Er sieht in den nächsten drei Jahren eine neuerliche Krise heraufziehen.

Sie waren lange Investmentstratege für Pensionskassen, nun beliefern Sie Privatanleger mit Anlagetipps. Erteilen Sie jenen dieselben Ratschläge?
Stéphane Monier*:
Tatsächlich bieten wir im Private Banking einen Ansatz an, der bisher institutionellen Investoren vorbehalten war: Wir stellen bei der Anlage die Risiken ins Zentrum. Das steht im Gegensatz zur verbreiteten Methode, die Aufteilung des Kapitals auf die Anlageklassen vorher festzulegen und nach diesem Schlüssel dann das Vermögen anzulegen.

Doch in den letzten drei Jahren standen die Ampeln am Aktienmarkt auf Grün. Verpassen Ihre Kunden mit dem Fokus aufs Risiko nicht Rendite?
Natürlich, wer an weiterkletternde Kurse glaubt, der kann mit diesem Ansatz wenig anfangen. Wir denken jedoch, dass die Risiken neuerlicher Börsencrashs wieder zunehmen. Denn solche sind, wie uns die Geschichte lehrt, leider recht häufig. Seit der Gründung dieser Bank etwa kam es zu nicht weniger als 46 Finanzkrisen. Wir erwarten, dass in den nächsten drei Jahren wieder ein solches Ereignis bevorsteht.

Aber auch Sie können nur mutmassen?
Wir mutmassen eben nicht. Unser Ansatz trifft keine Annahmen. Er reagiert auf die gegenwärtige Verschiebung der Risikoparameter an den Märkten und nimmt automatisch die nötigen Veränderungen am Portefeuille vor. Dies alles mit dem Ziel, Verluste zu begrenzen. Die letzten solchen Ereignisse fanden 2011 während der Euro-Krise und letztes Jahr statt, als die Märkte auf das Fed-Tapering reagierten.

Anzeige

Und in welche Richtung zeigen Ihre Risikoparameter heute?
Sie zeigen eine relativ stabile Lage. Trotzdem ist es so, dass die Anleger im heutigen Tiefzinsumfeld fürs eingegangene Risiko nicht mehr genügend entschädigt werden. Konnten sie früher im Schnitt bei 10 Prozent Risiko mit 15 Prozent Ertrag rechnen, sind es heute nur noch etwa 7 Prozent. Mit unserer Anlagestrategie war es in den letzten Jahren möglich, durchs Band 3 Prozent über der Cash-Rendite hinzuzugewinnen.

Das ist ein Bruchteil dessen, was mit Aktien möglich gewesen wäre, oder?
Wir hatten aber auch keine nennenswerten Ausreisser nach unten. Das ist mit Blick auf die Anlegerpsyche nicht zu unterschätzen. Nur wer weiss, dass er nicht viel verliert, traut sich, in Krisenzeiten zuzukaufen. Und solche Zeiten könnten schon bald wieder bevorstehen.

Wie sieht denn Ihr Portefeuille derzeit aus?
Die Allokation richtet sich nach der Erfahrung vergangener Konjunkturzyklen. Unseren Berechnungen zufolge befanden sich die Märkte zu 40 Prozent der Zeit in der Expansion, zu 40 Prozent in der Rezession und während 20 Prozent der Zeit in einer inflationären Phase.

Was heisst das für die Anlage?
Jede Phase begünstigt gewisse Anlageklassen – in Zeiten der Inflation klettern die Rohstoffpreise, während in Wachstumsphasen vor allem Aktien profitieren. In rezessiven Phasen sind Anleihen geeignet. Derzeit haben wir keine Anlageklasse gemäss ihrem Risikoprofil über- oder untergewichtet.

Und das reicht, um der nächsten Krise zu trotzen?
Rückwärtstests zeigten, dass wir mit dieser Aufteilung während der Finanzkrise gut 8 Prozent Verluste eingefahren hätten. Die Aktienmärkte fielen während dieser Zeit aber um mehr als 30 Prozent.

Anzeige

Das klingt, als hätten Sie die Silberkugel gegen Crashs gefunden?
Mit Magie hat das nichts zu tun. Und die Methode ist auch nicht neu. Die Branche wendet solche Absolute-Return-Instrumente schon seit den 1990er-Jahren an.

… mit katastrophalen Folgen in der Finanzkrise.
Richtig. Dies hatte aber damit zu tun, dass die betroffenen Fonds mit dem Leverage-Effekt die Rendite zu steigern suchten – was sich dann zum Bumerang entwickelte, weil dabei oftmals illiquide Anlagen gehebelt wurden.

*Stéphane Monier ist Anlagechef im Private Banking Europe bei der Genfer Privatbank Lombard Odier.