Die Nestlé-Aktie gilt in Krisenzeiten als sicherer Wert. Dennoch hat der Valor des Nahrungsmittelkonzerns zuletzt deutlich an Terrain verloren. Seit Jahresbeginn büsst er 9% ein und notiert nur noch bei rund 37 Fr. Experten vermuten, dass ein Grund für die Abgaben die vorübergehende Einstellung des Aktienrückkaufprogramms sein könnte. Das 25 Mrd Fr. schwere und bis 2010 laufende Projekt hat eine stützende Wirkung auf die Aktie. Vor der Bekanntgabe der Resultate 2008 am 19. Februar wurde jedoch auf weitere Zukäufe verzichtet.

Schwache LOréal belastet

Auch das Resultat bei der Beteiligung LOréal hat für Druck auf die Nestlé-Valoren gesorgt. Die letzten Ergebnisse konnten die Erwartungen nur bedingt erfüllen. Im April hat Nestlé wieder die Gelegenheit, den Anteil an L?Oréal zu erhöhen. Das Stillhalteabkommen zwischen Nestlé und der Mehrheitsaktionärin von LOréal, Liliane Bettencourt, läuft dann aus. Eine komplette Übernahme des Kosmetikherstellers wird in der Branche jedoch als Risiko für Nestlé angesehen. «Für eine verstärkte Beteiligung an LOréal besteht derzeit kein Grund», so Beatrice Kunz von Clariden Leu.

Trotz des auf 2010 fixierten Verkaufs an Novartis hat der Geschäftsgang des Herstellers von Augenpflege Alcon noch immer einen starken Einfluss auf den Nestlé-Valor. Der Nahrungsmittelkonzern ist mit 52% an Alcon beteiligt, das entspricht 11% der Marktkapitalisierung von Nestlé. Alcon konnte zwar die Umsatzerwartungen der Vontobel-Analysten übertreffen, doch führte der trübe Ausblick zu Abschlägen bei Nestlé.

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Der Verkauf von Alcon wird sich jedoch für Nestlé-Aktionäre auszahlen. «Der Erlös aus dem Verkauf von Alcon wird mehrheitlich für das Aktienrückkaufprogramm und Dividendenauszahlungen verwendet werden», so Beatrice Kunz, Analystin bei Clariden Leu.

Preise können erhöht werden

Das operative Geschäft von Nestlé zeigte sich robust. Der Konzern konnte die Preise erhöhen, ohne dass die Absatzvolumen darunter litten. Vergleichbaren Unternehmen wie Kraft Foods und Unilever gelang dies nicht. Ihre Verkäufe litten unter den rohstoffbedingten Preiserhöhungen.

Die Analysten von Vontobel erwarten die stärksten Wachstumsraten sogar in den Bereichen mit den höchsten Rohmaterialpreisanstiegen. So soll die Getränkesparte um 12,5%, der Bereich Tierhaltung um 11% und das Milchgeschäft um 10% wachsen.

Nebenschauplätze bleiben die 30-Mio-Euro-Busse wegen Kartellrechtsverstössen in Griechenland und der Einstieg der Kaffeehauskette Starbucks in das Geschäft mit löslichem Kaffee. Nestlé ist bei den Instant-Kaffees mit Nescafé gut positioniert. Konkurrenz durch Starbucks würde eher den US-Unternehmen Kraft und Smucker entstehen, so Marktexperten.

 

 


Bell mit genügend Fleisch am Knochen

Der Valor von Fleischverarbeiter Bell konnte seit Jahresbeginn 17% zulegen. Eine starke Grillsaison sowie ein gutes Weihnachtsgeschäft sorgten für überraschend starke Verkäufe. «Die Umsatzzahlen lagen 80 Mio Fr. über unserer Schätzung», so Daniel Bürki von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Am 19. Februar wird dann die Bilanz präsentiert. Bell erhält durch Coop - der Detailhändler ist Mehrheitsaktionär und Grosskunde - Sicherheit. Dennoch hat das Unternehmen die Wachstumsprognose beim Umsatz auf 2% gesenkt. Das kommende Geschäftsjahr könnte für Bell schwieriger werden.

Die Übernahmen in Deutschland und Frankreich machen die Aktie etwas riskanter. Bisher hat Bell hauptsächlich in der Schweiz operiert. Im Ausland wurden zwar bekannte Marken zugekauft. Dennoch: «Das Auslandgeschäft ist für das Management neu und mit einem gewissen Risiko behaftet», so Bürki von der ZKB.

Barry Callebauts sicherer Absatz

Die Aktie von Industrieschokoladenhersteller Barry Callebaut musste nach Avancen bis auf 592 Fr. zuletzt wieder deutliche Abgaben hinnehmen. Das überrascht, verfügt der Titel doch über defensive Stärken. Das Unternehmen zeichnet sich durch geringe Kosten aus, und die Absatzvolumen sind durch Outsourcing-Verträge mit Schokoladenverarbeitern, wie etwa dem US-Unternehmen Hershey, gesichert. Die Analysten der Bank Sarasin erwarten, dass der Auslagerungstrend weiter anhält und erhoffen sich von der Ankündigung weiterer Verträge einen stärkenden Einfluss auf den Kurs der Barry-Callebaut-Aktie. Zusätzlich schützen die Abnahmeverträge den Schokoladenhersteller vor dem hohen Kakaopreis und stärken seine defensiven Qualitäten.