Advanced Digital Broadcast (ADB), der Settopboxen-Hersteller mit Firmensitz in Genf, hat die Latte mit seinem Halbjahresresultat für die Konkurrenz hoch gesetzt: Die Umsatz- und Gewinnprognosen der Analysten und Anleger wurden übertroffen.

Skaleneffekte ausgelagert

ADB profitiert jetzt von der Umstellung der Fernsehnetze von analoger auf die digitale Technologie, von prosperierenden Grosskunden wie Telenet, TFN Media oder Ikusi aus Spanien sowie dem Trend zu höherwertigen Boxen, die dem Margendruck weniger ausgesetzt sind. Gerade die Digitalisierung der Fernsehsignale erfolgt unabhängig von Wirtschaftszyklen. In Spanien wird im April 2010 umgestellt, in Frankreich 2011, und Italien folgt ein Jahr später. Die Analysten der Credit Suisse haben nach dem soliden Abschluss ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen nach oben korrigiert. ADB ist gegenwärtig zum 12-Fachen der Gewinnerwartungen für das laufende Jahr bewertet. Der Aktienkurs ist seit März fast um das Dreifache gestiegen. Für 2010 prognostiziert die Credit Suisse eine Gewinnverbesserung um 10%, bei einem Umsatzplus in gleicher Höhe. Hier liegt der operative Schwachpunkt von ADB - weil die Produktion der Hardware ausgelagert ist, schlagen sich steigende Verkäufe kaum in überproportionalen Gewinnen nieder. Die Skaleneffekte liegen bei den Outsourcing-Partnern.

Steigende Gewinne in Aussicht

«Nur» verdoppelt hat sich der Kurs von Kudelski seit März. Bei dieser Aktie ist die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 auch deutlich ambitiöser. Kudelski liefert die Zugangstechnologie, mit der Netzbetreiber sicherstellen, dass Privatkunden über ihre Settopboxen nur die Programme sehen, für die sie auch wirklich bezahlt haben. Von Kuldelski stammt auch die sehr ähnliche Technologie für Skilifte und öffentliche Veranstaltungen.

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Das Lausanner Unternehmen hat in den letzten zwei Jahren das Zugangskartengeschäft von einem Verkaufs- auf ein Mietmodell umgestellt. Dadurch glätten sich für Kudelski zwar die Umsätze, die Umstellung selbst ist aber mit Verlusten verbunden.

Die Vontobel-Analysten Michael Foeth und Panagiotis Spiliopoulos erwarten jetzt den Wendepunkt mit einem operativen Verlust von 20 Mio Fr. aufgrund der Umstellung und der niedrigen Profitabilität des Public-Access-Geschäfts. Für das Gesamtjahr rechnen die Analysten mit einem Gewinn von 61 Mio Fr., für 2010 erwarten sie bereits 114 und für 2011 140 Mio Fr. Deshalb ist auch die mittelfristige Bewertung sehr viel vorteilhafter als die kurzfristige Sicht; das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2010 liegt noch bei 12 und für 2011 bei 9,6. Die Analysten von Helvea, die einen kleinen operativen Gewinn erwarten, erwarten von der Analystenkonferenz zur Ergebnismeldung eine Bestätigung der Jahresprognose, die einen Umsatz von knapp 1,1 Mrd Fr. und einen operativen Gewinn zwischen 50 und 60 Mio Fr. vorsieht. Aufgrund der sich mittelfristig verschärfenden Wettbewerbssituation bleiben die meisten Analysten bei Kudelski «neutral» eingestellt.