knapp 20 Bonus-Zertifikate auf den SMI sind aktuell nicht gefährdet. Die Spanne der Barrieren reicht von 4200 bis 6800 Punkten. Beim Vergleich des Kursverlaufs des Bonus SMIPB, der mit 6780 eine relativ hoch angesetzte Barriere aufweist, mit dem Bonus PPAAI, bei dem diese Barriere bei 4188 Punkten liegt, zeigen sich seit Jahresanfang Kursdifferenzen. Beide haben zwar an Wert verloren, aber der Rückgang ist bei PPAAI mit den konservativeren Barrieren mit 10% kleiner als beim aggressiver ausgestatteten SMIPB.

Solche Produkte lassen sich nicht nur aus Emissionen, sondern auch während der Laufzeit erwerben. Anleger, die davon ausgehen, dass wir bereits das grösste Wegstück der aktuellen Korrektur gesehen haben, können Bonus-Produkte derzeit günstig erwerben. Allerdings sollte auch dann der (Rest) Puffer entsprechend den negativsten Szenarien gewählt werden – und nicht die Rendite gemäss der optimistischsten Aussichten.

Eine letzte Variante sind Reverse-Bonus-Produkte, wie sie beispielsweise Sal. Oppenheim gerade für den Dax auf den Markt gebracht hat. Diese setzen ein negatives Szenario voraus und bieten Kurschancen, wenn die Märkte fallen.