Das 1. Semester des laufenden Jahres brachte für die vier BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und China an ihren Leitbörsen eine völlig unterschiedliche Kursentwicklung: Der Bovespa-Index, welcher die Kursentwicklung der Aktien an der Börse von São Paulo widerspiegelt, steht per Saldo auf dem gleichen Stand wie zu Jahresbeginn. Etwa gleich gut hat sich der RTS-Index gehalten, der auf Dollarbasis die Performance der russischen Aktien erfasst. Noch 7% im Plus steht der ebenfalls oft als Benchmark verwendete russische RTX-Index. Dagegen hat der BSE-30-Index der Börse von Mumbai ein Viertel seines Wertes eingebüsst. Noch schlechter hat sich die Börse von Schanghai, gemessen am Composite-Index, entwickelt. Dieser Index erfasst sowohl die lediglich von chinesischen Staatsbürgern kaufbaren A-Aktien als auch die für den Verkauf an Ausländer bestimmten B-Aktien und ist seit Jahresbeginn um über 40% gefallen.

Sinnvoll wegen Diversifikation

Das zeigt sich auch in der Kursentwicklung der knapp 50 BRIC-Produkte. So liegen beispielsweise die beiden ABN-Amro-BRIC-Tracker BRICO und BRICC, welche sich auf das ursprüngliche BRIC-Konzept beziehen, rund 10% unter dem Stand zu Jahresbeginn.

Hinter diesen unterschiedlichen Entwicklungen stehen die divergierenden Standortvorteile der vier Länder. Russland und Brasilien profitieren vom Rohstoffboom, Indien lockt mit IT und Dienstleistungen, China mit billigen Produkten. Dennoch bleiben die Schätzungen hoch: Für Russland erwarten die Analysten von JP Morgan für dieses Jahr ein Wachstum von 8%, Indien kommt auf 7%, Brasilien auf 5% und China soll auf 11% kommen.

Laut Florian Stasch, Derivateexperte bei ABN Amro in Zürich, ist das BRIC-Konzept trotz der unterschiedlichen Entwicklung in diesem Jahr nicht überholt. «Alleine schon aus Diversifizierungsgründen machen Produkte, die mehrere Länder umfassen, Sinn. Während China und Indien seit Anfang Jahr stark korrigierten, haben sich Russland und Brasilien deutlich stabiler gezeigt. In der Summe führt das dazu, dass z.B. der DAXglobal BRIC Index seit Anfang Jahr sogar besser performt hat als SMI, S&P 500 oder EuroStoxx 50.»

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BRIC-Tracker sind laut Stasch für Privatanleger geeignet, die an der Entwicklung dieser vier grossen aufstrebenden Volkswirtschaften teilhaben möchten. Natürlich gebe es die Alternative, dass Anleger anstelle eines solchen Produktes Index-Tracker dieser vier einzelnen Länder kaufen. «Aber das ist eher ein Weg für Anleger, die ständig die Aussichten überprüfen und sich eine detaillierte Meinung über die einzelnen Länder gebildet haben», sagt Stasch weiter. «Profis könnten ihre Meinung darüber hinaus mit strukturierten Produkten optimiert umsetzen und beispielweise ein Produkt auf Russland mit Kapitalschutz mit einem Hebelprodukt auf einen chinesischen Index kombinieren», so der Derivateexperte.

Anlagehorizont spielt eine Rolle

Für Anleger, welche sich zu einem ungünstigen Zeitpunkt mit BRIC-Produkten eingedeckt haben, empfiehlt Stasch, die Anlagen regelmässig dahingehend zu überprüfen, ob die Faktoren, die für einen Kauf gesprochen haben, noch gültig sind. «Das ist generell wichtig und gilt im Übrigen für jede Anlage. Wenn die Komponenten von Produkten auseinanderlaufen, kann man als Anleger die Zusammensetzung verändern, sofern die Investmentstory weiterhin intakt ist», sagt Stasch. «Dabei spielen auch immer der Anlagehorizont und die Meinung zu den Märkten eine Rolle.»

Dies trifft auch auf die BRIC-Produkte zu. Günstiger als der Vergleich seit Jahresbeginn fällt hier der Einjahresvergleich aus. Der Bovespa gewann knapp 20%, der RTX 50%. Einige wenige Prozentpunkte abgerutscht ist die Börse in Indien. Die chinesischen Aktien fielen gegenüber Juni 2007 gleich um 25%. Im Vergleich zu damals haben die beiden BRIC-Tracker BRICO und BRICC immer noch ansehnliche Kursgewinne von über 10%. Wirklich gut gefahren sind die Anleger, die bereits früh dabei gewesen waren. BRICO hat seinen Wert (auf Dollarbasis) seit Anfang 2005 verdreifacht, der erst später lancierte BRICC, ebenfalls auf Dollarbasis, verdoppelt.